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HelloFresh-CEO Dominik Richter
HelloFresh
Krisengewinner

Wie Hellofresh von der Corona-Pandemie profitiert

HelloFresh-CEO Dominik Richter
Der Kochboxenlieferant Hellofresh entwickelt sich immer mehr zu einem der größten Gewinner der Corona-Krise. Nach einem Absatzrekord im zweiten Quartal hält es das Management um Vorstandschef und Mitgründer Dominik Richter jetzt für möglich, die Erlöse im laufenden Jahr fast zu verdoppeln. Auch der operative Gewinn soll höher ausfallen als zuletzt gedacht. Dem Vorstand zufolge läuft das Geschäft im Sommer bisher besser als erwartet. In einigen Absatzmärkten treibe die Verschärfung der Pandemie die Nachfrage an. Unterdessen weitet Hellofresh sein Geschäft im Ausland weiter aus.
von HORIZONT Online / dpa Dienstag, 11. August 2020
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Der Kurs der Hellofresh-Aktie legte am Dienstagmorgen im Handel auf der Plattform Tradegate im Verhältnis zum Xetra-Schlusskurs des Vortags um 6,5 Prozent zu. Seit März ist das Papier im MDax gelistet. Seit dem Jahreswechsel hat es bereits rund 150 Prozent an Wert gewonnen und ist damit der größte Gewinner unter den deutschen Standardwerten. Inzwischen ist Hellofresh an der Börse fast acht Milliarden Euro wert und belegt damit einen Platz im oberen Mittelfeld des MDax.


Das Unternehmen profitiert davon, dass viele Menschen infolge der Pandemie im Homeoffice arbeiten, ihre Kinder zu Hause betreuen und statt in der Kantine zu essen selbst jeden Tag etwas Warmes auf den Tisch zaubern müssen. Die Zahl der aktiven Kunden sprang im zweiten Quartal im Jahresvergleich von 2,41 auf 4,18 Millionen nach oben.

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Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan sieht sich von den Geschäftszahlen in seinen Erwartungen weitgehend bestätigt, nachdem Hellofresh bereits zuvor grobe Eckdaten mitgeteilt hatte. Diebel schätzt, dass der Neukundenzuwachs bei Hellofresh in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreicht. Entscheidend sei, wie es im kommenden Jahr damit weitergehe.


„Unser Wachstum in den letzten Monaten war außergewöhnlich. Wir sehen klare Anzeichen dafür, dass Kunden angefangen haben, neue Gewohnheiten zu entwickeln.“
Dominik Richter
In den Monaten April bis Ende Juni sammelte Hellofresh rund 18,1 Millionen Bestellungen ein, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg sogar um 123 Prozent auf 972 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Der um Sonderposten bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) legte von gut 18 Millionen auf fast 154 Millionen Euro zu.

Unter dem Strich gelang Hellofresh ein Nettogewinn von rund 116 Millionen Euro und damit der Sprung in die schwarzen Zahlen. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Verlust von knapp 5 Millionen Euro gestanden. Im ersten Halbjahr erzielte die Gesellschaft einen Überschuss von knapp 156 Millionen Euro nach einem Verlust von 51 Millionen im Vorjahreszeitraum.

"Unser Wachstum in den letzten Monaten war außergewöhnlich", sagte Vorstandschef Richter. "Wir sehen klare Anzeichen dafür, dass Kunden angefangen haben, neue Gewohnheiten zu entwickeln." So hätten die Besteller die Zahl ihrer wöchentlichen HelloFresh-Mahlzeiten erhöht, weil sie mehr Zeit zu Hause verbrächten. Neben dem Bestellverhalten sei auch die Treue der Kunden zum Unternehmen gestiegen.

Daher schraubte das Management seine Geschäftserwartungen für 2020 ein weiteres Mal nach oben. So soll der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr währungsbereinigt um 75 bis 95 Prozent zulegen, wie das Unternehmen überraschend bereits am Montagabend mitteilte. Erst Mitte Juli hatte Hellofresh die Prognose auf 55 bis 70 Prozent angehoben. Die um Sondereffekte bereinigte Marge auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nun statt 8 bis 10 Prozent einen Wert zwischen 9 und 11 Prozent erreichen.

Hellofresh bietet wechselnde Essensvorschläge samt Zutaten an, aus denen sich die Kunden Kochboxen für die Woche zusammenstellen können. Die Zutaten kommen gekühlt samt Rezepten im Abo per Paketdienst nach Hause. Wer mehr bestellt, bekommt die Portion günstiger. Kochen muss man selbst, aber die Menge der Zutaten passt zum Gericht, und binnen 30 Minuten soll das Essen fertig sein.

Die Produkte des 2011 in Berlin gegründeten Unternehmens kommen auch im Ausland gut an. In beiden Geschäftsbereichen USA und International legten die Erlöse im zweiten Quartal um jeweils mehr als 100 Prozent zu. Anfang Juni expandierte Hellofresh nach Dänemark und ist damit in 14 Ländern der Welt vertreten - von Deutschland über Kanada und die Schweiz bis Australien. Zudem unterschrieb das Unternehmen Mietverträge für zwei neue Produktionsstätten - eine im britischen Nuneaton, eine in Newnan im US-Bundesstaat Georgia. An den beiden Orten sollen 1400 Arbeitsplätze entstehen. dpa
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