"Für pulsierende Nächte"

Die Barmer empfiehlt Masturbation als Einschlafhilfe - und wird gefeiert

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Die Barmer wirbt für Selbstbefriedigung
© Screenshot Barmer / Facebook
Die Barmer wirbt für Selbstbefriedigung
Es soll ja Menschen geben, die ihre Schlaflosigkeit mit Pillen bekämpfen. Was nicht nur teuer, sondern auch ziemlich ungesund ist. Die Barmer empfiehlt ihren Mitgliedern nun eine Alternative, die auf lange Sicht gesehen nicht nur günstiger ist, sondern auch noch Spaß bringt. Die Botschaft der Krankenkasse und ihrer Social-Media-Agentur Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr: Ob man gut oder schlecht schläft ist etwas, was jeder selbst in der Hand hat - und zwar nicht im übertragenen Sinne.
"Nein, definitiv nicht. Das war kein Scherz", erklärt ein Sprecher der Barmer gegenüber HORIZONT Online. Es geht um den Post von Ende vergangener Woche, der - vorsichtig ausgedrückt - doch etwas ungewöhnlich ist für eine Krankenkasse. "Masturbation hilft beim Einschlafen", verkündete die Barmer ihren Mitgliedern auf Facebook. Dazu gab es noch ein sehr plakatives Motiv - mit Frauenhand, Dildo und der zweideutigen Headline "Für pulsierende Nächte". "Wenn du mal wieder nicht schlafen kannst, dann leg einfach mal selbst Hand an oder hol dir ein Spielzeug dazu, dann kommt der Schlaf ganz von alleine", rät die Krankenkasse. 


Der Post dürfe zu den erfolgreichsten gehören, die das Unternehmen jemals abgesetzt hat. Knapp 5000 Mal wurde das Motiv bislang geteilt, hinzu kommen mehr als 5500 Reaktionen und ebenso viele meist humorvolle Kommentare, in denen die Barmer von den Facebook-Nutzern ausgiebig gefeiert wird.

"Liebe Barmer, ich bekomme seit eurem Posting nicht genug davon und bin regelrecht süchtig geworden. Übernehmt ihr den Entzug in einer Sexklinik?", fragt eine Nutzerin mit einem Augenzwinkern. "Danke, jetzt kann ich schlafen wie ein Baby", schreibt ein anderer. Lob gibt es selbst von Mitgliedern, für die der Einschlaftipp nicht infrage kommt. "Eine gute Krankenkasse mit sehr guter Betreuung und Hilfe. Für alles andere habe ich meinen Mann", schreibt eine Barmer-Versicherte. Auch Nicht-Mitglieder scheint die Barmer mit der Aktion zu beeindrucken.  "Sehr coole Werbung. Ich überlege schon lange zu wechseln, vielleicht ist das das ausschlaggebende Argument gewesen, wer weiß...", schreibt ein weiterer Nutzer.


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Das einzige, was Nutzer durch die Blume kritisieren, ist, dass die Barmer den Versicherten bei der Anschaffung von "Hilfsmitteln" dieser Art nicht auch finanziell unter die Arme greift. So fragt eine Nutzerin die Versicherung, warum man
ein neues "Spielzeug" nicht auch mal "auf Rezept" bekomme. "Das wäre mal ne Idee!". 

Die Bilanz der Barmer fällt wenig verwunderlich sehr gut aus. "
Wir freuen uns, dass der Beitrag so viele positive Kommentare und schöne Reaktionen bekommen hat und sind dementsprechend sehr zufrieden mit dem Ergebnis", erklärt ein Sprecher gegenüber HORIZONT Online. Ziel des Motivs, das im Themenbereich "Body Positivity" angesiedelt ist, sei es, "das Wohlergehen des Menschen und seine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und Menschen zu ermutigen, offener mit allen Themen rund um ihre Gesundheit umzugehen", so der Sprecher. "Dabei möchten wir auch Themen ansprechen, die oft verschwiegen werden, letztendlich aber dennoch Relevanz besitzen und zudem nicht mit einem erhobenen Zeigefinger kommunizieren, sondern auf Augenhöhe und manchmal auch mit einem Augenzwinkern, wie bei diesem Post."

Die Barmer, die ihre klassischen Werbekampagnen von Grey entwickeln lässt, hat das Kamagnenmotiv gemeinsam mit der Agentur Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr (TLGG) entwickelt. Die Berliner hatten sich vor gut einem Jahr den Social-Media-Etat der Krankenkasse gesichert. Auftrag der Berliner Agentur war unter anderem, die Community der mit rund 9,2 Millionen Versicherten zweitgrößten deutschen Krankenkasse in den sozialen Medien weiter auszubauen. Mit der jüngsten Aktion dürfte das definitiv gelungen sein. mas
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