Kritik an Auditoren

OWM und OMG stellen neuen Code of Conduct vor

Klaus-Peter Schulz und Joachim Schütz präsentieren einen neuen Code of Conduct
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Klaus-Peter Schulz und Joachim Schütz präsentieren einen neuen Code of Conduct
In trauter Eintracht veröffentlichen die beiden Branchenverbände OWM (Werbungtreibende) und OMG (Mediaagenturen) einen Code of Conduct für Media-Pitches. OMG-Vormann Klaus-Peter Schulz nutzt die Gelegenheit für eine heftige Breitseite gegen Auditoren.

In dem Interview, das er zusammen mit OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz HORIZONT gab, liefert Schulz auch konkrete Beispiele aus der Praxis. "Viele Auditoren nutzen eigentlich vertrauliche Informationen auch dazu, Auditing-Pools und Benchmarking-Datenbanken aufzubauen, um daraus dann eigene Geschäftsmodelle zu entwickeln. Uns ist ein Fall bekannt, in dem ein Auditor bei einem Vermarkter Konditionen für einen Kunden abgefragt hat, den er in Wirklichkeit gar nicht vertritt. Der Fantasie mancher Pitchberater sind offenbar keine Grenzen gesetzt.“ Und speziell an die Adresse von Accenture: "Es geht zum Beispiel überhaupt nicht, dass Auditing-Firmen für einen Kunden einkaufen, vorher aber erst einmal als Pitchberater Konditionen abfragen. Da liegt aus unserer Sicht eindeutig ein Interessenkonflikt vor." 

Es gibt noch ein paar weitere Aussagen, die aufhorchen lassen. Zum Beispiel, wenn OWM-Mann Schütz sagt: "Ich persönlich sehe die Daten-Sammelwut mittlerweile auch durchaus kritisch. Wir müssen uns schon kritisch fragen, welche und wie viele Daten wir tatsächlich benötigen." Und zur Rolle von Google und Facebook: "Die Frage ist: Ab wann sind bestimmte Player so groß und die Wettbewerbsverhältnisse so gestört, dass der Staat handeln muss? Persönlich halte ich nichts von einer Zerschlagung von Google oder Facebook. Aber die politische Debatte darüber ist inzwischen sehr intensiv." 

Ein neues Faß mach Schulz auf, wenn er einen Einblick gibt, wie heftig in der AGF nach wie vor beim Thema Bewegtbild-Währung gerungen wird: "Wir kritisieren, dass Google bei der Integration in die AGF zwar selbst mit den TV-Daten in den eigenen Systemen arbeiten möchte, aber umgekehrt nicht bereit ist, die Youtube-Daten in die AGF-Planungssoftware einzuspeisen. Frei nach dem Motto: 'Ich nehme 20 Euro und gebe Dir 10!'" Und schließlich gibt es bei den Mediaagenturen inzwischen auch so etwas wie Selbstkritik. So tausche man sich mittlerweile wieder viel intensiver über die Bedeutung von Umfeldern aus. "Da hat eine kritische Diskussion eingesetzt, die ich für sehr wohltuend halte." Die TV- und Print-Vermarkter wird's freuen. 

"Agenturen müssen sich heute oft an regelrechten Excel-Monstern abarbeiten"

Herr Schütz, Herr Schulz, sind die Media-Pitches  in Deutschland inzwischen zu aufwendig, zu teuer und zu intransparent? 
Klaus-Peter Schulz: Lassen Sie mich erst einmal ein Wort zur Größenordnung sagen. Laut letztem Report von Comvergence gab es im Zeitraum von Juli 2017 bis Juni 2018 in Deutschland 110 Etat-Veränderungen mit einem Billing-Volumen von insgesamt 3,2 Milliarden Euro brutto. Im Gesamtjahr 2017 waren es 4,9 Milliarden Euro. Das Thema hat also eine erhebliche Relevanz. 

Joachim Schütz: Vielleicht noch ein Wort dazu, wie dieser Code of Conduct entstanden ist. Bei einem Gespräch zwischen Kunden und Agenturen kam das Thema auf und alle Beteiligten sahen hier Handlungsbedarf. OMG und OWM haben sich dann der Thematik angenommen und in einem sehr konstruktiven Prozess und unter Beteiligung der jeweiligen Vorstandsmitglieder Handlungsempfehlungen erstellt. Es ist also sehr viel Know-how aus der Praxis eingeflossen.

Manche Pitches nehmen heute fast epische Ausmaße an. Läuft da nicht etwas ziemlich aus dem Ruder? 

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