Irgendwas mit Digitalisierung

Diese 12 Studiengänge haben Zukunft

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Studenten in einem Uni-Hörsaal
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Studenten in einem Uni-Hörsaal
Den radikalen Wandel der Arbeitswelt brachte der Philosoph Richard David Precht mal so auf den Punkt: "Die Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt. Es ist wie mit wilden Tieren, die vor einem nahenden Vulkanausbruch flüchten." Tatsächlich wird überall von der stetigen Digitalisierung gesprochen – und das verunsichert angehende Fachkräfte. Welche Ausbildung garantiert einen zukunftssicheren Job? Welches Studium führt heute noch zu einem verlässlichen Berufsbild von morgen?

Zwar werden IHK-Abschlüsse und die Bologna-Reform laut Experten weiterhin den Bildungsalltag prägen. Allerdings sind Prüfer und Professoren angesichts der neuen Qualifikationen, die Berufseinsteiger für einen Job in der digitalisierten Arbeitswelt benötigen, nicht untätig. An vielen Orten werden bestehende Studiengänge generalüberholt oder gleich neu aufgelegt. Wir stellen einige von ihnen vor.

Betriebswirtschaftslehre – Digitale Wirtschaft (B.Sc.)

BWL studieren ist das eine, aber geht das auch mit digitalem Schwerpunkt? Schließlich muss heutzutage schon jeder Familienbetrieb über eine Digitalstrategie nachdenken. Die Antwort lautet: Ja! Seit dem Wintersemester 2015/16 bietet die staatliche Beuth Hochschule für Technik in Berlin den Studiengang "Betriebswirtschaftslehre – Digitale Wirtschaft" an. Er ist NC-beschränkt und hat den Bachelor of Science (B.Sc.) als Abschlussziel.


Über einen Zeitraum von sieben Semestern lernen Studierende, wie Produkte oder Dienstleistungen über digitale Netze vertrieben werden und damit "im Ganzen oder in Teil­bereichen mit ihren Kunden und Lieferan­ten digital vernetzt" sind. Neben den normalen Modulen eines BWL-Studiums stehen etwa "Grundlagen der digitalen Medien", "E-Commerce" oder "Innovationsmanagement und Entrepreneurship" auf dem Lehrplan. Als mögliche Tätig­keits­­felder kommen unter anderem Projektmana­ge­ment, Produktentwicklung, Marke­ting und Ver­trieb in Betracht.

  • Abschluss: Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Semesterzahl: 7
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum15. April bis 15. Juli

Automation und Industrie 4.0 (B.Eng.)

Die zunehmende Vernetzung von Fabriken ist der große Jahrhunderttrend. Seit Jahren sprechen Experten unter dem Stichwort Industrie 4.0 bereits von der vierten industriellen Revolution. Passend dazu bietet die Fachhochschule Mittweida seit dem Wintersemester 2016/17 den zulassungsfreien Bachelor-Studiengang "Automation – Industrie 4.0" an. Abschlussgrad: Bachelor of Engineering (B.Eng.)

In sechs Semestern erwerben Studierende umfangreiche Kenntnisse über Fertigungsabläufe, Robotik und digitale Vernetzung. Sie lernen, wie die Visualisierung von Produktionsabläufen funktioniert, die Entwicklung von Bedienoberflächen oder der Aufbau von lokalen Netzwerken. Mögliche Berufsfelder sind unter anderem der Fahrzeugbau, die Arbeit bei Zulieferern oder Maschinenbauern.

  • Abschluss: Bachelor of Engineering (B.Eng.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Ab März 2019

Gründung, Innovation, Führung (B.A.)

Studieren oder lieber ein Startup gründen? An der Hochschule Bremerhaven geht beides. Seit dem Wintersemester 2018/2019 gibt es dort den deutschlandweit ersten Startup-Studiengang. "Gründung, Innovation, Führung", kurz GIF, heißt das Angebot und soll Studierende in sechs Semestern zum Vollzeit-Unternehmer ausbilden. Abgeschlossen wird das ungewöhnliche Studium mit dem Bachelor.



Zum Auftakt des Studiums wird in Teams direkt eine eigene Firma gegründet. Das dafür notwendige Startkapital müssen sich die Studierenden in einer ersten Härteprüfung selbst ranschaffen. Auch klassische Vorlesungen oder Klausuren soll es nicht geben. Stattdessen sollen Studierende ihr Wissen immer dann erwerben, wenn sie es zur Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee benötigen. Dazu bietet die Hochschule Module von Produktentwicklung bis Marketing sowie von Teamleitung bis Finanzplanung an. Als Prüfungsnachweis werden Reflexionspapiere vorgelegt.

  • Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Motivationsschreiben, Englisch B1-Zertifikat
  • Bewerbungszeitraum: 1. April bis 15. Juli

E-Commerce und Digital Retail Management (B.A.)

