Hongkong eine Nation?

Versace entschuldigt sich nach Testimonial-Schelte für fehlerhaftes T-Shirt-Design

Die Vercae-Kampagne mit Yang Mi
© Versace
Die Vercae-Kampagne mit Yang Mi
Seit Wochen schon sorgen die Proteste in Hongkong gegen die von China eingesetzte Regierungschefin Carrie Lam für Schlagzeilen. Das aufgeheizte Klima zwischen der sieben Millionen Einwohner zählenden chinesischen Sonderverwaltungszone und Peking macht auch die Markenkommunikation nicht einfacher. Das zeigt das Beispiel Versace.
Auch am vergangenen Wochenende hatten sich Tausende Menschen versammelt, um gegen die Regierung zu protestieren. Auslöser für die seit 9. Juni laufenden Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Demonstrationen entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierung und einschüchternde Polizeigewalt. Viele Menschen befürchten zudem einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen.


Nachdem die weitgehend friedlichen Proteste in China zunächst stillgeschwiegen wurden, gehen Regierung und Medien nun in die Offensive. Die härtere Gangart wirkt sich auch auf die öffentliche Meinung und auf prominente Multiplikatoren aus. So hat die bekannte chinesische Schauspielerin Yang Mi ihre Zusammenarbeit mit der italienischen Modemarke Versace beendet. Grund ist ein umstrittenes T-Shirt. 

Yang Mi, die Versace-Botschafterin war, zeigte sich am Sonntag empört über das Kleidungsstück, das auch bei zahlreichen chinesischen Internet-Nutzern für Ärger gesorgt hatte. Das T-Shirt listet eine Reihe von Städten und die dazugehörigen Nationen auf. Hongkong und Macau werden darin jeweils als eigene Staaten aufgeführt und nicht als chinesische Sonderverwaltungszonen.


Der Stein des Anstoßes - das T-Shirt mit dem fehlerhaften Design
© Screenshot: Twitter
Der Stein des Anstoßes - das T-Shirt mit dem fehlerhaften Design
"Chinas territoriale Integrität und Souveränität sind heilig und unantastbar", hieß es darauf am Sonntag in einer Erklärung der Schauspielerin. Der Hashtag #YangMiStopsWorkingWithVersace hatte am Montagmorgen 900 Millionen Aufrufe im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo gesammelt.

Versace entschuldigte sich am Sonntag für das, was es als "fehlerhaftes Design" seines T-Shirts bezeichnete. Das Unternehmen gab an, das T-Shirt bis zum 24. Juli von allen Verkaufsstellen entfernt und vernichtet zu haben.

"Wir lieben China und respektieren entschieden seine Souveränität", teilte das Unternehmen über Weibo mit. Donatella Versace, Chefin des Unternehmens, entschuldigte sich auf Instagram. "Niemals wollte ich Chinas nationale Souveränität missachten und deshalb wollte ich mich persönlich für diese Ungenauigkeit und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten entschuldigen", erklärte sie.

Im vergangenen Jahr hatte sich bereits der US-Einzelhändler Gap in China für den Verkauf von T-Shirts mit einer "falschen Karte" von China entschuldigt, weil Taiwan und Teile des Südchinesischen Meers fehlten. Die Volksrepublik betrachtet die Inselrepublik Taiwan als sein eigenes Territorium. mas/dpa
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