Island

Diese Kampagne gegen Corona ist im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Schrei

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In ihrer jüngsten Kampagne will die isländische Tourismusbehörde zum globalen Stressabbau beitragen
© Inspired by Iceland
In ihrer jüngsten Kampagne will die isländische Tourismusbehörde zum globalen Stressabbau beitragen
Werber sind ja gerne Marktschreier. Doch diese Kampagne der isländischen Tourismusbehörde macht daraus gleich eine furiose Urschrei-Therapie für alle Menschen, die unter dem Jahr 2020 zu leiden haben. In der von M&C Saatchi UK kreierten Digitalkampagne „Looks like You need Iceland“ können frustrierte Menschen, die nicht selbst von Islands erholsamer Wirkung profitieren können, können zumindest ihre Schreie auf die Insel schicken.
Die Kampagne ist umso bemerkenswerter, als es der Tourismusbehörde zunächst einmal um eine vergleichsweise schlichte Botschaft ging: Island hat offiziell seit Juni die Reisebeschränkungen aufgehoben und möchte jetzt natürlich mit Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen wieder sein Tourismusgeschäft ankurbeln. Ein Ziel, das angesichts der aktuell bestehenden Gesundheitsängste nicht leicht zu erreichen ist.

M&C Saatchi UK hat nun genau diese Ängste und die weitere Flut an schlechten Nachrichten des aktuellen Jahres genommen und sie zum Kern der Kampagne gemacht. Island wird in der Kampagne nicht einfach nur zu einem Reiseziel, sondern zu einer Insel, wo Menschen ihre in den letzten Monaten aufgestauten Frustrationen endgültig begraben können.

Wer dazu nicht selbst auf die Insel reisen kann oder will, kann stattdessen auf der Website lookslikeyouneediceland.com seinen Urschrei einspielen und dieser wird dann real in einer einsamen Gegend von Island abgespielt. Die Kampagne arbeitet dazu sogar mit einer Medizinerin zusammen, die auf der Website die therapeutischen Effekte der Urschrei-Therapie darlegt.
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Für Island selbst dürfte sich der unmittelbare Effekt dieser Kampagne eher in Grenzen halten. Traditionell gehört die eher hochpreisige und abgelegene Insel nicht zu den Destinationen, die spontan bereist werden. Doch allein die digitale Schreiaktion dürfte der Tourismusbehörde eine lukrative Datenbank von Island-Interessierten bescheren, die sich für weitere Dialogmarketing-Maßnahmen nutzen lassen.

Darüber hinaus ist diese kreativ gelungene Kampagne auch ein Glücksgriff für die Ländermarke Island. Bisher profilierte sich Island als Reiseland vor allem über seine landschaftlichen Schönheiten und hatte zuletzt auch durch seine Fußballfans international an Sympathie gewonnen. Mit der neuen Kampagne erhält Island aber auch noch eine zusätzliche emotionale Positionierung als perfekter Fluchtort vor Zivilisationsstress.

Diese Positionierung wäre in der kommunizierten Schärfe ohne Corona wohl kaum denkbar gewesen, hat aber auch über die Pandemie hinaus eine hohe Relevanz. Denn wohl auch in den kommenden Jahren dürften Reiseziele hoch im Kurs stehen, die ihren Besuchern eine Flucht vor ihren Alltagssorgen versprechen. cam
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