#nasichi

Warum ausgerechnet der BVG die Billy-Boy-Kampagne zu heiß ist

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Berliner Busse und Bahnen sind für Billy Boy tabu
© Billy Boy
Berliner Busse und Bahnen sind für Billy Boy tabu
Wenn ein Betreiber städtischer Busse und Bahnen für witzige und freche Werbeaktionen steht, dann sind es die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Man denke nur an das selbstironische Musikvideo "Is mir egal" oder das schnulzige Münchner-Freiheit-Remake "Ohne uns". Doch ist die BVG wirklich so hipp und locker drauf, wie sie tut? Billy Boy meldet Zweifel an.
Bei Billy Boy und Rocket & Wink versteht man gerade die Welt nicht mehr. Die Motive der neuen #Nasichi-Kampagne, die die kürzlich gekürte Leadagentur des Kondomherstellers entwickelt hat, sind aktuell in etlichen deutschen Großstädten und Studentenhochburgen wie Hamburg, Köln und Freiburg zu sehen - und dort auch im öffentlichen Nahverkehr. Bloß in Berliner Bussen und Bahnen sucht man die frechen #Nasichi-Motive vergebens. Begründet wird das damit, dass der Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in der Hauptstadt den Motiven "eine Absage erteilt" habe. 


Billy Boy: Die Motive der #nasichi-Kampagne


Bei Billy Boy hält sich das Verständnis dafür in Grenzen. "Gerade das coole Berlin ist doch so weltoffen, so bunt und so vielfältig und hat in der Vergangenheit einige krasse Kampagnen gesehen – auch im öffentlichen Nahverkehr. Da hat es uns überrascht, dass ausgerechnet der Betreiber desselben, der ja speziell dafür bekannt ist, selbst lockere, witzige und etwas außergewöhnliche Werbung zu machen, mit unseren Motiven nicht umgehen kann", echauffiert sich Johannes Zerger, Brand Manager von Billy Boy.

Zerger ist auch deshalb irritiert, weil es sonst nirgends Probleme gab. Die anderen Städte seien "total entspannt" gewesen, was die Motive Motive angeht.


Bekommen Berliner jetzt ein zensiertes Billy-Boy-Motiv zu sehen?
© Billy Boy
Bekommen Berliner jetzt ein zensiertes Billy-Boy-Motiv zu sehen?
Dass sich bei der BVG die Entspannung nicht so recht einstellen wollte, hat eine Vorgeschichte. Eine Sprecherin begründet die Ablehnung der Billy-Boy-Motive gegenüber HORIZONT Online mit einem Fall, der schon einige Jahre zurückliegt. Damals erregte eine Kampagne des Berliner Bordells Artemis  die Gemüter. "Obwohl die Motive durchaus ansprechend waren, mussten wir uns viel Kritik anhören", sagt die Sprecherin. Daher habe die BVG mit dem Vermarkter Wall beschlossen, grundsätzlich keine Motive mehr zu schalten, bei denen Sex verbildlicht werde. "Es geht uns nicht um Inhalte, mit Werbung für Kondome haben wir überhaupt kein Problem", so die Sprecherin. Aufgrund des hohen Anteils minderjähriger Fahrgäste seien aber Motive mit sexuellen Darstellungen oder Anspielungen tabu.

Bei der Kampagne, die gleichzeitig das Debüt von Rocket & Wink für die Marke ist, nimmt Billy Boy durchaus kein Blatt vor den Mund. So fragen Kunde und Agentur zum Beispiel "Die Rakete auf große Mission schicken?" oder "Das Rohr ordentlich durchpusten?". Die Antwort halten Billy Boy und Rocket & Wink dann mit dem Kampagnen-Hashtag #nasichi bereit. Der Markenclaim lautet "Billy Boy liebt euch".

Billy Boy ist nicht die einzige Marke, die in jüngster Zeit mit ihren Plakatmotiven angeeckt ist. Ende vergangenen Jahres hatte eine Kampagne von Fernet Branca für Irritationen gesorgt. Stein des Anstoßes war ein Motiv der "Life is bitter"-Kampagne. "Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es Werber", war dort zu lesen. Dagegen waren einige Werber Sturm gelaufen. mas 
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