Interview mit Mädchenflohmarkt

Wie ein Diversitäts-Posting zur Sperrung des Instagram-Kanals führte

   Artikel anhören
Maria Spilka, Co-Gründerin von Mädchenflohmarkt, macht sich aktuell Gedanken über das Problem der "Rented Audience"
© Mädchenflohmarkt
Maria Spilka, Co-Gründerin von Mädchenflohmarkt, macht sich aktuell Gedanken über das Problem der "Rented Audience"
Harsche Kommentare, verbale Entgleisungen und sogar regelrechte Anfeindungen stellen auf Social-Media-Plattformen ein wachsendes Problem dar. Oftmals sind die Auslöser von dieser Art Hass im Netz politisch aufgeladene Themen wie die Corona-Regelungen oder Inhalte rund um Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Letzteres wurde auch der Online-Plattform Mädchenflohmarkt, über die Secondhand-Mode von und für Frauen verkauft wird, vor kurzem zum Verhängnis. Was genau dazu führte, dass ihr Instagram-Account wegen eines Pro-Toleranz-Postings gesperrt wurde und welche Rolle das Problem der "Rented Audience" dabei spielt, erzählt Co-Gründerin Maria Spilka exklusiv bei HORIZONT.
In dem Post, der für Mädchenflohmarkt zur vorübergehenden Verbannung von Instagram führte, ging es um einen vermeintlich harmlosen Aufruf zur Wertschätzung der vielfältigen Leistungen, die Mütter beziehungsweise Eltern tagtäglich für ihre Familie vollbringen. Anlässlich des Muttertags definierte die Secondhand-Plattform das Wort "Mama" im Stil eines Duden-Eintrags als Äquivalent beispielsweise für "Manager:in eines erfolgreichen Familienunternehmens".

Um bewusst auch unkonventionellere Familienmodelle dabei einzubeziehen, waren alle Begriffe in dem Post gegendert. Das schien jedoch ungewöhnlich vielen Instagram-Nutzern sauer aufzustoßen. Hämische Kommentare wie "Jetzt dreht die woke Gender Bubble vollends durch", zählten noch zu den harmloseren Reaktionen. Ein regelrechter Shitstorm brach los, bei dem die Account-Betreiberinnen nur stumm zuschauen konnte. Im Interview führt Maria Spilka aus, wie sie sich diese Eskalation erklärt und was sie und ihr Team aus dem Vorfall gelernt haben.Wenn ich es richtig verstanden habe, war euer Instagram-Account für euch kurz nach dem Absetzen des Posts zwei Wochen lang nicht zugänglich, ist das richtig? Ja, der war komplett gesperrt. Wir hatten keinen Zugang, konnten keine Direkt-Nachrichten abrufen, kein Community-Management machen – gar nichts.

Ihr habt nach der Sperrung eures Accounts ja vermutlich als erstes Instagram kontaktiert, um euch darlegen zu lassen, was an dem Muttertags-Post so problematisch war, oder wie seid ihr damit umgegangen? Ja, wir haben wirklich jeden Stein umgedreht, jeden unserer Kontakte zu erreichen versucht und haben auch sehr viel Support aus unserem Gründernetzwerk bekommen, aber es hat trotzdem zwei Wochen gedauert. Wir haben uns zeitweise auch von Instagram etwas im Stich gelassen gefühlt, weil da einfach sehr lange gar keine Reaktion kam.

Diesen H+ Artikel gratis weiterlesen!
Jetzt kostenfrei registrieren.

Die Registrierung beinhaltet
die beiden täglichen HORIZONT Newsletter.

 
Sie sind bereits registriert?
Der Nutzung Ihrer Daten können Sie jederzeit widersprechen.
Weitere Hinweise finden Sie unter Datenschutz.
stats