Kampagne von Ballhaus West

So wirbt die Bundesregierung für den Rechtsstaat

Motiv zum Thema Gleichberechtigung aus der Rechtsstaats-Kampagne
© BMJV
Motiv zum Thema Gleichberechtigung aus der Rechtsstaats-Kampagne
Eigentlich könnte man meinen, es handele sich um eine Selbstverständlichkeit, für die es keine Werbung braucht: das Bekenntnis zum Rechtsstaat. Eigentlich. Denn offenbar werden die Vorteile und Errungenschaften des demokratischen Rechtsstaats nicht mehr von allen Bürgern und ihren Interessenvertretern ausreichend wahrgenommen und wertgeschätzt. Um dem entgegenzuwirken, startet das Bundesjustizministerium jetzt eine Kampagne. Entwickelt hat sie die Berliner Agentur Ballhaus West.
Der Auftritt ist Teil eines Maßnahmenpakets für die personelle und qualitative Stärkung der Justiz, das die Bundesregierung Anfang des Jahres gemeinsam mit den Bundesländern beschlossen hat. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen die Grundrechte, die allen Bürgern garantiert werden. Unter dem Claim "Wir sind Rechtsstaat" werden zum Beispiel die Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit, aber auch Chancengleichheit und Schutz vor Diskriminierung thematisiert.


"Die Kampagne soll dazu beitragen, einer breiteren Öffentlichkeit die Bedeutung unseres demokratischen Rechtsstaats stärker ins Bewusstsein zu rücken", sagt Rüdiger Petz, Sprecher des Bundesjustizministeriums.

Wir sind Rechtsstaat: Die Kampagnenmotive




Erreicht werden soll die Gesamtbevölkerung über 18 Jahre, insbesondere junge, bislang politisch wenig interessierte Menschen. Zu dem Auftritt gehört ein Kinospot (Produktion: Lovestone Film, Regie: Nico Beyer), der bundesweit geschaltet wird sowie verschiedene Plakatmotive (Fotografie: Ailine Liefeld), die ebenfalls bundesweit zu sehen sind. Darüber hinaus kommen Online-Werbemaßnahmen und Social-Media-Aktionen zum Einsatz. Außerdem gibt es einen Messeauftritt am Tag der Deutschen Einheit, der dieses Jahr in Kiel gefeiert wird. Die Mediaschaltungen laufen bis zum 30. März 2020. Dafür ist aktuell ein Mediabudget von 3,15 Millionen Euro vorgesehen.
Die Motive für Gleichberechtigung thematisieren die Homo-Ehe. Zum Thema Religionsfreiheit werden ein Mann mit Takke und einer mit Kippa gezeigt, also offensichtlich ein Moslem und ein Jude - keine Christen. Bedenken, dass dies aus rechten politischen Kreisen zu Kritik führen wird, haben die Verantwortlichen nicht. "Wir gehen davon aus, dass alle im Bundestag vertretenen Parteien die Bedeutung des Rechtsstaats für unsere Demokratie anerkennen und die Botschaft der Kampagne mittragen", sagt Ministeriumssprecher Petz.


Die verantwortliche Agentur Ballhaus West hatte sich den Etat im Sommer gesichert. Co-Gründer Imran Ayata verfügt über langjährige Erfahrung bei der Betreuung öffentlicher Auftraggeber wie Verbände, Institutionen und Ministerien. Mit seiner Agentur, die er zusammen mit Alice Gittermann führt, betreut er inzwischen aber auch mehrere Kunden aus der Privatwirtschaft. mam
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