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Beim alltäglichen Einkauf fallen vielfach die aktuell erhöhten Preise auf. Das ist auch für den Handel ein Problem
IMAGO / Jochen Tack
Lebensmittel, Baumarkt, Drogerie

Händlern fällt die Preiskalkulation inflationsbedingt zunehmend schwer

Beim alltäglichen Einkauf fallen vielfach die aktuell erhöhten Preise auf. Das ist auch für den Handel ein Problem
Die gestiegene Inflationsrate macht neben den Verbraucherinnen und Verbrauchern auch dem Einzelhandel zu schaffen. Preise zu kalkulieren wird dort immer komplizierter und die Sorge, die eigene Kundschaft durch notwendige Preiserhöhungen zu verprellen, wächst. Laut einer Studie des Preismanagement-Softwareanbieters Mercio und des Marktforschungsinstitut Dynata ist die Lösung für das Dilemma jedoch ganz einfach.
von Helena Birkner Montag, 08. August 2022
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Über 200 deutsche sowie über 400 internationale Einzelhändler aus UK und Frankreich haben die beiden Unternehmen zu ihrer Preisgestaltung, den Folgen der Inflation und der Zukunft des Einzelhandels befragt. Dabei ging es vor allem darum, die mit der hohen Inflationsrate verbundenen Herausforderungen bei der Preisfindung im Einzelhandel zu untersuchen. Die aktuelle Rohstoffkrise und der Krieg in der Ukraine haben die Verbraucherpreise in Deutschland im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat  um 7,9 Prozent ansteigen lassen. Für das gesamte Jahr wird eine Inflationsrate von 6,9 Prozent prognostiziert.

© Mercio
In die Analyse von Mercio und Dynata wurden die Branchen Lebensmittel, Baumarkt und Drogerie einbezogen. Insgesamt zeigte sich, dass es allen drei Branchen zunehmend schwerer fällt, Preise zu kalkulieren. Dennoch behilft sich laut Studie nur knapp ein Drittel der in Deutschland ansässigen Einzelhändler bei der Preisgestaltung mit einer Preismanagement-Software. In England und Frankreich greifen jeweils über 40 Prozent der Einzelhändler auf solche Tools zurück. Die Befragten, die eine Software für das Preismanagement verwenden, gaben den Studienverantwortlichen zufolge an, dass dadurch ein höherer Umsatz erzielt wird.

Da natürlich vor allem die Endkonsumenten und -konsumentinnen unter dem Rekordniveau der Inflation leiden, befürchten etwa die Hälfte der befragten Einzelhändler, durch Preisanpassungen ihrer Produkte das Vertrauen der Kundschaft zu verlieren. Rund 90 Prozent der Studienteilnehmenden gaben an, die allgemeinen Verteuerungen nicht einfach an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben. 40 Prozent der Einzelhändler wenden im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie und dem Ukraine-Krieg deutlich mehr Zeit für vertretbare Preisanpassungen auf. Einem Fünftel der Befragten fehlen dafür jedoch die Kapazitäten.
© Mercio
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass zurzeit Preise vor dem Kauf häufiger verglichen und dann günstigere Produkte gekauft werden. Das gilt vor allem für den Baumarkt-Sektor, wo 65 Prozent der Befragten Preise vergleichen. In der Lebensmittel- und Drogeriebranche steigt aktuell der Ansturm auf Sonderangebote und bei einem Drittel der Baumarkt-Einzelhändler werden den Daten zufolge weniger Markenprodukte und dafür mehr Eigenmarken gekauft.

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© IMAGO / Panthermedia
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Liegt die Lösung also doch im Einsatz von Preismanagement-Software? Preisanpassungen werden laut Mercio von 60 Prozent der in Deutschland befragten Einzelhändler mindestens einmal pro Woche vorgenommen. Jene, die dabei keine entsprechende Software nutzen, sind immerhin zu mehr als 40 Prozent der Meinung, dass die Preisfindung auch so perfekt laufe. Ein Drittel hat nach eigenen Angaben keinen konkreten Grund, auf ein solches Tool zu verzichten und ein weiteres Drittel plant den Einsatz einer solchen Digitallösung schon lange, findet aber nicht die Zeit dafür.

Mercio zufolge konnten mehr als 60 Prozent der Einzelhändler, die ihre Preise mit Hilfe einer Preismanagement-Software kalkulieren, ihren Umsatz um bis zu 10 Prozent steigern. Ein Fünftel der Befragten gehen zudem davon aus, dass sich automatisierte Preismanagement-Systeme in den nächsten fünf Jahren im Einzelhandel durchsetzen werden. hmb
Über die Studie
Mercio hat im Juni 2022 zusammen mit dem Marktforschungsinstitut
Dynata 209 deutsche, 207 französische und 206 englische Einzelhändler aus den Branchen Baumarkt, Drogerie und Lebensmittel befragt. In Deutschland und England arbeiten die Befragten zum Großteil in Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden. In Frankreich arbeiten die Studienteilnehmenden hauptsächlich bei Einzelhändlern mit über 100 bzw. über 500 Mitarbeitenden.

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