Mit der neuen Welle der P30-TV-Kampagne macht Huawei das "Zukunftsversprechen" zum festen Teil seines Marketings
© Huawei/Youtube
Mit der neuen Welle der P30-TV-Kampagne macht Huawei das "Zukunftsversprechen" zum festen Teil seines Marketings
Als US-Präsident Donald Trump im Mai Huawei auf die schwarze Liste setzen ließ, hielten viele den Konzern für angezählt. Jetzt meldet sich der Smartphone-Hersteller mit einem Umsatzplus und einer neuen TV-Kampagne zurück. Spurlos ist die Affäre an der Marke allerdings nicht vorüber gegangen. Huawei hat gelernt, Krisenkommunikation zu betreiben und sich selbst ein weicheres Image zu geben.

Im Mai hatte der US-Präsident den chinesischen Huawei-Konzern wegen Spionageverdacht auf die schwarze Liste setzen lassen – doch an den Geschäftszahlen ging diese fundamentale Bedrohung des Unternehmensmodells spurlos vorbei: Rund 52,3 Milliarden Euro Umsatz meldet der Konzern für das 1. Halbjahr. Das ist ein Plus von mehr als 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und auch am Smartphone-Geschäft ging die politische Krise wirtschaftlich scheinbar spurlos vorüber: Huawei hat 118 Millionen Modelle ausgeliefert (plus 24 Prozent). Damit kann der Konzern weiter am Ziel festhalten, Samsung noch in diesem Jahr als Smartphone-Hersteller von Platz 1 zu verdrängen.


Ganz so harmlos war die Affäre dann aber doch nicht. Zwar bestätigt Gregor Almássy, Marketing Director Huawei Deutschland, dass auch 2019 für das Unternehmen ein gutes Geschäftsjahr werden könnte: "Aktuell sehen wir wieder einen sehr positiven Trend und nähern uns wieder dem Niveau an, das vor dem Announcement der amerikanischen Regierung herrschte." Doch Huawei wurde von der US-Regierung nur vorläufig wieder von der schwarzen Liste genommen. Außerdem blieben die Gerüchte, die chinesische Regierung nutze Huawei-Hardware zu Spionage-Zwecken, die über Monate die Schlagzeilen dominierten, nicht ohne Folgen für die Marke.

Definierte sie sich bisher ausschließlich über ihre innovativen Produkte, muss sie nun das angekratzte Image aufpolieren sowie Kunden und potenzielle Käufer beruhigen, die durch die politischen Nachrichten verunsichert wurden. Almássy: "Es war von Anfang an klar – und wurde von Google auch immer wieder bestätigt –, dass alle im Handel befindlichen Geräte weiterhin tadellos laufen werden. Trotzdem kamen Gerüchte auf." Deshalb habe das Unternehmen beschlossen, diesen Behauptungen mit der Website Huawei-antwortet.de entgegenzutreten, auf der die wichtigsten Gerüchte zusammengefasst wurden. Schweigen zu den Gerüchten sei keine Option gewesen: "Wenn wir als Unternehmen sehen, dass bei Google Search bestimmte Suchbegriffe deutlich zunehmen, muss man darauf reagieren."


Mit Werbung in Social-Media-Kanälen und Sponsored Search sorgte das Unternehmen dafür, dass die Zielgruppe schnell von der Kampagne erfuhr. Tatsächlich zeigte sich speziell bei Sponsored Search, dass Huawei mit seiner Krisenkommunikation einen Nerv traf. Die Hinweise zur Zukunftssicherheit der Konzernprodukte erreichten Klickraten von durchschnittlich 20 Prozent.

Doch das klarste Vertrauensvotum für die Marke sei von den Kunden selbst gekommen, sagt Almássy: "Wir waren selbst etwas überrascht, wie positiv der Zuspruch aus der Fangemeinde ausgefallen ist. Unser Dankeschön an die Community, mit dem wir auf ihre Unterstützung reagiert haben, war mit 19.000 Likes unser bestes Social-Media-Posting in der Unternehmensgeschichte. Das hat uns als Unternehmen in dieser Situation sehr gut getan."
Über die Krisen-Kommunikation hat Huawei sein laufendes Marketing nicht auf Eis gelegt – aber es spiegelt den veränderten Kontext wider. So startete Anfang Juli die Digital-Kampagne "True Stories", die den Fokus nicht auf die Produkte, sondern die Wirkung der Marke legt.

Aktuell läuft eine weitere Welle des TV-Auftritts für das P30-Smartphone an. Auch mit ihr greift der Konzern sein Zukunftsversprechen auf. Das sei zwar ein großer Spagat. "Aber von unserer Seite hat sich per se nichts geändert, denn wir wollen unverändert die Innovationen und die Mobilfunkindustrie vorantreiben. Wir bewerben also weiterhin unsere Produkte. Wir verknüpfen das Marketing allerdings aktiv mit dem in unserer Krisenkommunikation entwickelten Zukunftsversprechen", so Almássy. cam

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