HORIZONT-Stiftung

Diese jungen Talente sind die Preisträger im Jahr 2020

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Das prämierte Bachelor-Team der Uni Erfurt: Nick Jochims, Lukas Hoffmann, Prof. Dr. Kai Hafez, René Nissen (hinten, v. l.); Justin Roßdeutscher, Magdalena Horn, Lina Buttgereit, Samuel Helsper, Christal Bürgel (vorne, v. l.)
© Uni Erfurt
Das prämierte Bachelor-Team der Uni Erfurt: Nick Jochims, Lukas Hoffmann, Prof. Dr. Kai Hafez, René Nissen (hinten, v. l.); Justin Roßdeutscher, Magdalena Horn, Lina Buttgereit, Samuel Helsper, Christal Bürgel (vorne, v. l.)
Der Andrang war groß wie selten: 87 Bewerbungen für Stipendium und Förderpreis gingen bei der HORIZONT-Stiftung ein. Die Jury unter Vorsitz von dfv-Aufsichtsrat Klaus Kottmeier diskutierte lange und intensiv, ehe die Sieger feststanden: Bachelorstudentin Marieke Fritzen und ein achtköpfiges Studententeam der Universität Erfurt gewinnen Preisgelder in Höhe von jeweils 10000 Euro.
Marieke Fritzen ist im besten Sinne ein kreativer Unruhegeist. Die erst 24-Jährige weist eine lange Liste an künstlerischen Projekten und Auszeichnungen auf. In ihrer Heimatstadt Münster studiert sie Mediendesign, zugleich ist sie Gaststudentin in Film Studio Arts an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Die Jury war beeindruckt von ihrer Klasse und Vielseitigkeit: Marieke Fritzen ist eine begabte Filmemacherin, entwickelt Theaterstücke mit, steht selbst auf der Bühne und legt ausstellungsreife Fotografien vor. Später will sie als Regisseurin, Drehbuchautorin, Fotografin arbeiten.


Den Förderpreis für akademische Abschlussarbeiten gewann gegen starke Konkurrenz ein Team der Uni Erfurt. "Medialer Wandel und gesellschaftlicher Zusammenhalt" lautet der Titel ihrer gemeinsam erstellten Bachelorarbeit. "In 18 Jahren als Hochschulprofessor habe ich keine bessere Arbeit betreuen dürfen", lobt der betreuende Medien- und Kommunikationswissenschaftler Professor Kai Hafez die Studie, für die 591 Personen in Thüringen online befragt und weitere 17 qualitative Leitfadeninterviews geführt wurden. Fazit: Die Annahme, das Internet spalte die Gesellschaft, ist nicht haltbar. Vielmehr wird deutlich, dass Gruppen, die traditionelle und neue Medien kaum nutzen, sich kommunikativ eher von der Gesellschaft abspalten.
Sieger und Finalisten der HORIZONT-Stiftung
© HORIZONT
Sieger und Finalisten der HORIZONT-Stiftung

"Ein Fünftel schaltet ab": Lina Buttgereit über studentische Teamarbeit und Medienwandel

Das prämierte Bachelor-Team der Uni Erfurt: Nick Jochims, Lukas Hoffmann, Prof. Dr. Kai Hafez, René Nissen (hinten, v. l.); Justin Roßdeutscher, Magdalena Horn, Lina Buttgereit, Samuel Helsper, Christal Bürgel (vorne, v. l.)
© Uni Erfurt
Das prämierte Bachelor-Team der Uni Erfurt: Nick Jochims, Lukas Hoffmann, Prof. Dr. Kai Hafez, René Nissen (hinten, v. l.); Justin Roßdeutscher, Magdalena Horn, Lina Buttgereit, Samuel Helsper, Christal Bürgel (vorne, v. l.)
Frau Buttgereit, mit Ihren Kommilitonen haben Sie die Folgen des medialen Wandels untersucht. Schwächt das Internet den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Dafür haben wir keine Belege gefunden, diese These ist nicht haltbar. Ob Menschen sich vorwiegend über Onlinekanäle informieren oder lieber analoge Medien konsumieren, sagt nichts über den Grad des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft aus. Es zeigt sich jedoch, dass sich solche Gruppen aus dem gesellschaftlichen Diskurs verabschieden, die weder traditionelle noch neue Medien nutzen, wenn sie darin ihre eigene Lebensrealität und ihre Meinungen nicht repräsentiert sehen.

