Kampf gegen Plastikmüll

Netto wirbt mit Nackedeis für unverpacktes Obst - und kassiert Shitstorm

Gewagt: Netto muss sich auch Kritik anhören
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Gewagt: Netto muss sich auch Kritik anhören
Der Kampf gegen den Plastikmüll ist eine der dringlichsten Herausforderungen, denen sich der Handel derzeit stellen muss. Netto geht nun in die Offensive und lässt in den Frischeabteilungen seiner bundesweit 4.260 Filialen die (Plastik-)Hüllen fallen. Ihre Nachhaltigkeitsinitiative nutzt die Edeka-Tochter auch für eine freche Werbekampagne. Bei dem von Stammbetreuer Jung von Matt entwickelten Auftritt "Nackte Tatsachen" ist das Motto Programm, was aber längst nicht bei allen Nutzern gut ankommt.
So ganz wohl scheint er sich nicht zu fühlen: Kein Wunder, denn schließlich ist der Mann auf dem aktuellen Netto-Werbemotiv splitternackt - nur sein "bestes Stück" wird von einem Kopfsalat verdeckt. Dass Netto mit seiner Kampagne provoziert und mit den Motiven echte Hingucker liefert, ist Teil der Strategie. Schließlich will die Handelskette mit dem Auftritt auch ein Stück weit ihre Kunden umerziehen. Die Message: Nacktheit ist vor allem in der Frischeabteilung wichtig. Denn wer in der Obst- und Gemüseabteilung auf Plastikverpackungen verzichtet, der sorgt für weniger Plastikmüll und schont die Umwelt.
Die Motive kommen unter anderem im Social Web zum Einsatz
© Netto
Die Motive kommen unter anderem im Social Web zum Einsatz
Die Kampagne startet Anfang dieser Woche und läuft zunächst bis Ende Oktober. Die Werbemotive, auf denen neben Männern auch Frauen zu sehen sind, werden vorwiegend im Social Web gestreut. Zudem macht Netto am Point of Sale in Form von Plakaten, Aufstellern und Deckenhängern auf sein ausgebautes Angebot an hüllenlosem Obst und Gemüse aufmerksam, für das in den Frischeabteilungen eigene Mitteltische platziert wurden. 


"Unser Sortiment bietet bis zu 100 unverpackte Artikel in der Obst- und Gemüseabteilung. Darauf wollen wir die Aufmerksamkeit unserer wöchentlich 21 Millionen Kunden lenken – der Umwelt zuliebe. Denn wer unverpackt kauft, der spart Plastik und hilft, Verpackungsmüll zu reduzieren. Das ist uns bei Netto ein wichtiges Anliegen", sagt Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Netto Marken-Discount.

Mit den Motiven hat sich Netto aber längst nicht nur Freunde gemacht. Im Social Web hagelt es Kritik, weil viele Nutzer die Motive als sexistisch bewerten. "Ich stelle mir immer vor, dass eine Werbekampagne bevor sie öffentlich wird von Profis auf Sinn, Botschaft und Zielpublikum geprüft wird. Was zum Henker haben die von sich hierbei gedacht?  Werbung kann Kunden auch fernhalten! Bei mir funktioniert es", schreibt eine Nutzerin. "Alles andere als zeitgemäß eine nackte Frau zu Werbezwecken zu verdinglichen, um grün zu sein", schreibt ein anderer. Daher sei die Kampagne "völlig daneben". 


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