Konsumstudie zu Corona-Folgen

Deutsche Verbraucher unsicher im Hinblick auf ihre finanzielle Situation

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Reinigungsmittel waren eines der wenigen Produktsegmente, die in der Corona-Krise ihren Umsatz global steigern konnten
© imago images / Jochen Tack
Reinigungsmittel waren eines der wenigen Produktsegmente, die in der Corona-Krise ihren Umsatz global steigern konnten
Im internationalen Konsumentenvergleich der Studie "Covid-19 Consumer Outlook" zeigt sich, dass deutsche Verbraucher bezüglich ihrer finanziellen Situation am unsichersten sind. Doch auch in anderen Nationen wollen Konsumenten ihre Investitionen für Anschaffungen aller Art langfristig reduzieren. Viele Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen.
Verschiedene Studien kommen in der aktuellen Corona-Krise zu der Erkenntnis, dass sich das weltweite Konsumverhalten merkbar und mit anhaltender Wirkung verändern wird. Auch die Ergebnisse der internationalen Studie "Covid-19 Consumer Outlook" zeigen: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den untersuchten Ländern Deutschland, USA, Großbritannien und China lassen Verbraucher umdenken, nicht nur während der Krise, sondern höchst wahrscheinlich auch langfristig.


Dabei scheint die Unsicherheit unter den Verbrauchern hierzulande besonders groß zu sein. Über drei Viertel der Befragten gaben an, sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft zu machen, lediglich 18 Prozent sind diesbezüglich aktuell optimistisch gestimmt. Während der Krise haben sich die Deutschen über nahezu alle Produktkategorien hinweg in ihren Ausgaben eingeschränkt.

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Ausnahmen gibt es – wenn auch nur geringfügig – lediglich bei Produkten wie Reinigungsmitteln, für die in der Bundesrepublik in den letzten Monaten sechs Prozent mehr Geld ausgegeben wurde als bislang. Auch Streamingdienste sowie Lebensmittel-Händler und -Produzenten profitierten von den Auswirkungen der Pandemie. So stiegen die Ausgaben für Netflix, Amazon Prime und Co. hierzulande um fünf Prozent. Ähnliche Ergebnisse ergaben Umfragen in den USA und in Großbritannien.


Anders ist die Stimmung in China. Dort geben 44 Prozent der Verbraucher an, positiv in ihre finanzielle Zukunft zu schauen, die Zahlungsbereitschaft für bestimmte Branchen ist deutlich höher als in Pre-Covid-Zeiten. Chinesische Verbraucher investierten 40 Prozent mehr für Streaming-Dienste als zuvor, für Reinigungsmittel sogar mehr als 50 Prozent.

„Um die Krise zu überstehen, müssen viele Unternehmen ihr bisheriges Geschäftsmodell in Frage stellen. Wo es geht, werden digitale Angebote stark ausgeweitet, um den Sicherheitsbedürfnissen der Kunden Rechnung zu tragen.“
Tim Brzoska
"Dass Konsumenten während dieser Pandemie mehr für Reinigungsmittel und Heim-Entertainment ausgeben, war erwartbar", so Benedikt Schmitz, Studienautor und Director bei Simon-Kucher & Partners. Interessant seien hingegen die mitunter deutlichen Länderunterschiede, die teilweise in unterschiedlichen Grundvoraussetzungen begründet lägen. "So ist beispielsweise das überproportional große Wachstum bei Haushaltsreinigern in China schlüssig, wenn man sich die Monate vor dem Corona-Ausbruch ansieht; der chinesische Pro-Kopf-Umsatz von Haushaltsreinigern betrug im letzten Jahr weniger als zehn Prozent des deutschen", so Schmitz.

Wie Unternehmen reagieren sollten

Mittel- und langfristig müssten außer Herstellern essentieller Güter (Lebensmittel und Reinigungsprodukte) alle Branchen mit drastischen Verlusten rechnen, so die Studienverantwortlichen. Demnach planten die Konsumenten in Deutschland gar, ihre Ausgaben in fast allen Branchen um bis zu 50 Prozent herunterzufahren. Das werde vor allem die Reise- und Entertainment-Branche, also zum Beispiel Theater und Kinos, sowie die Gastronomie betreffen. Hauptgründe für die nachhaltig niedrigeren Ausgaben sind bei 40 Prozent der Befragten Sicherheit und Gesundheit. Auch die persönliche finanzielle Situation spielt für 24 Prozent eine maßgebliche Rolle. In Großbritannien werden nach der Krise in vielen Kategorien sogar nur 40 Prozent der ursprünglichen Ausgaben erreicht, so die Studienergebnisse.

"Um die Krise zu überstehen, müssen viele Unternehmen ihr bisheriges Geschäftsmodell in Frage stellen. Wo es geht, werden digitale Angebote stark ausgeweitet, um den Sicherheitsbedürfnissen der Kunden Rechnung zu tragen", so Tim Brzoska, Partner und Global Co-Head der Consumer Goods Practice bei Simon-Kucher. "Vor allem im Hinblick darauf, dass sich die Lage durch eine zweite Welle wieder verschlechtern kann, sollten Firmen jetzt Commercial Agility entwickeln. So bezeichnen wir die Fähigkeit, schnell und flexibel immer und immer wieder belastbare Entscheidungen bezüglich Angebotsgestaltung, Vertrieb, Kostenmanagement und Preisgestaltung zu treffen. Das ist bei einer wieder aufflackernden Krise überlebenswichtig." hmb
Über die Studie
Die Studie "Covid-19 Consumer Outlook" wurde von Simon-Kucher im Juni 2020 durchgeführt. Ingesamt wurden mehr als 12.000 Konsumenten in den USA, Großbritannien, Deutschland und China zu ihrem Konsumverhalten befragt, darunter mehr als 3.000 deutsche Teilnehmer.
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