Kampagne bei Pornhub und Co.

So explizit hat wahrscheinlich noch niemand für Virenschutz geworben

So wirbt G Data bei Pornhub und Co.
© G Data
So wirbt G Data bei Pornhub und Co.
Die Marketingabteilung des IT-Security-Herstellers G Data hat nicht nur Mut bewiesen, sondern auch ein gutes Gespür dafür, wo die Zielgruppe sitzt: Das Bochumer Unternehmen wirbt aktuell auf Pornoseiten für mehr Sicherheitsbewusstsein im Netz - mit einem Spruch, der garantiert im Gedächtnis bleibt.
"Beim Vögeln schützt Du Dich. Warum nicht auch beim Wichsen?!" - diese Frage begegnet derzeit Besuchern von einschlägigen Webseiten wie Youporn und Pornhub. Die Frage setzt voraus, dass die so angesprochenen Porno-Konsumenten in ihrem Privatleben Safer Sex betreiben, was man sicher hinterfragen kann. Berechtigt ist allerdings die Anschlussfrage: Wer denkt wirklich darüber nach, was er sich auf den genannten Portalen - virtuell - alles einfangen kann?


Bei G-Data meint man die Antwort zu kennen: Nicht viele. Besonders in der jungen Generation wird wahrscheinlich recht sorglos gesurft. Dafür möchten die Bochumer ein Bewusstsein schaffen. Pornografische Angebote im Internet seien ein überaus fruchtbares Gebiet für digitale Bedrohungen, begründet man die von der internen Marketingabteilung erdachte Kampagne, die am 30. Oktober erstmals bei den Marktführern Pornhub und Youporn ausgespielt wurde.
„Als seriöses Sicherheitsunternehmen ist es natürlich nicht direkt naheliegend in diesem Umfeld Werbung zu betreiben. Aber auf den zweiten Blick macht es absolut Sinn.“
Kai Figge
"Als seriöses Sicherheitsunternehmen ist es natürlich nicht direkt naheliegend in diesem Umfeld Werbung zu betreiben. Aber auf den zweiten Blick macht es absolut Sinn", sagt Kai Figge, Gründer und Vorstand der G Data Software AG. "Damit ist nicht gemeint, dass ausschließlich dieses spezielle Umfeld Gefahren birgt, sondern dass Nutzer im Zweifel schon vorher abgefangen oder über versteckte Wege von der eigentlichen Website hin zu den Bedrohungen gelotst werden."

Dass G Data hier durchaus einen viel versprechenden Weg geht, belegt nicht nur die Reaktion von Webportalen wie Dressed Like Machines, wo man die Kampagne genüsslich aufgriff (siehe eingebetteten Post). Das Unternehmen hat sich offenbar auch einfach eingestanden, dass die Besucher der äußerst reichweitenstarken Sexportale eine interessante Zielgruppe darstellen: Sie sind digitalaffin und in der Regel männlich und jung. Nicht umsonst hat Pornhub, das selbst in Sachen Marketing schon des Öfteren ein gutes Händchen bewiesen hat, in diesem Jahr auf der Dmexco nach potenziellen Kunden Ausschau gehalten.
In G Data hat man einen bereitwilligen - jedoch beileibe nicht den ersten - Werbekunden gefunden. Offensichtlich haben sich die Marketer des Unternehmens genau mit dem Umfeld und seinen Anforderungen auseinandergesetzt: "Gegen den Trend haben wir uns bewusst für das Textformat an dieser Stelle entschieden. Wir wollen mit unserer Kampagne auffallen und das ist auf Videoportalen nicht gerade einfach", so Figge. "Die Werbebotschaft als Text zu platzieren war aus unserer Sicht die einzige Möglichkeit sich gegen andere Werbeformate auf diesen Seiten durchzusetzen." Die Kampagne besteht deswegen allein aus Bannern, die interessierte Anwender auf die Kampagnen-Webseite führen. Verknüpft ist die Aktion mit dem Gutschein-Code "safersex" für die Antiviren-Software von G Data. "Die absolut treffende Headline hat sofort eingeschlagen und ist für jeden Nutzer überaus verständlich", so Figge.


Was die tatsächlichen Ergebnisse der Kampagne angeht, bleibt vieles im Vagen: Bei G Data spricht man lediglich von einem "vollen Marketing-Erfolg". Man darf das allerdings insofern glauben, als "Make it safe" keine Kampagne ist, die von begeisterten Nutzern fleißig geteilt wird - zu groß könnte anschließend die Erklärungsnot gegenüber dem eigenen Umfeld sein.ire
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