Nach Rassismus-Vorwürfen

Bahlsen kündigt Umbenennung der Waffelsorte "Afrika" an

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Bahlsen erklärte sich der Community auf Instagram
Bahlsen hat sich auf Instagram einen veritablen Shitstorm eingehandelt: Zum Valentinstag hatte der Kekshersteller einen Post abgesetzt, der die Waffelsorte Afrika in den Mittelpunkt rückte. An den Namen des Produkts entzündete sich eine heftige Diskussion um Alltagsrassismus, die nun offenbar Konsequenzen hat.
Der Post war sicher gut gemeint: "Weil du mir jeden Tag versüßt", war auf dem Motiv zu lesen, das zwei Tassen Milchkaffee und einen Teller mit den Knusperwaffeln der Sorte Afrika zeigte. Dazu stellte Bahlsen die Frage, mit wem man die süßen Kekse am liebsten teilen würde. Doch schon bald häuften sich unter dem Post die Kommentare. "Ein brauner keks der Afrika heißt? For Real?" fragte eine Userin unter Verwendung des Hashtags #alltäglicherrassismus.


In dasselbe Horn stießen immer mehr Nutzer, während andere die Namensgebung verteidigten. Bahlsen selbst hielt sich nicht komplett aus der Diskussion heraus. Kurz nach Beginn der Social-Media-Debatte postete das Unternehmen: "Hallo zusammen, wir möchten hier betonen, dass uns rassistische Gedanken mehr als fern liegen. Der Name Afrika wurde ausgewählt, weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist und der Name damit perfekt zu unseren vollschokolierten Waffeln passt. Das Produkt Afrika bieten wir unter diesem Namen bereits seit über 60 Jahren an."

Wirklich besänftigen konnte das die Community allerdings nicht. Zumal in der Zwischenzeit der rassistisch motivierte Anschlag von Hanau eine neue Qualität in die bundesweite Debatte um Rassismus brachte. Anfang März nahm die Diskussion erneut Fahrt auf, nachdem Henning May von der Band AnnenMayKantereit einen kritischen Kommentar likte und mit einem "Danke"-Emoji kommentiert hatte. Die Instagram-Community des 28-jährigen ist 505.000 Follower stark. Der Text des Posts, der die Zustimmung des Musikers fand, lautete: "@bahlsen anstatt immer nur den gleichen Text abzuleiern, einfach mal drauf eingehen und überlegen, ob das so alles seine Richtigkeit hat. Ist nicht so schwer und nicht so schlimm". Was viele Nutzer störte: Zwar befinden sich mit der Elfenbeinküste und Ghana tatsächlich die größten Kakaoproduzenten der Welt in Afrika - es handelt sich damit aber nur um zwei Länder eines wesentlich vielfältigeren Kontinents. Auch der Hinweis von Bahlsen, das Produkt habe seinen Namen bereits seit 60 Jahren, kam nicht gut an. "Das Argument 'das haben wir schon immer so gemacht' zieht nicht mehr so ganz finde ich. Alle sagen immer, man muss mit der Zeit gehen. Warum dann doch dieser Name? Könnte nach 60 Jahren ja mal aufgefrischt werden, was meint ihr?", schrieb eine Nutzerin und dürfte damit die Meinung vieler anderer User getroffen haben.


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Vor einigen Tagen schließlich meldete sich Bahlsen in der Sache erneut zu Wort. Der ursprüngliche Text des Beitrags wurde aktualisiert und mit einer neuen Botschaft an die Instagram-Gemeinde versehen. Im Wortlaut heißt es: "Viele von euch haben sich intensiv mit unserem Produktnamen Bahlsen Afrika auseinandergesetzt und hier kommentiert. Eure Meinungen und die Kritik nehmen wir sehr ernst. Wir distanzieren uns von Rassismus und Diskriminierung in jeder Form. Aus euren Kommentaren haben wir unterschiedliche Meinungen herausgelesen. Einige assoziieren den Produktnamen mit Rassismus, während andere die Diskussion um den Produktnamen nicht nachvollziehen können und finden, dass genau dieses Schubladendenken Rassismus fördert. Wir haben dieses Produkt vor 60 Jahren ins Leben gerufen und damals wie heute lagen uns rassistische Gedanken mehr als fern. Um zu vermeiden, dass unser Produkt Assoziationen mit Rassismus hervorruft, arbeiten wir bereits an einer Umbenennung."

Es war dies übrigens nicht das erste Mal, dass Bahlsen die Namensgebung für die Afrika-Waffel verteidigen musste. Bereits 2011 thematisierte eine Bloggerin mit einem Master in Afrikawissenschaften die mit dem Namen verbundene Problematik. Die Antwort, die Bahlsen damals auf eine entsprechende Anfrage der Blogbetreiber abgab, liest sich durchaus vertraut:" Der Name Afrika wurde ausgewählt, weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist und damit der Name perfekt zu unseren knusperzarten, mit Schokolade überzogenen Waffelblättern, passt. Das Produkt wurde 1953 eingeführt.", teilte das Unternehmen seinerzeit mit.
„Um zu vermeiden, dass unser Produkt Assoziationen mit Rassismus hervorruft, arbeiten wir bereits an einer Umbenennung.“
Bahlsen-Statement
Danach machte Bahlsen das Produkt mehrfach zum Thema von Promotions auf Facebook - Rassismus-Vorwürfe wurden dabei allerdings nicht laut. Zwar stellten einige User die Frage nach dem Namen, die Antwort war allerdings auch damals stets dieselbe. Bei Twitter häuften sich im vergangenen Jahr allerdings die kritischen Beiträge zu Bahlsens Afrika-Sorte.

Dass Bahlsen nun so stark ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist, könnte auch damit zusammenhängen, dass der Süßwarenhersteller aus Hannover seit dem vergangenen Jahr ohnehin unter verschärfter Beobachtung steht. Grund waren damals Äußerungen der Firmenerbin Verena Bahlsen über die Tätigkeit von Zwangsarbeitern im Unternehmen während der NS-Zeit. Bahlsen hatte in einem Interview gesagt, das Unternehmen hätte Zwangsarbeiter "genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt." Dafür musste sie sich wenig später entschuldigen. ire
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