Heinen Lovebrands

Warum Niklas Heinen froh über seinen "Rausschmiss aus der eigenen Firma" ist

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Niklas Heinen
© Paul Aidan Perry
Niklas Heinen
Zu Beginn des Jahres machte Niklas Heinen mal wieder von sich reden. Diesmal allerdings nicht als erfolgreicher Gründer von Heinen Lovebrands, sondern weil er 2019 als Geschäftsführer seines eigenen Startups gescheitert war und seine Erlebnisse ziemlich schonungslos öffentlich machte. Das brachte ihm eine Menge Respekt ein - weit über die Startup-Szene hinaus. Als Speaker auf den HORIZONT Digital Marketing Days 2020 Mitte Oktober wird er darüber berichten. Einige Vorab-Infos teilt er mit den Lesern von HORIZONT Online.
Niklas Heinen, heute 30 Jahre alt, hat eine ziemlich steile Karriere hingelegt. 2015 gründete er gemeinsam mit seiner Freundin und heutigen Ehefrau Joana das Startup Odernichtoderdoch. Zunächst verkauften die beiden online selbst designte Schreibutensilien.


Mit smartem Influencer Marketing machten sie sich schnell einen Namen, das Portfolio wurde größer, der Umsatz stieg und stieg. 2017 lag er bereits bei 7 Millionen Euro, die Mitarbeiterzahl war von zwei auf 50 gewachsen.

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Schon da ging das alles für Heinen offenbar ein bisschen zu schnell – vom Startup-Gründer zum Chef eines Unternehmens - und er begann eine Psychotherapie. Später schrieb er über diese Phase: "In mir kam die Angst auf, mit schlechter Kommunikation durch meine Unerfahrenheit und meine Unfähigkeit mit all diesen Situationen nicht mehr angemessen und authentisch umgehen zu können". Als 2019 der Umsatz des mittlerweile in Heinen Lovebrands umbenannten Unternehmens erstmals stagnierte – für Heinen eine echte Krise - zog er die Notbremse. "Ich fragte mein Team ganz offen, wie ich dem Unternehmen am besten helfen könnte", erinnert er sich. Und die Antwort war entwaffnend offen: Indem er sich bitte aus dem operativen Geschäft zurückziehe. Gesagt, getan. Seither ist Heinen nur noch Gesellschafter und Chairman in seinem eigenen Laden und fühlt sich nach eigenem Bekunden „deutlich ruhiger und regelrecht befreit“.


„Wer andere Menschen erfolgreich führen will, muss erst lernen, sich selbst zu führen. Mit reiner Intuition ist das nicht zu schaffen. Man muss sich selbst erkennen – mit allen Stärken und Schwächen.“
Niklas Heinen
Seine eigenen Erlebnisse haben ihn so beschäftigt, dass er sie mit anderen teilen wollte – als Redner und Berater, nicht nur aber auch in Fragen der Persönlichkeitsentwicklung für Unternehmer und Gründer. Seit gut einem Jahr vermarktet er sich auf der eigenen Plattform Niklasheinen.de. Fahrt aufgenommen hat das Geschäft, seit er Anfang 2020 auf LinkedIn ein paar Beiträge über seinen „Rausschmiss aus der eigenen Firma“ veröffentlichte, in denen er sehr offen von seinen Ängsten und Erfahrungen berichtete. Unter anderem zählte er die drei Punkte auf, von denen er mittlerweile weiß, dass er sie nicht kann:

