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Hat die Dmexco relauncht: Dominik Matyka
Dmexco
HORIZONT fragt

Dominik Matyka, Chief Advisor Dmexco

Hat die Dmexco relauncht: Dominik Matyka
Kann man jungen Menschen guten Gewissens raten, in die Kommunikationsbranche zu gehen? Wie bleiben Sie kreativ? Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Der Fragebogen von HORIZONT Online stellt Fragen, die in klassischen Interviews oft zu kurz kommen. In dieser Folge antwortet Dominik Matyka, Chief Advisor der Internet-Messe Dmexco.
von Volker Schütz Freitag, 07. September 2018
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Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Meine Mutter weiß ziemlich genau, was ich mache. Startups gründen, finanzieren oder beraten und nun auch noch Konferenz- und Messe-Business. Durch meine Zeit bei plista ist sie auch mit der Medien- und Marketingwelt vertraut und daher war auch DMEXCO für sie kein absolutes Neuland. Startups und Technologien sind meine Leidenschaft, ihr Erfolg mein Ziel. Kurzum, ich habe meinen Traumjob. Die Dmexco passt da perfekt ins Bild.

Welchen Stellenwert haben Werbung und Marketing im digitalen Zeitalter? Denselben Stellenwert wie im analogen Zeitalter - nur mit dem Unterschied, dass  Kommunikation heute neue Formate für neue Endgeräte und Nutzungssituationen entwickeln muss. Instream, Native, Content oder Influencer Marketing, Split Screens, Digital Out of Home und zahlreiche weitere Möglichkeiten. Werbung muss nicht immer nur der vollflächige Störenfried sein, als eine besondere Form der Kommunikation kann sie auch mit dem Content koexistieren oder sogar Mehrwert bieten.

Kann man jungen Menschen noch guten Gewissens raten, in die Werbebranche zu gehen? Klar, zumal es "Die Werbung" nicht gibt. Es gibt in der Kommunikation so viele interessante neue Berufe, die erst jetzt im Zuge der neuen Technologien entstehen: vom Data Scientist über den KI-Spezialisten bis zum Digital Creative oder Audience Broker. Das ist doch ein perfektes Spielfeld für die Digital Natives und die meisten Jobs sind offen für Quereinsteiger, da es noch keine universitäre Ausbildung gibt.

Wer ist Dominik Matyka?
Dominik Matyka, Jahrgang 1982, ist in der Digitalbranche wahrlich kein Unbekannter und hervorragend vernetzt. 2008 hatte er die mittlerweile in mehr als 20 Ländern aktive Native-Advertising-Plattform Plista gegründet. 2013 wurde das Unternehmen an die WPP-Agentur Group M verkauft. Bis 2015 blieb Matyka als CEO an Bord, gründete danach mehrere Start-ups und ist heute als Angel-Investor und Berater über die U25 Ventures und als Gründer und Partner des Wagniskapitalgebers Cavalry Ventures tätig. Seit Anfang des Jahres ist er als Chief Advisor der Dmexco zudem die bestimmende Kraft bei der Neupositionierung der größten Internet-Messe Europas.


Was war für Sie die außergewöhnlichste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Das war für mich mit unter die Alexa-Kampagne zum diesjährigen Super Bowl. Für den Werbeplatz aller Werbeplätze braucht man auch die kreativsten und witzigsten Spots. Mit “Alexa Loses Her Voice” hat Amazon das geschafft und gleichzeitig auch noch ganz unauffällig auffällig die zwei neuesten Features angekündigt. Ich würde auch gerne mal Kochrezepte von Gordon Ramsay vorgebrüllt bekommen.

Was war für Sie die enttäuschendste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Die eine enttäuschendste Werbekampagne gab es für mich nicht. Natürlich gibt es immer Kommunikationsmaßnahmen, die nicht so gut wirken, wie gedacht. Dass Kommunikation sogar bei einem Top-Social Media-Team wie bei der BVG mal daneben gehen kann, hat der Shitstorm zum Tweet auf den Rausschmiss eines Kleinkinds aus einem Bus bewiesen. Aufstehen und weitermachen - Kommunikation ist eben ein heißes Eisen ;-)

Was ist die größte Herausforderung bei der viel diskutierten „digitalen Transformation“? Der Mensch und die Kultur.

Fallen Ihnen Benchmarks aus Deutschland ein, wenn es um digitale Transformation geht? Hier fallen mir spontan Otto und Bosch ein. Erstere haben inhouse ihre Kultur erfolgreich an die digitale Transformation angepasst und bei Bosch hat man schnell erkannt, dass man smarte neue Produkte und Service wie zum Beispiel Coup auch mit Agenturen außerhalb des eigenen Hauses erfolgreiche am Markt platzieren kann. 

Verliert das Label „Made in Germany“ (Perfektion, Präzision, Fleiß, Zuverlässigkeit) gegenüber den Grundwerten der Internet-Ökonomie (Schnelligkeit, Experimentierfreude, Gründermentalität, Vision) an Zugkraft? In der Permanent-Beta-Welt des Digitalen mag Präzision und Perfektion auf den ersten Blick wie ein Anachronismus wirken. Aber wir sind in Deutschland nicht umsonst Export-Weltmeister. Die Herausforderung für unsere Wirtschaft besteht darin, das Agile und die hohe Geschwindigkeit des Digitalen mit unseren typisch deutschen Tugenden zu verbinden. “Made in Germany” hat noch einen sehr guten Klang. Wir sollten uns aber nicht auf dem reinen Label ausruhen, sondern müssen die Infrastrukturen (politisch, technisch, kulturell) entsprechend bauen. 

Wie informieren Sie sich über Politik, Wirtschaft und Marketing? Da ich viel unterwegs bin, informiere ich mich hauptsächlich digital und mobil, zum Beispiel über Newsletter und Social Media. Um bei den Fachthemen auf dem Laufenden zu bleiben, lese ich gerne Wirtschafts- und Fachmedien, auch viele internationale Quellen. Meine persönlichen Lieblingsmagazine sind der “Spiegel” und “Harvard Business Review”. Unverzichtbar ist für mich aber der persönliche Austausch mit der Digital-Community. Ich bin bestimmt auf 100 Netzwerktreffen und Events pro Jahr.

Welches Buch/Film/Musik haben Sie zuletzt gelesen/gesehen/gehört? “Homo Deus” von Yuval Harari, kann ich sehr empfehlen. Mein letzter Film war “Startups” auf Amazon Prime und bei der Musik lege ich mich ungern fest, ich höre meist was aktuell in den Charts läuft oder meinen Lieblingssender OE3.

Wie bleiben Sie kreativ? Ich habe ein großes Netzwerk, dass ich intensiv pflege. Kreativität entsteht da bereits durch den Austausch mit vielen interessanten Menschen.




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