Der Otto-Hauptkatalog muss endgültig dem E-Commerce weichen
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Der Otto-Hauptkatalog muss endgültig dem E-Commerce weichen
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Für Generationen Deutscher war der Otto-Katalog das erste Schaufenster in die große Konsumwelt. Ab Dezember ist damit Schluss. Dann erscheint offiziell der letzte Otto-Katalog. Den "Schuldigen" für das Aus der Print-Ikone, das auf den von HORIZONT veranstalteten Digital Marketing Days bereits durchgesickert war, kann das Unternehmen problemlos benennen. Marc Opelt, Vorsitzender des Bereichvorstands Otto: "Unsere Kunden haben den Katalog sukzessive selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen." Allerdings verabschiedet sich Otto damit nicht grundsätzlich vom Thema Print.

Der Otto-Hauptkatalog gehört zu den großen Klassikern der deutschen Konsumgesellschaft. In  den 68 Jahren seines Erscheinens erreichte er ein Millionenpublikum und hatte Stars wie Claudia Schiffer, Heidi Klum und Nena auf dem Titelbild. Für Otto-Chef Opelt ist das Aus für den Klassiker allerdings keine schlechte Nachricht, sondern "letztes Zeichen einer gelungenen Transformation vom einstigen großen Katalogversender zum reinen Onlinehändler, die weltweit so nur Otto geschafft hat".

Der erste Otto-Katalog kam noch ganz ohne Models auf dem Titelbild aus
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Der erste Otto-Katalog kam noch ganz ohne Models auf dem Titelbild aus
Tatsächlich sind die konkreten Gründe für die Einstellung des Hauptkatalogs wesentlich ideologiefreier, als Ottos Pressemitteilung suggeriert. Als Umsatztreiber verliert der Katalog schon seit Jahren an Relevanz. Aktuell liegt der Anteil der Katalogbestellungen bei unter 2 Prozent des Umsatzes. Und auch sein Wert als Marketingplattform ging kontinuierlich zurück. Zuletzt konnte der Katalog weder das tatsächliche Otto-Sortiment von rund 3 Millionen Produkten auch nur ansatzweise abbilden, noch es auf dem begrenzten Platz inspirierend inszenieren.

Otto wird daher stattdessen auf Einzelkataloge für klar definierte Themengebiete wie Möbel, Sport oder Technik setzen, die ihre Inhalte deutlich inspirierender erzählen sollen. Diese Print-Kataloge sind explizit nicht als Kommunikationsplattform für ältere Zielgruppen geplant, sondern sollen Kunden aller Altersstufen erreichen. Dabei wird der Onlinehändler verstärkt auf Content zurückgreifen, den er ohnehin schon für seine Digitalkanäle produziert.

Ein Grund für die Abschaffung des Hauptkatalogs dürfte auch die neue Plattformstrategie des Unternehmens sein. Otto will sich selbst immer mehr zum Dienstleister anderer Unternehmen entwickeln, die ihre Produkte über die Online-Plattform des Unternehmens vermarkten sollen. Ein Hauptkatalog, der alle Angebote zentralistisch unter der Marke Otto bündelt, würde nur schwer in die Logik dieses hybriden Geschäftsmodells hineinpassen. cam




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