Nach Rezo-Schock

Die CDU soll eigene Influencer in den Kampf um Wähler schicken

Die CDU ringt mit sich, wie sie auf das Rezo-Video reagieren soll
© Screenshot Youtube
Die CDU ringt mit sich, wie sie auf das Rezo-Video reagieren soll
Zwar stärkste Kraft, aber gegenüber 2014 deutlich verloren: Das Ergebnis bei der Europawahl steckt der CDU noch immer in den Knochen. Nun kommen aus der Partei Vorschläge, wie man in Zukunft vor allem junge Wähler wieder besser erreichen kann. Es überrascht nicht, dass es nach der überragenden Resonanz auf das Video des Youtubers Rezo dabei auch um Influencer geht.
Vorgelegt haben das Thesenpapier Thomas Jarzombek und Jörg Müller-Lietzkow, beide Vorstandsprecher des Vereins cnetz. Der "Think Tank" (Selbstbezeichnung) hat sich einer "verantwortungsvollen Digitalpolitik, die einen fairen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen schafft" verschrieben. In Vorstand und Beirat finden sich viele Mitglieder der Union, weshalb das cnetz auch als CDU-nah eingeordnet wird.


In dem Aufsatz "Gedanken und Konzepte im Rahmen eines neuen, digital-geprägten Politikverständnis" machen sich Jarzombek, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Düsseldorf, und der Potsdamer Medienwissenschaftler Müller-Lietzkow Gedanken darüber, "wie sich die CDU in Zukunft in ihrer Digital- und Innovationspolitik aufstellen soll." Anlass für das Brainstorming ist das Video "Die Zerstörung der CDU" des Youtubers Rezo, das seit dem Upload am 18. Mai über 14 Million Mal abgerufen wurde - und das seinen Anteil am Ergebnis der CDU gehabt haben dürfte.
Neben einer Analyse eigener Fehler und neuen Impulsen für Digitalpolitik setzen sich die beiden Autoren auch mit neuen Formen der Kommunikation mit dem Wahlvolk auseinander. Und hierbei hat es ihnen besonders das Influencer-Phänomen angetan. Die Merkel-Partei, die in der Vergangenheit bereits mit Internet-Stars kommuniziert hat (siehe hier und hier), müsse "den Dialog mit den Influencern, aber auch mit all denen führen, die sich im Internet politisch einbringen (wollen)". Dazu müsse aber "ein echter Dialog her, auf Augenhöhe und mit Themen, die auch die Zielgruppen interessieren. Das sind im Zweifel eben nicht die Mütterente und das Baukindergeld."

Da es, so die Meinung der Autoren, in der Szene "eine zumindest wahrgenommene Vorliebe für grüne und linke Sichtweisen" gebe, müsse die CDU "andere, eigene Influencer aufbauen, die weniger vorgeprägt denken". Dabei denken Jarzombek und Müller-Lietzkow aber nicht an "typische Politiker", sondern "meinungsfreudige Menschen" mit entsprechender Nähe zur CDU. Anders werde es kaum gehen: "Auf dem alten Weg, mit eigenen CDU-Kanälen und Werbevideos aus dem Adenauerhaus, wird man kein Millionenpublikum erreichen. Nun, seien wir ehrlich, kaum jemanden."
Und wo soll das Ganze dann stattdessen passieren? Natürlich auf Youtube, Instagram, Snapchat oder Tiktok. Orientieren sollen sich die Christdemokraten dabei durchaus an dem, der sie zerstören wollte. Rezos Video verdanke seinen Erfolg auch seiner Machart: "Schnelle, prägnante Argumente, Schnitte, Quotes, Charts, Musik, Webkommunikation. Und auch Quellennachweise, Belege, Interviewausschnitte zu allen Argumenten."


Wichtig sei dabei der Dialog mit der Zielgruppe, denn: "Das Internet ist kein Fernsehen! Also nicht einer sendet und Millionen schauen zu", so Jarzombek und Müller-Lietzkow. Fragen und Argumente müssten vielmehr aufgenommen und beantwortet werden. "Und zwar auf Augenhöhe, in verständlicher Sprache und ohne verquasten 'Politiksprech'".
Rezo / Die Zerstörung der CDU
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"Verdammung und Kritik von oben herab ist die denkbar schlechteste Reaktion"

Nachdem der Youtuber Rezo mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" einen Viralhit landete, ernten die Reaktionen der Christdemokraten Hohn und Spott. Erst sprach Generalsekretär Paul Ziemiak von Falschbehauptungen, dann wollte die CDU ein ursprünglich als Reaktion auf die kritischen Äußerungen geplantes Internet-Video des jungen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor doch nicht veröffentlichen.

Bislang hatte die CDU in ihrer Reaktion auf das Rezo-Video alles gemacht, nur keine gute Figur. Eine zunächst angekündigte Video-Antwort von Jungpolitiker Philipp Amthor wurde abgesagt, dann sorgte Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrer Forderung nach Regeln für "Meinungsmache" im Internet in Wahlkampfzeiten für Kopfschütteln. Für Irritationen sorgte auch, dass die Partei auf ein millionenfach geklicktes Video mit einem mehrseitigen pdf reagierte.
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