Anzeige. iCONSMR-Kongress 2018 von defacto X

„Es geht ums Opt-in“

Jan Möllendorf und Claus Schuster, die geschäftsführenden Gesellschafter von Defacto X
© Christine Blei
Jan Möllendorf und Claus Schuster, die geschäftsführenden Gesellschafter von Defacto X
Owned Media ist für den direkten Draht zum Kunden unverzichtbar, finden Jan Möllendorf und Claus Schuster, die Geschäftsführenden Gesellschafter von Defacto X.

Bald tritt die Datenschutz-Grundverordnung der EU in Kraft. Was bedeutet sie fürs Kundenbeziehungs-Management?

Jan Möllendorf: Das Customer-Relationship-Management und das gesamte Dialogmarketing werden von der Grundverordnung profitieren. Denn in beiden Bereichen gehört die Zustimmung des Nutzers zur Erhebung und Verarbeitung seiner Daten seit Langem dazu. Die Datenschutz-Grundverordnung, die geplante E-Privacy-Verordnung, der Facebook-Skandal – all das spielt uns in die Hände, denn unsere ganze Arbeit basiert auf der ausdrücklichen Einwilligung des Konsumenten, dem Opt-in. In Zukunft wird es weniger Grauzonen geben und mehr klare Regelungen, es werden mehr Opt-ins verlangt werden.

Werden sich die Unternehmen auch wieder mehr auf eigene Medien verlassen, um weniger von den Daten Dritter – beispielsweise Facebooks – abhängig zu sein?

Claus Schuster: Auch künftig wird niemand an den sozialen Netzwerken vorbeikommen, solange sie für ihre Nutzer wertvolle Communitys und Kommunikations-Plattformen bleiben. Zusätzlich müssen die Unternehmen jedoch stärker als bisher eigene Zugänge zu ihren Kunden schaffen. Owned Media ist für den direkten Draht zum Kunden unverzichtbar, natürlich auch, um Adressen und Kontaktdaten zu bekommen. Denn nur damit lassen sich die Kunden gezielt ansprechen.

Anfang dieses Jahrzehnts haben Unternehmen schon einmal versucht, eigene Communitys und Foren aufzubauen, meist ohne Erfolg. Warum sollte das jetzt gelingen?

Schuster: Bei Owned Media kann es vielleicht auch um eine Community gehen, aber das steht gar nicht im Vordergrund. Vielmehr dreht sich alles ums Opt-in, die Erlaubnis zur persönlichen Ansprache. Es gilt, attraktiven Content anzubieten, der erst dann ganz verfügbar ist, nachdem sich der Interessent registriert hat. Ob es sich um Inhalte auf der eigenen Internet-Präsenz oder in einer App oder beispielsweise in einem gedruckten Medium handelt, ist zweitrangig.

Eine Community hat den Vorteil, dass sich die Gewohnheiten und Wünsche der Kundschaft quasi nebenher  studieren lassen. Gibt es eine günstigere Echtzeit-Marktforschung?

Möllendorf: Ja, das kann ein Pluspunkt sein. Aber Communitys lassen sich nicht am Reißbrett entwerfen. In der Regel entstehen sie nur in bestimmten Branchen – und auch dort entwickeln sie sich oder eben nicht. Erkenntnisse über Kundenwünsche lassen sich auf viele Weisen gewinnen, etwa auch über Kundenkarten. Und je mehr verschiedene Kontaktpunkte analysiert werden können, desto vollständiger wird das Bild.

Bevor ein Bild zu erkennen ist, türmt sich in der Praxis aber erst einmal eine gewaltige Datenhalde auf. Wie lassen sich die nützlichen von den unnützen Daten trennen?

Möllendorf: Der technische Fortschritt macht es heute schon leichter als vor zwei oder drei Jahren. Vor allem aber werden Experten gebraucht, die nicht nur etwas von Daten, sondern auch vom jeweiligen Business verstehen – vom Geschäftsmodell, von Strategien, Prozessen und Chancen. Man könnte sie Business-Analysten nennen.

Gleich zwei ausgefuchste Spezialisten in einer Person? Die müssen Sie aber mit einer extra starken Lupe suchen.

Schuster: Richtig. Wir lösen die Aufgabe durch Teamwork: das enge Zusammenspiel von Marketing-Experten und Daten-Analysten.

Die Manager
Claus Schuster und Jan Möllendorf, beide 50 Jahre alt, sind Geschäftsführende Gesellschafter von Defacto X mit Stammsitz in Erlangen sowie Niederlassungen in Bonn, Köln, Hamburg und München. Unter dem Dach von Defacto X sind acht Spezialagenturen in den Geschäftsfeldern Digital Advertising, Science and Operations sowie Communication Strategy & Campaigns tätig. Rund 400 Beschäftigte arbeiten für Kunden wie Esprit, Ferrero und Vorwerk.




stats