In eigener Sache

Warum wir Grund zur Zuversicht sehen

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HORIZONT-Verlagsleiter Peter Gerich, Chefredakteur Uwe Vorkötter und Geschäftsführer Markus Gotta
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HORIZONT-Verlagsleiter Peter Gerich, Chefredakteur Uwe Vorkötter und Geschäftsführer Markus Gotta
Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Auch die Kommunikationsbranche ist von den weitreichenden Einschränkungen aller Lebensbereiche betroffen, viele Unternehmen rechnen mit empfindlichen Umsatzeinbußen. Die dfv Mediengruppe, in der HORIZONT erscheint, spürt die ökonomischen Folgen des Corona-Virus ebenfalls. Aber wir sehen auch Grund zur Zuversicht. 

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Geschäftspartnerinnen und –partner,

am 28. Januar dieses Jahres ist der erste Fall einer Infektion mit dem Corona-Virus in Deutschland bekannt geworden – ein Mitarbeiter des bayerischen Autozulieferers Webasto war von einer chinesischen Kollegin angesteckt worden, Sie erinnern sich. Seitdem hat sich unser Leben, das private wie das geschäftliche, in einem Tempo verändert, das auch die Älteren unter uns noch nie erlebt haben. Bürgerliche Grundfreiheiten sind außer Kraft gesetzt: Die Mobilität der Menschen ist eingeschränkt, Versammlungen sind verboten, die Gewerbefreiheit gilt für weite Bereiche der Wirtschaft nicht mehr. Soziale Distanz ist jetzt gefordert, gegenüber Freunden, in der Familie, und genauso gegenüber Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern. Niemand von uns hat sich das vorstellen können, als wir vor ein paar Wochen die neuen Zwanziger Jahre mit guter Laune, Zuversicht und einem Hauch von Überschwang eingeläutet haben. 

Die allermeisten Menschen akzeptieren diese Einschränkungen, aus Einsicht in die Notwendigkeit. Der politische Streit, der sich sonst an jeder noch so kleinen Kleinigkeit entzündet, ist vorübergehend erloschen. Politisch und administrativ Verantwortliche, von der Bundeskanzlerin bis zum Leiter des örtlichen Gesundheitsamts, genießen Vertrauen und finden Zustimmung. Und der wissenschaftliche Rat der Experten vom Robert-Koch-Institut bis zur Berliner Charité wird in dieser Ausnahmesituation angenommen und in praktische Entscheidungen umgesetzt. Populisten und Verschwörungstheoretiker haben ausnahmsweise keine Konjunktur, das ist gut so.

Alle, die in der deutschen Wirtschaft Verantwortung tragen, erleben eine schwere Zeit. Auch wir in der dfv Mediengruppe spüren die ökonomischen Folgen des Corona-Virus. Dennoch fühlen wir uns gegenüber anderen privilegiert: Unsere Medien können erscheinen, verlässliche Informationen sind mehr denn je gefragt. Viele unserer Partner, egal ob Leser, User, Werbekunden, sind dagegen existenziell getroffen: Textil-Einzelhändler, Gastronomen, Reisebüros, die ihre Geschäfte schließen mussten, Selbstständige und Freiberufler, deren Aufträge komplett weggebrochen sind. Sie alle wissen und akzeptieren, dass jetzt die Gesundheit und das Leben von Hunderttausenden Vorrang haben vor allem Materiellen. Umso wichtiger ist in dieser Stunde Solidarität - auch und gerade in der Wirtschaft, die eigentlich vom Wettbewerb lebt. Was wir als Medienunternehmen tun können, um unseren Partnern auch in dieser Zeit zur Seite zu stehen, das werden wir tun. Soziale Distanz heißt nicht, langjährige Geschäftsbeziehungen preiszugeben, wenn ein Kunde oder Lieferant in Schwierigkeiten gerät, noch dazu völlig unverschuldet, wie in diesem Fall.

Wir sind davon überzeugt, dass ein Virus, und sei es noch so tückisch, letztlich weder unser Geschäft noch unsere Freiheiten besiegen kann. Angesichts der täglichen Hiobsbotschaften mag es vermessen klingen, aber wir sehen durchaus Grund zur Zuversicht. 

1. Virologen auf der ganzen Welt arbeiten an Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus. Sie werden beides finden. Im 14. Jahrhundert hat die Pest ein Drittel der Weltbevölkerung dahingerafft, vor hundert Jahren hat die Spanische Grippe 50 Millionen Menschen das Leben gekostet. Wir leben weder im 14. noch im 20. Jahrhundert. 

2. Die Wirtschaftspolitiker haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Massive staatliche Ausgabenprogramme werden den unvermeidlichen Einbruch der Konjunktur soweit abfedern, dass aus der Corona-Rezession keine große Depression wird. Kurzarbeit, Überbrückungskredite und direkte Zuschüsse sind wirksame Instrumente.

3. Die Pandemie ist eine zeitlich begrenzte Katastrophe (siehe oben). Im Vergleich etwa zur Finanzkrise vor zehn Jahren wird die Wirtschaft ihre Folgen schnell überstehen, sobald medizinisch das Schlimmste überstanden ist. Konsum und Investitionen werden einiges von dem nachholen, was jetzt aktuell verlorengeht.

4. Die Bedürfnisse der Menschen werden sich durch Corona nicht grundlegend ändern. Eine gesunde und preisgünstige Ernährung, modische Kleidung, Reisen, Unterhaltung im Fußballstadion oder im Konzertsaal – vieles, auf die Menschen jetzt verzichten müssen, werden sie umso mehr zu schätzen lernen. 

Ja, und fünftens fügen wir hinzu: Menschen haben ein Bedürfnis nach Nähe und sozialen Kontakten. Wir haben das Bedürfnis, uns so bald wie möglich wieder mit Ihnen auszutauschen – nichts gegen Zoom, Hangout und Co, aber ehrlich, wir wollen und werden auf den Face-to-face-Kontakt nicht verzichten, sobald wir uns wieder treffen können, ohne uns selbst und andere Menschen zu gefährden.
Der erste deutsche Corona-Patient hat die Infektion übrigens unbeschadet überstanden, seine chinesische Kollegin ebenfalls. So werden wir es miteinander auch schaffen. 

Herzliche Grüße, bleiben Sie gesund! 

Chefredaktion, Geschäftsführung, Verlagsleitung und das gesamte HORIZONT-Team
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