HORIZONT fragt

Thomas Voigt, Otto Group

Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation (Foto: Otto Group)
Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation (Foto: Otto Group)
Kann man jungen Menschen guten Gewissens raten, in die Kommunikationsbranche zu gehen? Wie bleiben Sie kreativ? Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Der Fragebogen von HORIZONT Online stellt Fragen, die in klassischen Interviews oft zu kurz kommen. In dieser Folge antwortet Thomas Voigt, Kommunikationschef der Otto Group.

Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Mein Mütterchen war Vorkriegsbaujahr. Ihr konnte man nicht wirklich erklären, dass man mit Quatschen und Schreiben auch noch ansehnlich Geld verdienen kann. Leichter war das in meinen langen Jahren als Chefredakteur, weil sie das Endprodukt mit meinem Konterfei am Goslarer Bahnhofskiosk besichtigen konnte. Aber Corporate Communications bei der Otto Group? Gott bewahre! Ihr Trost war stets, dass ich als „Direktor“ eingestellt wurde, was sie trotz aller gegenteiligen Beteuerungen irgendwie mit einem „Generaldirektor“ der 50er Jahre verband.



Wer ist Thomas Voigt?

Seine Karriere startete der 58-Jährige als Redakteur bei  Werben & Verkaufen. Von 1989 bis 1993 war er Chefredakteur des Wochenmagazins. Zwischen 1993 bis 1997 war Voigt Chefredakteur von HORIZONT. 1997 folgte der Wechsel zum G+J-Wirtschaftsmagazin Impulse. 2001 und 2002 übernahm Voigt zusätzlich die Chefredaktion von Bizz. Seit 2004 ist Voigt Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Group.

Welchen Stellenwert haben Werbung und Marketing im digitalen Zeitalter? Eigentlich einen entscheidenden, aber das Marketing hat seine Stellung als wirtschaftliche und kulturelle Avantgarde an die internationale Digitale abgetreten. Und die gibt sie nicht wieder her.

Kann man jungen Menschen noch guten Gewissens raten, in die Kommunikationsbranche zu gehen? Selbstverständlich! Noch nie war professionelle Kommunikation für wirtschaftliche Transformation und gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtig.


Was war für Sie die außergewöhnlichste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Den von Trump gebashten Ex-Quarterback Colin Kaepernick "just do it" sagen zu lassen. Sehr mutig, Nike!

Was war für Sie die enttäuschendste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Die Kommunikation der Bundesregierung.

Was ist die größte Herausforderung bei der viel diskutierten "digitalen Transformation"? Die Überwindung des selbst gewählten Egos.

Fallen Ihnen Benchmarks aus Deutschland ein, wenn es um digitale Transformation geht? Bodo Jansen mit der Hotelkette Upstalsboom.

„Noch nie war professionelle Kommunikation für wirtschaftliche Transformation und gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtig.“
Thomas Voigt
Verliert das Label "Made in Germany"(Perfektion, Präzision, Fleiß, Zuverlässigkeit) gegenüber den Grundwerten der Internet-Ökonomie (Schnelligkeit, Experimentierfreude, Gründermentalität, Vision) an Zugkraft? Ich sehe die Divergenz nicht. Haben Erfindergeist und Visionen Deutschland nicht mal groß gemacht? Was wir aus meiner Sicht brauchen, ist eine Renaissance der klassischen Werte einer erneuerten Sozialen Marktwirtschaft: Freiheit und Verantwortung. Dann kann auch wieder Vertrauen in die Marke "Made in Germany" wachsen, die zwei kriminelle Konzerne aufs Spiel gesetzt haben. 

Wie informieren Sie sich über Politik, Wirtschaft und Marketing? Politik und Wirtschaft: Tages- und Wochenmedien offline und online, Social Media. Marketing: HORIZONT.

Welches Buch/Film/Musik haben Sie zuletzt gelesen/gesehen/gehört? Gerald Hüther: "Würde". Für mich ein dystopisches Panoptikum, lehrreich für den Umgang mit gesellschaftlichen Sorgen und Ängsten.

Wie bleiben Sie kreativ? Durch meine drei kleinen Kinder, meine große Tochter und meinen Enkelsohn.

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