string(8) "news/bar" Glassdoor Umfrage: Jeder dritte deutsche Arbeitnehmer erlebt Diskriminierung im Job
Glassdoor Umfrage

Jeder dritte deutsche Arbeitnehmer erlebt Diskriminierung im Job

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Trotz Metoo-Debatte tut die Medienbranche erstaunlich wenig gegen Diskriminierung
© Mihai Surdu auf Pixabay
Trotz Metoo-Debatte tut die Medienbranche erstaunlich wenig gegen Diskriminierung
Diskriminierung am Arbeitsplatz? Das sollte in der heutigen Zeit eigentlich tabu sein. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Obwohl Unternehmen im ewigen Kampf um die qualifiziertesten Nachwuchskräfte Werte wie Vielfalt und Weltoffenheit hochhalten, werden Berufstätige nach wie vor häufig Opfer von Diskriminierung – und das nicht nur in Deutschland. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Job- und Recruiting-Plattform Glassdoor. Bemerkenswert: Gerade die Medienbranche, in der angesichts der #MeToo-Thematik ein besonderer Handlungsbedarf bestehen sollte, tut erstaunlich wenig gegen die Benachteiligung von Menschen aufgrund von Geschlecht, Alter oder Nationalität.

Glassdoor hat für seine Erhebung "Diversity & Inclusion 2019" im Juli insgesamt mehr als 3100 Berufstätige online befragt, darunter 645 aus Deutschland (Details siehe Kasten). Bei dem Ergebnis sollten bei allen Personalern die Alarmglocken klingeln. Denn: Mehr als ein Drittel, nämlich 37 Prozent, der befragten deutschen Arbeitnehmer gibt an, bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz selbst erfahren oder beobachtet zu haben. Wenig überraschend rangiert die Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes mit 24 Prozent an erster Stelle. Aber auch die Benachteiligung aufgrund des Alters (22 Prozent), Rassismus (21 Prozent) und aufgrund von sexueller Orientierung (15 Prozent) ist weit verbreitet. 


Zu denken geben sollte der Umstand, dass Deutschland im internationalen Vergleich sogar noch sehr gut da steht. In den ebenfalls untersuchten Märkten Großbritannien, Frankreich und den USA ist Diskriminierung laut der Umfrage noch viel weiter verbreitet – und zwar sowohl übergreifend als auch bei den einzelnen Formen der Benachteiligung. Hier sei der Anteil derjenigen, die jeweils Opfer von Diskriminierung geworden sind, unter dem Strich um 10 Prozent höher, teilt Glassdoor mit.

Anteil der Arbeitnehmer, die Diskriminierung im Job selbst oder als Zeuge erlebt haben

Quelle: Glassdoor
Vor allem für Arbeitnehmer in den USA gehört Diskriminierung offenbar zum Job-Alltag. So geben dort 42 Prozent der Befragten an, in ihrem Job Rassismus zu erleben – damit ist der Wert doppelt so hoch wie in Deutschland. Dasselbe gilt für die Altersdiskriminierung. Während in den USA 45 Prozent der Befragten angeben, Benachteiligung wegen des Alters erlebt zu haben, sind es hierzulande nur 22 Prozent. 

Daraus zu folgern, dass deutsche Unternehmen in Sachen Vielfalt und Gleichberechtigung gut aufgestellt sind, wäre aus Sicht von Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor, zu kurz gesprungen. "Zum einen ist der Anteil der deutschen Befragten, die Diskriminierung erleben, mit mehr als einem Drittel für sich genommen sehr hoch. Zum anderen liegt die wahrgenommene Diskriminierung auch immer im Auge des Betrachters. Daher könnte die Ursache für die geringeren Werte auch in der mangelnden Sensibilisierung für Diskriminierung am Arbeitsplatz liegen", so Altmann weiter. 