Während der klassische Einzelhandel ums Überleben kämpft, erfinden Online-Giganten wie Amazon oder Zalando das Einkaufserlebnis neu. Auch in Zukunft wird das Shopping zunehmend im Netz und über völlig neue Interfaces wie Sprachassistenten stattfinden. Die Grundlage für einen Berufseinstieg in die Branche liefert unter anderem der Bachelor-of-Arts-Studiengang "E-Commerce und Digital Retail Management" an der Europäischen Medien- und Business-Akadamie mit Standorten in Hamburg, Düsseldorf und Berlin.

Studierende erhalten in sechs Semestern Einblicke in Onlinehandel, Mobile-Commerce und Logistik: Wie werden Internetauftritte geplant und konzipiert? Wie können bestehende Prozesse an das Kundenverhalten angepasst werden? Welche Logistik-Prozesse stehen hinter einem Shop? Wie kann der stationäre Handel vom E-Commerce profitieren? Wie wirken sich Design und Funktionalität eines Shops auf den Käufer aus? Mögliche Arbeitgeber sind Onlinehändler und Brands.

  • Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Jederzeit online

Digital Transformation Management (M.A.)

"Master of Digital Transformation Management" – klingt doch nach einem coolen Titel auf der Visitenkarte, oder? Dahinter steht jedoch ein neuer Studiengang mit ernsthaften Absichten. Im kommenden Frühjahr soll der Master-Studiengang an der Rheinischen Fachhochschule in Köln an den Start gehen.

Statt Betriebswirtschaftslehre mit Modulen zu disruptiven Geschäftsmodellen planen die Verantwortlichen eine Vielzahl von neuen Themen: So soll es darum gehen, wie sich Transformationsprozesse auf Mitarbeiter und Führungskräfte auswirken und wie man eine Firma im laufenden Betrieb umgestaltet. So wandern Sozialpsychologie und Organisationssoziologie mit in den Stundenplan. Darüber hinaus sind auch Programmierkurse Teil des viersemestrigen Master-Studiengangs. Eine Alternative bietet übrigens die Goethe-Business-School in Frankfurt an.

  • Abschluss: Master of Arts (B.A.) oder Management-Zertfikat
  • Semesterzahl: 3 (Zertifikatsstudiun) bis 4 (Dual Master)
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Jederzeit online

Smart Production and Digital Management (B.Sc.)

Auch der Studiengang "Smart Production and Digital Management", der ab Oktober 2019 als dualer Studiengang von der privaten Berufsakademie Fulda angeboten wird, macht fit für einen Job im Zeitalter von Industrie 4.0. Nach sieben Semestern winkt der Bachelor of Science (B.Sc.) als Abschlussgrad.

Und die Inhalte? Neben Innovations- und Technologiemanagement stehen auch Module rund um digitales Unternehmertum und Geschäftsmodelle auf dem Lehrplan. Zudem beschäftigen sich Studierende mit Softwareentwicklung, Datenmanagement und höherer Mathematik. Der Studiengang setzt durch die duale Ausrichtung vor allem auf die Praxis. So bilden Partnerschaften mit SAP oder der Software AG nach Angaben der Organisatoren einen Grundpfeiler für eine fundierte Ausbildung.

  • Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
  • Semesterzahl: 7
  • Zugangsvoraussetzung: Ausbildungsvertrag mit Unternehmen, Englisch B2
  • Bewerbungszeitraum: Jederzeit

Data Science (B.A.)

Die Auswertung gigantischer Datenmengen gehört im Zeitalter von sozialen Netzwerken und künstlicher Intelligenz zu den wichtigsten Trends in Unternehmen. Big Data lautet hier das Stichwort. Wer mathematisch talentiert ist und sich einen Job beispielsweise als Data-Scientist vorstellen kann, sollte sich den Studiengang "Data Science" der Uni Marburg anschauen. Er ist zulassungsfrei.

In sechs Semestern befassen sich Studierende mit Mathematik und Informatik, aber auch mit Statistik und Business-Intelligence. Auf diese Weise lernen sie, wie aus zusammenhangslosen Datenbeständen neues Wissen etwa zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder über das Kundenverhalten gewonnen werden kann. Da heute fast jedes Startup mit Daten arbeitet, sind die Jobchancen vielversprechend.

Digital Management & Transformation (M.Sc.)

Einen kostenpflichtigen Masterstudiengang zur digitalen Transformation bietet die SRH-Fernhochschule an. Er soll Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge vertiefend auf die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen im Bereich Management fit machen. Ebenso eignen soll sich das Studium für Quereinsteiger und Führungskräfte, die "jetzt auch mal was mit Digitalisierung machen" wollen.