Wie groß ist der Anteil in der Bevölkerung? Wir haben 591 Personen online befragt und vertiefend 17 qualitative Leitfadeninterviews geführt. Auf dieser nicht-repräsentativen Basis ergibt sich, dass sich rund ein Fünftel der Menschen in Thüringen – auf diese Region haben wir uns konzentriert – kommunikativ abschottet und deutlich weniger zum sozialen Zusammenhalt beiträgt.


Diese Gruppe, so heißt es in Ihrem Fazit, findet sich häufig auf Facebook. Das stimmt, heißt aber nicht, dass Facebook als Medium per se problematisch ist, sondern die dort spaltenden Akteure.

Ihre von der HORIZONT-Stiftung prämierte Bachelorarbeit ist in einem Team von acht Studierenden entstanden. Ist das ein Vorteil oder eher mühevoll? An der Uni Erfurt ist es üblich, dass Bachelorarbeiten im Team geschrieben werden. In dieser Konstellation und Intensität zusammenzuarbeiten, war für uns alle eine besondere Erfahrung. Ich bin sicher, dass unsere Thesis durch die Teamarbeit besser geworden ist, als es ein Einzelner geschafft hätte. Wir haben zudem viel gelernt über praktische Forschung, die Dynamik einer Gruppe und persönliche Qualitäten. Aber ja, sich treffen und abstimmen, Aufgaben strukturieren und den Zeitplan einhalten, das ist herausfordernd und lehrreich zugleich.

Was nehmen Sie aus der Bachelorarbeit mit in die Zukunft? Wir haben so intensiv an dem Thema gearbeitet, dass es uns inhaltlich weiterhin begleiten wird. Die Arbeit war insgesamt deutlich aufwendiger als erwartet und hat uns, neben dem regulären Studienbetrieb, viel Ausdauer abverlangt – anstrengend, aber eine gute Erfahrung. Und wir haben im Team gelernt, welch unterschiedliche Herangehensweisen und Perspektiven möglich sind, um ein Thema zu ergründen.

Wie geht es für Sie alle jetzt weiter? Bei der Preisverleihung in Frankfurt wird der größte Teil des Teams anwesend sein, darauf freuen wir uns. Denn es sind einige von uns schon weitergezogen, zum Beispiel ins Auslandssemester in die USA und Indonesien. Wir machen mit einem Masterstudium weiter, die meisten an einer anderen Hochschule.

Interview: rol

Ziele und Mitglieder der HORIZONT-Stiftung
Die HORIZONT-Stiftung wurde 2006 gegründet. Sie unterstützt seither die Aus- und Fortbildung von Nachwuchskräften und fördert Wissenschaft und Forschung der Kommunikations-, Medien- und Werbeindustrie in den Bereichen Marketing, Media, Kreation und neue Medien.

Dem Stiftungsrat gehören an: Gerhard Berssenbrügge, ehem. Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland; Michael Boebel, Gesellschafter Creative Consulting; Michael Conrad, Präsident Berlin School of Creative Leadership; Gabriele Eick, Inhaberin Executive Communications Beratung für synchronisierte Unternehmenskommunikation; Burkhard Graßmann, Geschäftsführer Burda News Group; Thomas Lindner, Vorsitzender der Geschäftsführung Frankfurter Allgemeine Zeitung; Christian Pfennig, Mitglied der Geschäftsleitung DFL Deutsche Fußball Liga; Carsten Rasner, Direktor Steinbeis School of Management + Innovation; Frank-Michael Schmidt, Geschäftsführer Scholz & Friends Group; Markus Gotta, Geschäftsführer HORIZONT, Deutscher Fachverlag; Volker Schütz, Chefredakteur HORIZONT, Deutscher Fachverlag.

Vorstand der HORIZONT-Stiftung ist Klaus Kottmeier, Aufsichtsrat Deutscher Fachverlag.

Förderer sind: Civitas, Creative Consulting Michael Boebel, DDB, Defacto Be One, DFL Deutsche Fußball Liga, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Heye Group, Kolle Rebbe, Mercedes-Benz, Nestlé, Pilot, Scholz & Friends, Wall.

Kontakt: Wer sich für Stipendium oder Förderpreis bewerben will, erfährt mehr unter Tel. 069/7595-1602 sowie auf der Website www.horizont-stiftung.de mit weiteren Infos, der aktuellen Ausschreibung und Angaben zu bisherigen Preisträgern.