Dass in Deutschland weniger Arbeitnehmer Diskriminierung erleben als anderswo hat auch damit zu tun, dass die Belegschaften hiesiger Unternehmen bei weitem nicht so divers sind wie bei Unternehmen in anderen Ländern. Zwar geben 62 Prozent der deutschen Befragten an, dass sie bei einem Arbeitgeber arbeiten, der über eine diverse Belegschaft verfügt. Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass 38 Prozent der Berufstätigen in Betrieben arbeiten, in denen das nicht der Fall ist. In den anderen Märkten sind die Belegschaften deutlich diverser aufgestellt. In den USA geben 77 Prozent der Befragten an, dass sie in einer von Vielfalt geprägten Belegschaft arbeiten. Im internationalen Durchschnitt sind es 71 Prozent. 

Anzahl der Stellenanzeigen rundum Diversität und Inklusion im August 2019

LandStellenanzeigenVeränd. zum Vorjahr in %
USA81030
Großbritannien70106
Deutschland5279
Frankreich2653
Sonstige4567
Total100337
Quelle: Glassdoor
Bei den hiesigen Arbeitgebern scheint sich ohnehin die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass beim Thema Diskriminierung noch viel zu tun ist. Dafür spricht jedenfalls eine parallel durchgeführte Analyse von Stellenanzeigen auf Glassdoor. Diese zeigt, dass die Unternehmen bei den Themen Vielfalt und Inklusion kräftig Gas geben.

Laut Glassdoor wurden im August 2019 in Deutschland immerhin 52 Jobs mit diesem Fokus, wie etwa wie "Gleichstellungsbeauftragte/r" oder "Diversity Manager/in", ausgeschrieben. Das entspricht einem Wachstum von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Methodik

Die Online-Umfrage wurde in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland von The Harris Poll im Auftrag von Glassdoor vom 29. bis 31. Juli 2019 unter 3.137 Berufstätigen (Vollzeit und Teilzeitangestellte sowie Selbstständige), darunter 645 Teilnehmer in Deutschland, 1.113 in den USA, 725 in Großbritannien und 654 Mitarbeiter in Frankreich. 

Die Analyse von Stellenanzeigen durch Glassdoor Economic Research basiert auf einer Textsuche nach Begriffen, die mit dem Themenfeld Diversität und Inklusion in Verbindung gebracht werden, in der Datenbank mit aktuellen Stellenanzeigen von Glassdoor. Es wurde auch nach entsprechenden Begriffen in Deutsch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch gesucht. Daraus ergab sich die Anzahl der jeweiligen offenen Stellen in diesem Bereich in den untersuchten Ländern. Jobtitel und Senioritätsstufen wurden unter Verwendung eines Modells für maschinelles Lernen in einen kleinen Satz von kanonischen Titeln und Stufen gruppiert, die von Glassdoor definiert wurden. Um die Auswirkungen der Volatilität von Woche zu Woche zu verringern, wurden alle Daten mit einem vierwöchigen Mittelwert geglättet.

Das Bild wird getrübt, wenn man sich anschaut, wo genau diese Stellen geschaffen werden. Denn laut Glassdoor ist es nicht die Privatwirtschaft, die hier Vorreiter ist, sondern der öffentliche Sektor, also zum Beispiel Unternehmen aus dem Gesundheitssektor oder der Verwaltung. Diese Firmen sind gesetzlich verpflichtet, solche Stellen zu schaffen. Die Privatwirtschaft hinkt hier noch deutlich hinterher, das gilt im speziellen für die Medien. Laut Glassdoor schafft es die Medienbranche weder in Deutschland in die Top 5 noch in den USA in die Top 10. "Obwohl die #MeToo Bewegung auch aus der Medienbranche heraus entstanden ist, zeigen unsere Daten, dass sich das noch nicht in allzu starken Anstrengungen im Diversity Management niederschlägt. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel könnte das schnell zum Bumerang werden. Insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass laut der Umfrage gerade Millennials und die Generation Z mehr Engagement der Arbeitgeber für Diversität fordern", kommentiert Altmann die Ergebnisse. mas

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