Vermittelt werden in vier Semestern: Wirtschaften in der digitalen Ökonomie, digitales Marketing und Social Media sowie Inhalte rund um digitale Führungskompetenz. Auch die Arbeit mit Business-Intelligence-Systemen und Projektmanagement stehen auf dem Lehrplan. Als Abschluss gibt es einen Master of Science (M.Sc.).

  • Abschluss: Master of Science (M.Sc.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Jederzeit online

Digital Business Management (B.A.)

Wer die Digitalisierung aus Marketingsicht beackern will, sollte sich dagegen den sechssemestrigen Bachelorstudiengang Digital Business Management mit Spezialisierung auf Marketing ansehen. Die dezentral organisierte Hochschule Campus M University in München und Nürnberg) will dabei das Zeitalter der Fernsehwerbung hinter sich lassen und Marketing-Spezialisten mit Blick auf digitale Vertriebskanäle ausbilden.

Was sind eigentlich die Werbemöglichkeiten für Unternehmen auf Spotify und Netflix? Wie lassen sich die Marketing-Ressourcen von Konzernen wie Google, Amazon oder Facebook ideal nutzen? Auch die Arbeit mit Influencern sowie mit Onlineshopping-Clubs steht im Fokus. Inhaltlich beschäftigen sich Studierende unter anderem mit Data-Driven-Marketing, Wirtschaftsinformatik und Informationsdesign.

  • Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Vor Ort an Infotagen (München: 16. März.2019; Nürnberg: 23. März 2019)

Blockchain & Distributed Ledger Technologies (M.Sc.)

Die Fachhochschule in Mittweida füllt die Liste der Studiengänge rund um das Thema Digitalisierung weiter: Seit dem Wintersemester 2018/2019 kann dort der Studiengang  "Blockchain & Distributed Ledger Technologies" gewählt werden. Laut den Verantwortlichen wird die Blockchain-Technologie hinter Bitcoins "die verschlüsselungstechnische Basis für die digitalen Wertströme und das Management digitaler Dokumente der Zukunft" sein.

Darauf sind die Inhalte des viersemestrigen Masterstudiums ausgerichtet. So beschäftigen sich Studierende unter anderem mit den Grundlagen der Kryptographie, entwickeln Anwendungen für das Internet der Dinge und lernen die Forensik von Netzwerken kennen. Auf dem Lehrplan stehen auch nicht-technische Aspekte – zum Beispiel IT-Recht, Entrepreneurship und Startup-Finanzierung.  Je nach Voraussetzung können sich die Studierenden entweder in der technischen Richtung (Mathematik & Informatik) oder eher in der wirtschaftsnahen Richtung (Recht & Risk Management) spezialisieren.

  • Abschluss: Master of Science (M.Sc.)
  • Semesterzahl: 4
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: Ab März 2019

E-Commerce (B.Sc.)

Wer seine Zukunft beispielsweise als Shopbetreiber oder Projektmanager im Onlinehandel sieht, für den könnte auch der E-Commerce-Studiengang an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena interessant sein. Ziel ist, Studierende in sechs Semestern zu "Generalisten der Internetwirtschaft" auszubilden.

Studierende beschäftigen sich mit Themen wie Programmierung. Shop-Management, Warenwirtschaftssystemen, Social Commerce und Entrepreneurship. Ebenfalls behandelt werden Rechnungswesen und Controlling sowie Marketing und technischer Vertrieb. Mögliche Berufsfelder nach dem Abschluss sind E-Commerce-Agenturen und Onlineshops.

  • Abschluss: Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Keine
  • Bewerbungszeitraum: 15. Mai bis 31. August

Coding & Software-Emgineering (B.S.c)

Ganz neu öffnet in diesem Jahr die XU Exponential University in Potsdam ihre Pforten. Die staatlich anerkannte Privatuni will ihren Fokus auf Studiengänge legen, die fit machen für die Digitalisierung. Ab kommenden April können sich Studierende so zum Beispiel in "Coding & Software-Engineering" einschreiben.

In deinen ersten Studiensemestern befassen sich Studierende mit den wichtigsten Programmier- und Auszeichnungssprachen – zum Beispiel mit HTML, CSS, Java, JavaScript und Swift. Außerdem stehen Techniken und Tools des agilen Software-Projektmanagements auf dem Lehrplan. Hinzu kommen Prototyping-Techniken, KI-Themen sowie ein Auslandsaufenthalt. Das Angebot hat seinen Preis: Je nachdem, ob das Studium in Teil- oder Vollzeit bestritten wird, werden pro Semester rund 4.770 Euro fällig.

  • Abschluss: Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Semesterzahl: 6
  • Zugangsvoraussetzung: Mathematiktest, Motivationsschreiben
  • Bewerbungszeitraum: Jederzeit online

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letztes Update des Artikels: 25. Februar 2019.



Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de

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