Rechtsstreit mit Lemonade

Deutsche Telekom muss um Farbmarke "Magenta" fürchten

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Lemonade nutzt die Farbe Pink seit 2015
© Lemonade
Lemonade nutzt die Farbe Pink seit 2015
Magenta TV, Magenta Zuhause, Magenta Eins - in der Marken- und Produktwelt der Deutschen Telekom ist die Farbe Magenta seit vielen Jahren so etwas wie der optische Dreh- und Angelpunkt. Weshalb der Bonner Konzern "seine" Farbe auch hat markenrechtlich schützen lassen und gegen Unternehmen, die die Farbe dennoch nutzen, juristisch vorgeht. Doch dagegen regt sich nun Widerstand. Der Online-Versicherer Lemonade ficht den Magenta-Anspruch der Deutschen Telekom an.

Lemonade, das Ende 2016 mit Mieter- und Hausversicherungen in den USA startete und dort bislang nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Kunden gewinnen konnte, hatte sich erst im April in einer neuen Finanzierungsrunde weitere 300 Millionen US-Dollar für seine Expansion gesichert. Ein Markt, den die Gründer Daniel Schreiber und Shai Wininger von Anfang an auf dem Radar hatten, war Deutschland, wo das für seinen pinken Auftritt bekannte israelisch-amerikanische Unternehmen im Juni an den Start ging. 


Was Schreiber und Wininger indes gar nicht gefiel, war die Einstweilige Verfügung, die dem Unternehmen bereits im Juni zugestellt wurde. In dieser forderte die Telekom Lemonade auf, die Farbe Pink - dieser Farbton wird teils synonym zu Magenta verwendet und ist laut Lemonade ebenfalls von der Telekom geschützt (siehe Bild unten) -  aus allen Assets zu entfernen, da es sich um eine geschützte Farbmarke handele. 

Um diese Farben geht es im Streit zwischen Telekom und Lemonade
© Lemonaid
Um diese Farben geht es im Streit zwischen Telekom und Lemonade
"Zuerst dachten wir, es handelt sich um einen Scherz", sagt Lemonade-COO und Mitgründer Wininger. "Die weltweite Monopolisierung der Farbe Pink in allen Ausprägungen würde man doch eher einem Bösewicht in einem Disney-Zeichentrickfilm zutrauen", so Wininger weiter. 

Neben dem "T" ist Magenta das Aushängeschild der Telekom
© Deutsche Telekom
Neben dem "T" ist Magenta das Aushängeschild der Telekom
Doch die Telekom scherzt bekanntlich nicht. Weshalb Lemonade der Aufforderung auch zunächst nachkam. So wurden die vom Gericht angeordneten Änderungen vorläufig vorgenommen. Eine verbindliche Vereinbarung mit der Telekom unterschrieben die Lemonade-Chefs aber nicht. Stattdessen fiel die Entscheidung, den Anspruch der  Telekom über die Farbe Pink anzufechten. 

Den Worten folgen nun Taten. Wie Lemonade mitteilt, hat das Versicherungsunternehmen beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) beantragt, dass die Farbmarke "Magenta" für nichtig erklärt wird. Zudem habe das Unternehmen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) den Antrag gestellt, dass der Anspruch der Deutschen Telekom auf die Farbe Magenta im Versicherungsbereich widerrufen wird.

Lemonade sieht sich im Farbmarkenstreit mit der Telekom im Recht. So verwende das Unternehmen die Farbe Pink seit der Gründung im Jahr 2015 prominent. Das gilt auch für die Werbung. Allein die Instagram-Kampagne, bei der Hunderte von Alltagsgegenständen in pinke Farbe getaucht werden, sei in den letzten Monaten 18 Millionen Mal angeschaut worden. Aus Sicht von Lemonade ist daher die Farbe Pink im Versicherungsmarkt sehr eng mit der eigenen Marke verbunden. Die Telekom besitze dagegen gar keine Lizenz, um in der regulierten Versicherungsbranche tätig zu sein. Daher stünden die beiden Unternehmen auch "in keiner Weise im Wettbewerb zueinander", heißt es in einer Mitteilung.

Die Telekom sieht das naturgemäß völlig anders. "Die Telekom respektiert die Markenrechte aller, erwartet aber von anderen, dass sie dies auch tun", erklärt ein Sprecher gegenüber HORIZONT Online. Die Farbe Magenta sei wie das Unternehmenslogo "T" und weitere Markenelemente als Marke der Deutschen Telekom eingetragen. Zudem werde die Telekom über die Farbe Magenta deutlich erkannt und erinnert – "und das über das klassische Branchenumfeld hinaus", so der Sprecher weiter. Die Farbe trage daher in einem signifikanten Maße zum Erreichen des Unternehmenserfolges bei. Zum weiteren Verlauf der juristischen Auseinandersetzung mit Lemonade äußert sich die Telekom nicht. Man wolle zunächst die endgültige Entscheidung abwarten, heißt es. mas

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