Digital Marketing Days 2020
DMD 2020 teaser
© dfv
Am 14. und 15. Oktober finden die HORIZONT Digital Marketing Days 2020 statt. Wegen Corona ist die Veranstaltung als Hybrid Event geplant mit festgelegter Teilnehmerzahl vor Ort in Hamburg sowie der zusätzlichen Möglichkeit zur virtuellen Teilnahme. Das Programm fokussiert auch 2020 auf die wichtigsten Trendthemen im Digitalmarketing, unter anderem „Markenbildung: Neue Strategien für Social Media–Plattformen, „New Work: Weniger Hierarchien und mehr Flexibilität“, „Tech, Daten, Kreation: Best Cases im Digital Marketing“, „Voice first: Audio & Podcasts im digitalen Marketing“, Digital Purpose und Transformation: Business-Modelle neu gedacht“ sowie „Digitalismus: Bessere Rahmenbedingungen für jeden Menschen“. Rund 40 Top Speakerinnen und Speaker werden erwartet, darunter Christiane Haasis und Angela Nelissen (CHAN), beide Vice President Refreshment DACH, Unilever Sascha Pallenberg, Head of Digital Transformation, Daimler AG, Thorsten Scheib, Geschäftsführer Marketing, Philip Morris, Maike Abel, Head of Media Communication & Content, Nestlé Deutschland, Cordelia Röders-Arnold, New Work & Head of Menstruation 2.0, Einhorn , Justina Rokita, Chief Marketing Officer, MOIA Thomas Wlazik, Managing Director Global Business Solutions, TikTok Deutschland sowie Kim Alexandra Notz, Managing Partner, KNSKB+. Jetzt anmelden!
1. Ich weiß, dass ich kein strukturierter Manager bin, der das operative Geschäft eines mittelständischen Unternehmens in unserer aktuellen Wachstumsphase führt.

2. Ich weiß, dass ich nicht der empathischste Teamleader bin, der intuitiv spürt was bei seinen Mitarbeitern los ist, sie abholt und zusammen hält.

3. Ich weiß, dass ich kein Operations Manager bin, der verbindlich und verlässlich komplexe Prozesse aufgleist und steuert und nach wiederkehrenden Jour-Fixen strukturierte Gesprächsprotokolle mit ToDos an alle Teilnehmer schickt.

Das Feedback war heftig. Sehr viele fühlten sich angesprochen und von Heinen verstanden. Heinen: "Erst da habe ich gemerkt, dass das Thema auch für viele andere extrem relevant ist. So wie mir geht es unglaublich vielen – gerade in der Startup-Szene, wo Unternehmen manchmal sehr schnell wachsen und dann neue funktionale Strukturen brauchen." Wo es zuvor meist freundschaftlich und auf Augenhöhe zugegangen sei, brauche es dann plötzlich harte Entscheidungen, die unabhängig von den Personen getroffen und so kommuniziert werden müssten.

Fragt man Heinen heute nach seinem größten Learning aus dieser Zeit, überlegt er dennoch ziemlich lange, und sagt dann schließlich: "Wer andere Menschen erfolgreich führen will, muss erst lernen, sich selbst zu führen. Mit reiner Intuition ist das nicht zu schaffen. Man muss sich selbst erkennen – mit allen Stärken und Schwächen." Sein schmerzhaftestes Learning hängt eng damit zusammen: "Ich musste meine Selbstwahrnehmung korrigieren." Denn vor der Krise dachte Heinen immer, er sei "ein sehr empathischer und kommunikativer Mensch". Doch dann musste er feststellen, dass das gar nicht stimmte. Im Grunde sei er fast immer nur "auf Sendung" gewesen. Und wer sendet, kann bekanntlich kaum zuhören. "In einer meiner ersten Stunden sagte mein Coach zu mir: ,Sie erzählen sehr viel‘", so der 30-Jährige heute. Inzwischen weiß er, was damit gemeint war.

Ein Comeback als Geschäftsführer in sein eigenes Unternehmens kann er sich zwar grundsätzlich vorstellen. Eilig hat er es damit aber offenbar nicht. Zumal es Heinen Lovebrands gut geht. Für 2020 geht er von einem Umsatz von rund 10 Millionen Euro aus. Mittlerweile gehören zur Company drei Brands: Odernichtoderdoch, Jo & Judy sowie Boxes & Bows. Heinens Frau Joana arbeitet nach wie vor als Creative Director bei Heinen Lovebrands.

Mehr von Niklas Heinen und Heinen Lovebrands auf den HORIZONT Digital Marketings Days am 14. und 15. Oktober. Am besten gleich anmelden!
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