Unter dem Motto „Auf in die 20er Jahre“ bietet der DMK 20 am 29. und 30. Januar eine Haupt- und vier Nebenbühnen sowie sieben Inner Circles, auf denen sich Referenten wie Moderatorin Dunja Hayali, Bild-Chef Julian Reichelt, Youtuber Rezo, Performerin Sheree Renée Thomas, Aktivist Maurice Conrad, CMO Anja Stolz und viele weitere Top-Referenten aktuellen Trends und Themen widmen. Highlight an Tag 1: die Verleihung der HORIZONT Awards.

www.deutscher-medienkongress.de

"Filmen fesselt mich": Stipendiatin Marieke Fritzen ist ein künstlerisches Multitalent

Marieke Fritzen drehte ihren ersten Kurzfilm mit 16 Jahren
© privat
Marieke Fritzen drehte ihren ersten Kurzfilm mit 16 Jahren
Frau Fritzen, Sie haben für künstlerische Arbeiten schon ein Dutzend Auszeichnungen erhalten, die Liste Ihrer Projekte ist lang. Was sind Sie: Schauspielerin, Fotografin, Filmemacherin? Gute Frage – und gar nicht so leicht zu beantworten. Ich glaube, Filmschaffende trifft es ganz gut. Mit 16 habe ich meinen ersten narrativen Kurzfilm „Gold und Dornen“ gedreht, die fiktive Geschichte einer Soldatin in Afghanistan. Ein halbes Jahr hat sich mein ganzes Leben um dieses Projekt gedreht, es hat mich gefesselt und war ein erster persönlicher Meilenstein. Die Leidenschaft für Film war dadurch geweckt. Trotzdem will ich mich nicht auf einen Schwerpunkt begrenzen.

Vor gut einem Jahr haben Sie das Bühnenstück „Eine Prostituierte aus Münster“ mitentwickelt und die fast einstündige Solorolle gespielt. Ist Schauspielerin eine berufliche Perspektive? Das will ich nicht völlig ausschließen. Seit ich zehn Jahre alt bin, stehe ich auf der Bühne, woran sicher auch meine Mutter ihren Anteil hat, die unter anderem als Theaterpädagogin arbeitet. Das angesprochene Stück war tatsächlich eine sehr spezielle, fordernde Rolle. Genau das reizt mich: Themen entwickeln und Geschichten erzählen. Zudem hilft es mir bei meiner Filmarbeit, weil ich mich durch die persönlichen Erfahrungen besser in Schauspieler/-innen hineinversetzen kann.

Was treibt Sie an? Mich interessiert das Individuum in seiner Entwicklung und Selbstwahrnehmung, und die Frage, welchen gesellschaftlichen Einflüssen es ausgesetzt ist. Außerdem inspirieren mich aktuelle Ereignisse und Entwicklungen. Zum Beispiel habe ich 2018 zwei Videoclips zur Themenwoche „Die dunkle Seite – Depressionen“ für 1Live erstellt, für den WDR-Radiosender arbeite ich seit gut zwei Jahren freiberuflich. Seit langem befasse ich mich mit der Körperdarstellung in Medien und Werbung, unter anderem mit dem Schönheitswahn junger Frauen, den ich 2017 in meinem Kurzfilm „Da ist dieses Gesicht“ thematisiert habe.

Ihr Tag scheint mehr als 24 Stunden zu haben. Sie studieren Mediendesign in Münster, neben den genannten Tätigkeiten arbeiten Sie als Fotografin und sind in der Altenpflege tätig. Ja, an Wochenenden und Feiertagen arbeitete ich als Pflegehilfe in einer Demenz-WG. Eine Tätigkeit, die mir ans Herz gewachsen ist und Einblicke in einen ganz anderen Lebensabschnitt eröffnet. Das hat mich zu meinem Studienprojekt „Wohnhaus 3“ animiert, eine Fotoserie, die zeigt, wie Menschen im Altersheim ankommen und sich dort in ihrem neuen, vermutlich letzten Zuhause einrichten.

Wie haben Sie bei all den Projekten die Stipendiumsbewerbung hinbekommen? Damit habe ich mich vier Wochen lang beschäftigt. Die Bewerbung strukturiert und Texte geschrieben, das Ganze wieder verworfen und neu formuliert. Eine gute Übung, weil ich intensiv reflektiert habe, was ich bisher gemacht habe, und mir noch deutlicher wurde, was und wohin ich will.

Interview: rol

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