Lidl gegen Aldi, Edeka und Penny

Mit diesem furiosen Video liefert der Discounter ein Wimmelbild für Netflix-Fans

Lidl erinnert an „Atomic Blonde“
© Lidl
Lidl erinnert an „Atomic Blonde“
Streamen Sie vielleicht gerne ihre Serien und Filme über Netflix? Dann hat Lidl mit „Haus des kleinen Geldes“ das perfekte Wimmelbild für Sie. Die jüngste Werbeattacke des Neckarsulmer Discounters gegen die gesamte Riege der Lebensmittelhändler macht keine Gefangenen und feuert aus vollen Rohren mit Anspielungen auf die größten Kultserien und die Werbemanöver der Konkurrenz. Selbst Ex-Daimlerchef Dieter Zetsche, der seit August Mitglied des Beirats von Aldi Süd ist, bekommt einen unfreiwilligen Gastauftritt.

In fast zwei Minuten Laufzeit erzählt „Netflidlix“ die Geschichte einer Undercover-Agentin, deren Look fast komplett von Charlize Theron als Superagentin Lorraine Broughton in „Atomic Blonde“ inspiriert ist.  Sie soll im Auftrag eines Schattenkonsortiums aus Aldi-, Edeka- und Penny-Vertretern dem Lidl-Geheimnis auf die Spur kommen. Die Gruppe – angeführt von dem Zetsche-Doppelgänger – ist ratlos: Wie kann ihr Konkurrent nur so frische Ware zu so günstigen Preisen anbieten und dann auch noch bei seinen Handelsmarken ständig Testsieger sein?


Doch die Recherche vor Ort führt schnell zur Erkenntnis, dass es an dem Lidl-Angebot keinen Haken gibt, und die Lidl-Konkurrenten wollen nun ihre eigene Agentin mundtot machen, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Diese erhält allerdings Unterstützung von dem „Mistkerl Robert“, der Fans der Serie „Mr. Robot“ sehr bekannt vorkommen dürfte. Das Schattenkonsortium schickt Häscher in den Masken von „Haus des Geldes“ los, um der Agentin Angst einzujagen. Und der Edeka-Vertreter in der Runde versucht es wie in der Netflix-Serie „Dark“ mit Zeitreisen. Er möchte in eine Zeit zurückreisen, „in der es den Lidl-Preis noch nicht gab“. Zwischendurch darf dann auch noch Eleven aus der Serie „Stranger Things“ die Eierwaffeln von Lidl loben.

Der Film nimmt es erwartungsgemäß mit den realen Fakten nicht allzu genau. So schäumt das Aldi-Double beispielsweise, dass das eigene Hip-Hop-Video von den Menschen gehasst wird. Und bekommt vom Edeka-Vertreter noch zu hören, dass er das auch nicht so „supergeil“ fand. Die Realität sieht allerdings anders aus: Das Video wurde mittlerweile fast 5 Millionen mal gesehen (mit 2400 Likes zu 700 Dislikes) und eroberte im August sogar den Spitzenplatz der Youtube-Charts.


„Haus des kleinen Geldes“ will mit seiner erzählerischen Komplexität gleich mehrere Ziele verfolgen. Hauptgegner ist Aldi, das mit seiner „Aldi Preis“-Kampagne aggressiv die eigene Preisführerschaft kommuniziert. Gleichzeitig will Lidl aber auch weitere Konkurrenten angreifen, mit denen sich der Discounter in der Vergangenheit immer wieder publikumswirksame Wortgefechte in den sozialen Netzwerken geliefert hat. Dass Edeka – das sich nicht sonderlich intensiv über das Preisthema profiliert – in dem Film ebenfalls auftaucht, ist bemerkenswert und dürfte ein weiterer Beleg für die Dominanz der Marke im Lebensmittelhandel sein.

Interessant ist, dass weder Rewe noch der in Onlinewerbung durchaus mutig agierende Nürnberger Discounter Netto hier nicht in das Feindbild integriert werden. Rewe hat in der Vergangenheit regelmäßig für seine Preiseinstiegsmarke Ja geworben, während Netto seinerseits keine Scheu vor einem Schlagabtausch mit Lidl hat. Nun gilt es auf die Reaktion der anderen Händler zu warten. Die Erfahrung der vergangenen Monate lehrt, dass es nicht allzu lange dauern dürfte.  cam

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