IAA

Die Leitmesse der Automobilindustrie erfindet sich neu

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Sie stellten das neue IAA-Konzept vor: Klaus Dittrich, Markus Söder, Hildegard Müller und Dieter Reiter (v.l.)
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Sie stellten das neue IAA-Konzept vor: Klaus Dittrich, Markus Söder, Hildegard Müller und Dieter Reiter (v.l.)
Die neue IAA - das war heute mehrfach auf der Präsentation des Konzeptes in München zu hören. Die Leitmesse der Autoindustrie wird im September 2021 kürzer, offener, nachhaltiger und konzentriert sich stärker als je zuvor auf Austausch und Dialog - innerhalb der Branche und mit den Menschen.
Stärker kann ein Gegensatz in einer Branche kaum sein. Anfang der Woche fiel in Genf die Entscheidung im kommenden Jahr keinen Autosalon stattfinden zu lassen. Heute präsentierten in München der Verband der Automobilindustrie und die Messe München das Konzept für die kommende IAA, pardon die neue IAA.

Neu und IAA hörte man heute bei der Präsentation ständig, Aufbruch und Zukunft - egal ob VDA-Präsidentin Hildegard Müller redete, Klaus Dittrich, der Chef der Münchner Messe, Dieter Reiter als Münchner Oberbürgermeister oder der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Das "Neu ist" könnte in diesem Fall durchaus berechtigt sein und nicht nur einfach eine gut präsentierte Marketing-Mogelpackung. Dafür spricht jedenfalls einiges.
„Die IAA soll zum Davos der Mobilität werden“
Martin Koers, VDA
Erstmals findet im kommenden Jahr die IAA in München statt, genauer vom 7. bis zum 12. September. Sie wird somit deutlich kürzer als bisher. Doch das Event wird nicht nur komprimierter sein. Die neue IAA soll zu einer Plattform für Diskurs, Mobilität und Erlebnissen werden und keine reine Leistungsshow mehr sein. "Die IAA soll zum Davos der Mobilität werden", erklärt VDA-Geschäftsführer Martin Koers. Ein Ort, an dem an sechs Tagen an vielen Stellen die Zukunft erlebt und erdacht wird. "Die neue IAA soll Treiber und Impulsgeber für Lösungen zur Mobilität der Zukunft sein", sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Und dazu gehört auch explizit, die Ökologie miteinzubeziehen. "Klimaschonend und digital vernetzt die neue Mobilität darzustellen, das ist die große Herausforderung, vor der wir jetzt stehen", sagt Müller. Inhaltlich stellt sich die IAA komplett anders auf. Im Prinzip besteht die Messe künftig aus drei Teilen: Summit, Bule Lane und Open Space.

Der Summit

Das Veranstaltungsformat ist der fachliche Kern der IAA. Hier stellen die Marken ihre Innovationen vor und nicht mehr wie bisher ihr breites Produktprotfolio. Entsprechend werden die Stände der Hersteller deutlich kleiner ausfallen. Zudem wird es hier Konferenzen und Diskussionsrunden und Networkingtermine geben. Es soll die IAA der kurzen Wege werden. Alles kompakt beieinander, intensiv und mit dem Ziel, Dialog zu schaffen - zwischen den etablierten Playern und Herausforderern, zwischen Automanagern und deren Kritiker.

Blue Lane

Die Verbindung von der Messe München in die Innenstadt wird zur Teststrecke für nachhaltige Mobilität. Hier können Besucher neue Mobilitätsformen und emissionsarme Antriebstechnologien erfahren. Die Blue Lane dürfen nur elektrifizierte Fahrzeuge nutzen. Zudem sind mindestens zwei Personen an Bord. Auch andere Verkehrsmittel sind integriert, wie Shutle Busse und der ÖPNV. "Es wird eine U-Bahn-Schnellverbindung geben", sagt Projektleiterin Christine von Breitenbuch. Zudem ist eine Fahrradschnellstrecke ist im Gespräch. 

Open Space

Die IAA verteilt sich über die Stadt. Auf dem Königsplatz, am Marien- und Odeonsplatz beispielsweise können Menschen den Markenherstellern und hippen Start-ups begegnen, sich austauschen über Visionen, Innovationen und was nachhaltige Mobilität bedeutet. Und es soll auch gefeiert werden.

Viele der Veranstaltungen werden parallel stattfinden. Es sollen intensive Tage werden. Tage, in denen die Branche zeigt, dass sie mehr kann als Blechbüchsen bauen, wie ihr die Kritiker immer vorhalten. "Wir sind besser als unser Ruf", sagt Müller mit Blick auf die vielen Debatten um verpasste Chancen und Grenzwerte.

Markus Söder  sieht die IAA einem guten Weg. Der bayerische Ministerpräsident hatte einen großen Anteil daran, dass sich München und Freistaat als neuer IAA-Standort - und das mindestens für zwei Aufschläge - durchgesetzt hatte. Aber er fordert auch, nicht stehenzubleiben. "Wir brauchen einen Technologiesprung. Wir brauchen eine nachhaltige Transformation", erklärt Söder. Er sagt aber auch: "Wir müssen den Wunsch haben, Weltmarktführer zu bleiben". 300 Millionen Euro will er zur Verfügung stellen, um neue Antriebe zu entwicklen und zu voranzubringen sowie für die Qualifizierung der Mitarbeiter. Für Söder gibt die IAA die Richtung vor, Industrieinteressen, Digitalisierung, Ökologie und Klimaschutz miteinander zu verbinden. "Festival und Denkfabrik soll die IAA sein", wünscht er sich. Mal schaun, wie das im September 2021 dann sein wird. mir
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