Handelswerbung

Weshalb Aldi Süd auch weiterhin an Prospektwerbung glaubt

Aldi Süds Werbeprospekt im neuen Layout
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Aldi Süds Werbeprospekt im neuen Layout
Ist der Handelsprospekt als Werbeformat ein Auslaufmodell? Wer sich den jüngsten Relaunch des Aldi-Süd-Prospekts "Meine Woche" anschaut kann hier nur zu einer Antwort kommen. Ausgerechnet der Discounter, der in den vergangenen Jahren mit seinem Einstieg in die TV-Werbung Schlagzeilen machte, zählt nach wie vor zu den großen Verfechtern der Briefkastenwerbung.

Aldi Süd investiert zwar mittlerweile intensiv in emotionale TV- und Online-Kommunikation. Aber das ändere nichts an der Relevanz des Print-Kanals, sagt Alexandra Baukrowitz, Managerin Printmarketing bei Aldi Süd: "Der Werbeprospekt ist immer noch unser wichtigstes und zentralstes Werbemedium."

Der hohen Effizienz des Mediums habe selbst die Einführung des Mindestlohns für Verteiler im Frühjahr 2015 nichts geschadet, betont sie: "Die Ängste vor der Einführung haben sich in der Praxis nicht bewahrheitet. Und es ist ohnehin unser Grundsatz, dass es im Geschäftsleben für beide Seiten faire Bedingungen geben muss. Da gehört der Mindestlohn dazu."




Damit spiegelt Baukrowitz einen Trend wider, der für den gesamten Einzelhandel gilt: Wie der aktuelle Marketingmonitor des EHI Retail Institute dokumentiert, liegen Prospekte und Handzettel mit 31,2 Prozent aller Bruttowerbeaufwendungen immer noch ganz klar auf Platz 1 der Werbekanäle des deutschen Einzelhandels. Und die Investitionen in dieses Werbemedium erreichen ein Massenpublikum: "Über die Briefkastenverteilung erreichen wir immer noch die meisten Menschen. Das merken wir jedes Mal an der Rückmeldung der Kunden, wenn die Verteilung ausnahmsweise nicht geklappt hat."
„Über die Briefkastenverteilung erreichen wir immer noch die meisten Menschen. Das merken wir jedes Mal an der Rückmeldung der Kunden, wenn die Verteilung ausnahmsweise nicht geklappt hat.“
Alexandra Baukrowitz
Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass Aldi Süd seinen Prospekt Ende des Monats generalüberholt hat. Dabei sind die aktuellen Änderungen bei "Meine Woche" durchaus aufschlussreich für die aktuellen Trends im Wettbewerb der Discounter und in der Handelskommunikation als Ganzes. Das wichtigste Signal: Den Discountern werden das Preisargument und ihre Kernkompetenz als Lebensmittelhändler wieder wichtiger.


So präsentiert im neuen Layout der Prospekt auf den ersten Seiten gebündelt aktuelle Lebensmittelangebote. Alexandra Baukrowitz, Managerin Printmarketing bei Aldi Süd: "Wir sind in erster Linie ein Lebensmitteleinzelhändler, und das soll auch der Prospekt wieder deutlicher transportieren. Über die neue Struktur zahlen wir auf unsere Food- und Frischekompetenz ein." Ergänzend dazu hat das Marketingteam auch noch ein eigenes grafisches Gütesiegel "Aldi-Preis" geschaffen, um die Preisführerschaft von Aldi deutlicher herauszustellen.

Mit seiner Rückkehr zu den Discount-Wurzeln ist Aldi Süd nicht allein. Penny pausiert seine Nachbarschaftskampagne, um über seine reaktivierte "Erstmal zu Penny"-Kampagne preisgünstige Angebote zu bewerben. Auch Lidl hat Mitte September seine Kampagne "Hamma alles! Hamma günstig!" gestartet, die Sortimentsbreite und günstige Preise thematisiert. Ähnlich wie Aldi zählt auch Lidl zu den Discountern, die zuletzt mit immer neuen Non-Food-Angeboten, einem Ausbau des Frischesortiments und neuen Handelsmarken die Lücke zu den Vollsortimentern Edeka und Rewe schließen wollten. Dass beide wieder ihre klassischen Discountstärken herausstellen, könnte darauf hindeuten, dass die Markendehnung gleichzeitig die Positionierung als Discounter aufgeweicht hat. cam

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