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FMCG-Manager sind besonders wechselwillig

Die Wechselbereitschaft von Managern im Bereich Handel und FMCG ist hoch
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Die Wechselbereitschaft von Managern im Bereich Handel und FMCG ist hoch
Will Amazon in Deutschland noch mehr Druck auf Händler und Konsumgüterhersteller ausüben, braucht es nur bei den dortigen Führungskräften anzurufen: Überdurchschnittlich viele Manager der Branche sind bereit zum Wechsel – vor allem, wenn ihnen ein innovativer und zukunftsfähiger Arbeitgeber mit starker Marktposition und spürbarer Willkommenskultur die Möglichkeit bietet, an Veränderungen mitzuwirken.
Auch wenn fast drei Viertel der Manager aus den Branchen Handel und Konsumgüter mit ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit zufrieden sind, geben alarmierende 60 Prozent der von Odgers Berndtson befragten Führungskräfte eine fehlende Perspektive als Top-Wechselgrund an – im Vergleich zu 46 Prozent im Durchschnitt aller Branchen. An zweiter Stelle stehen die geänderten strategischen Rahmenbedingungen, an dritter die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens – die Ergebnisse der Befragung für das "Manager Barometer 2018/2019" bieten den traditionellen Firmen eine gute Handlungsempfehlung, wie sie ihre Manager halten können, aber sie lesen sich auch, als hätte Amazon gute Karten – so es denn jemanden abwerben wollte. 
Fast die Hälfte aller Befragten wollen den Job wechseln
© Grafik: HORIZONT
Fast die Hälfte aller Befragten wollen den Job wechseln
Tatsächlich sind im Handel und bei FMCGs auch mehr Manager bereit, in eine andere Branche zu wechseln (94,5 Prozent), eine Gesellschafterrolle zu übernehmen (70,9 Prozent) oder in ein wesentlich kleineres Unternehmen wie ein Start-up zu wechseln (61,4 Prozent) als im Durchschnitt aller Branchen. Auch ein neuer Wohnort, ein Rückschritt in der Hierarchieebene, eine höhere Wochenarbeitszeit, Trennung von Lebenspartner beziehungsweise Familie oder Gehaltseinbußen schrecken die Top-Führungskräfte der Branche weniger ab als in anderen Wirtschaftssektoren, sollte ihnen ein Unternehmen eine spannende und herausfordernde Aufgabe bieten. Die muss für sie gar nicht unbedingt bei einem Konzern geboten werdenFür die Manager aus Konsumgüterindustrie und Handel ist eine Top-Position in einem mittelständischen Unternehmen das wichtigste Karriereziel (72,8 Prozent). 


Einfach mit agilen Methoden zu winken, reicht allerdings nicht aus, um Manager von FMCG- oder Handels-Firmen wegzulocken. Denn bei ihnen kommt ein breites Spektrum der neuen Arbeitsmethodenbereits zum Einsatz: Delegation von Verantwortung an Einzelne oder Team, kurze informelle Projekttreffen, Förderung der Vernetzung und Kommunikation aller Mitarbeiter, Gliederung von Projekten in kleine Teilprojekte (Kanban), regelmäßige Projektreviews und eigenverantwortliche crossfunktionale Teams (Scrum) gehören bei mehr als drei Viertel von ihnen bereits zum Alltag. Denpositiven Einfluss agiler Methoden nehmen die Manager deutlich wahr: Vor allem in Bezug auf Ideenfindung (67 Prozent), aber auch auf Entscheidungsprozesse (60 Prozent) und Mitarbeiterzufriedenheit (60 Prozent) stellen die Befragten Verbesserungen fest. Dementsprechend arbeiten die Top-Führungskräfte auch an der Entwicklung und Umsetzung von Agile Leadership (83,8 Prozent) mit. 
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Z
udem sind 69,4 Prozent der Manager aus dem Bereich Konsumgüter/Handel, die Agile Leadership eher positiv sehen, der Ansicht, dass sich Stimmung und Zufriedenheit in den Teams verbessern, da jeder seinen Beitrag am Gesamterfolg erkennen kann. 54,9 Prozent nehmen eine schnellere Entscheidungsfindung wahr. 52 Prozent sehen eine verbesserte Kommunikation innerhalb und zwischen den Teams. Bestehen im Unternehmen Vorbehalte gegenüber agilen Methodenbeziehungsweise werden diese schlecht umgesetzt, prägt dies auch die Führungskräfte: Für sie ist Agile Leadership dann nur ein Modewort und ein lästiges Muss, das verunsichert. ems 
Die Studie
Name: Manager Barometer 2018/2019 

Auftraggeber: Odgers Berndtson 


Erhebungsmethode: Schriftliche Befragung in Form eines elektronischen Fragebogens 

Stichprobe: An der Befragung haben 2460 Führungskräfte, davon 242 aus Konsumgüter- bzw. Handelsunternehmen, teilgenommen. Befragt wurde das Executive Panel von Odgers Berndtson, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) umfasst. 
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