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Wie die Architekturstudentin Marcella Hansch zur Retterin der Meere wurde

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Marcella Hansch, die Gründerin und Vorstandsvorsitzende des Pacific-Garbage-Screening -Projekts
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Marcella Hansch, die Gründerin und Vorstandsvorsitzende des Pacific-Garbage-Screening -Projekts
Sie ist jung, weiblich und kämpft engagiert für die Umwelt. Aber eine deutsche Greta Thunberg will Marcella Hansch auf keinen Fall sein. Doch die Gründerin und Vorstandsvorsitzende von Pacific Garbage Screening musste ebenfalls lange kämpfen, bis aus ihrer spontanen Idee eine echte Bewegung für das Überleben der Weltmeere wurde. Was die ehemalige Architektin auf diesem Weg erlebte, ist eine Inspiration für andere Kreative, die von ihrer persönlichen Lovebrand träumen.
Ein radikal neues Produkt oder Unternehmenskonzept zu entwickeln, das dazu noch eine der akuten Zukunftsfragen der Menschheit lösen könnte, davon dürften viele Menschen derzeit träumen. Gerade in der Werbebranche ist die Sehnsucht besonders verbreitet, eine eigene Marke mit klarer ökologischer Haltung zu entwickeln. Doch die Entstehungsgeschichte des Start-ups Pacific Garbage Screenings zeigt, wie lange der Weg von der kreativen Idee zu einem echten funktionierenden Projekt sein kann.


Im Fall von Marcella Hansch entstand die Idee vor gut sechs Jahren bei einem Tauchgang auf den Kapverden. Damals berührte sie Unterwasser etwas und sie erschrak, weil sie glaubte, mit einem Fisch in Kontakt gekommen zu sein. Aber es stellte sich heraus, dass es sich „nur“ um ein Stück Plastik gehandelt hatte: „Und da fiel mir auf, dass ich unter Wasser ohnehin viel öfter Plastik als Fische gesehen hatte.“

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Folge 2: Marcella Hansch; Pacific Garbage Screening
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An diesen eher traurigen Moment ihres Urlaubs erinnerte sie sich später wieder, als die Architekturstudentin des Thema ihrer Abschlussarbeit suchte. Getrieben von dem Ehrgeiz, kein typisches Standardgebäude als Entwurf vorzulegen, entschloss sie sich eine Sammelplattform für den Plastikmüll im Meer zu entwerfen.


Was eigentlich nur eine Abschlussarbeit sein sollte, wurde für Hansch schon bald zu einer treibenden Idee, die sie schon nach kurzer Zeit in ihren eigentlichem Beruf nicht mehr ignorieren konnte und wollte. Sie gründete Pacific Garbage Screening als Verein, um Mitstreiter und Unterstützer zu finden und merkte schnell, dass ihr ursprünglicher Plan einfach nicht umsetzbar war: „Wir haben uns dann dafür entschieden, den Müll nicht mehr auf dem Meer zu sammeln, sondern in den Flüssen und Flussmündungen. Aber das bedeutete, dass wir alle unsere Entwürfe noch einmal komplett überarbeiten mussten.“

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HORIZONT Lovebrands ist der Name des brandneuen Podcasts zu den Marken, die Menschen lieben und zu denjenigen, die sie gestalten. Ab sofort unterhalten sich in diesem Podcast im Zweiwochen-Rhythmus HORIZONT-Redakteure abwechselnd mit spannenden Personen aus unserer Branche. Der HORIZONT Lovebrands Podcast ist ausschließlich für H+-Nutzer verfügbar.
Ein anderer überraschender Nebeneffekt: Pacific Garbage Screening sieht sich einer kontinuierlichen Flut von Kommentaren und Kritiken ausgesetzt, wie die Mission der Initiative eigentlich definiert werden sollte. Hansch: „Da muss man sich dann auch irgendwann abgrenzen, sonst verliert man ganz schnell sein eigentliches Ziel aus den Augen.“

Die ungewöhnlichste Erkenntnis ist vielleicht, dass mit dem Erreichen ihres Ziels plötzlich ganz neue Fragen gelöst werden müssen: „Wir müssen zum Beispiel eine Antwort darauf finden, ob der Plastikmüll, den wir herausfischen juristisch gesehen einen Besitzer hat, oder ob wir ihn als Ressource weiterverkaufen können.“ Das mag wie eine banale Frage klingen, ist aber entscheidend, wenn Pacific Garbage Screening als Start-up potenziellen Investoren ein nachvollziehbares Geschäftsmodell präsentieren will.

Dabei ist die kommerzielle Perspektive für Hansch stets nur Mittel zum Zweck. Ihr Ziel sei es nicht, die Plastikmüllkönigin von Deutschland zu werden: „Ich möchte keine Königin sein. Mein Ziel wäre als Team unser Projekt so weit zu bringen, dass wir funktionierende Plattformen haben, die in vielen Ländern eingesetzt werden; dass wir die nötige Infrastruktur geschaffen haben und dass wir die Umweltbildung auch über Deutschland hinaus betreiben.“

Auch wenn sie durch dieses Projekt nicht reich werden wird, macht die Start-up-Gründerin kein Geheimnis daraus, dass sie im Moment ihren großen Lebenstraum lebt. Sie ermutigt auch Andere ausdrücklich an die eigenen Ideen zu glauben und ihre Träume umzusetzen: Aber dabei hilft auf jeden Fall Kommunikation. Redet auch mit Menschen darüber, die vielleicht gar nichts mit dem Thema zu tun haben, die aber genau deshalb einen völlig neuen Blickwinkel auf das eigene Projekt liefern können.“ Und auch ein Dickkopf sei auf diesem Weg sehr hilfreich: „Viele Leute haben versucht, mich zu entmutigen. Sie wollten mir erklären, warum es nicht funktionieren kann, und warum ich als junge Frau verrückt bin, so ein Projekt umzusetzen. Da bin ich ganz froh, dass ich manchmal einfach nicht auf Menschen höre.“ cam

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