Geschmacklos, sexistisch, diskriminierend

Diese Schmuddel-Kampagnen wurden vom Werberat gerügt

Der Urheber dieses Spots wurde wenig überraschend vom Werberat gerügt
© Screenshot: Youtube/Roofys
Der Urheber dieses Spots wurde wenig überraschend vom Werberat gerügt
Dass Kampagnen bisweilen polarisieren und selbst namhafte Marken auch mal einen Flop produzieren, kann man beinahe jeden Tag bei HORIZONT Online nachlesen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Wirklich gruselig wird es, wenn man sich die Plakate, Anzeigen und Werbespots anschaut, über die sich Bürger beim Deutschen Werberat beschweren. Das Kontrollorgan der deutschen Werbeindustrie hat erneut eine Reihe von Rügen ausgesprochen. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, dass also die Unternehmen ihr Fehlverhalten tatsächlich nicht selbst einsehen wollten, ist wirklich bemerkenswert.

Insgesamt sieben Unternehmen wollten trotz Beanstandung durch den Deutschen Werberat ihre Werbung nicht absetzen oder korrigieren und wurden daher nun öffentlich gerügt. Etwas aus dem Rahmen fällt die Sozialbetreuung "Lebensfreude". Grund: Das Unternehmen aus Halle/Saale wurde nicht - wie sonst alle anderen Übeltäter-  wegen männer- bzw. frauendiskriminierender Werbung gerügt. In diesem Fall trifft es der Begriff "geschmacklos" wohl am ehesten.



Motiv der Sozialbetreuung "Lebensfreude"
© Deutscher Werberat
Motiv der Sozialbetreuung "Lebensfreude"
Stein des Anstoßes ist ein Plakat. Auf dessen oberer Bildhälfte ist eine Frau zu sehen, die sich einen Strick über den Kopf zieht. Darüber steht das Wort "Perspektivlos?" Die untere Bildhälfte zeigt ein lachendes älteres Paar beim Schaukeln, umringt von Schmetterlingen und gepaart mit dem Text "oder gut betreut im eigenen Zuhause".
Aus Sicht des Werberates geht das Bild einer sich erhängenden Frau im Zusammenhang mit der Bewerbung des sozialen Dienstes über das Maß dessen hinaus, was in der Werbung zu sehen sein sollte. Ein angedeuteter Suizid sei als Eyecatcher für ein Werbeplakat nicht akzeptabel, heißt es in der Begründung des Werberates.

Eine Rüge kassierte auch der E-Zigaretten-Liquid-Hersteller "High-Class-Liquid" aus Unna. In dem beanstandeten Werbespot stellt ein Mann im Bademantel die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Liquid-Marke Roofy’s vor, darunter beispielsweise PopPorn, Bitchy Lychee und Fruit Boobs. Unterstützt wird der Mann dabei von drei Frauen in Dessous, die den Mann ankleiden, füttern oder ihm Dinge reichen. Nach Ansicht des Werberats reduziert der Spot Frauen auf ihre sexuellen Reize. Besonders kritisch sieht das Kontrollgremium das Zusammenspiel zwischen dem Inhalt des Spots und dem Markennamen "Roofy’s". Dieser erinnere an den Begriff "Roofies", mit dem im englischen Sprachgebrauch K.O.-Tropfen bezeichnet würden. Diese würden unter anderem verwendet, um Frauen zu betäuben und zu vergewaltigen, erläutert der Werberat.


Fahrzeugwerbung von Nomis
© Deutscher Werberat
Fahrzeugwerbung von Nomis
Ebenfalls sexistisch, in diesem Fall jedoch gegenüber Männern, stuft der Werberat die Fahrzeugwerbung von Nomis mit Sitz in Herten ein. Auf dem Firmenfahrzeug des Rohrreinigungs-Anbieters ist der Rumpf eines durchtrainierten Mannes abgebildet, der seinen Schritt mit einem Schild bedeckt, auf dem "Rohr verstopft? Nomis" zu lesen ist. In der Diskussion mit dem Werberat zeigte sich Nomis durchaus ideenreich. Der Handwerker habe argumentiert, hier würde die klassische Situation dargestellt, in der man erst bemerkt, dass ein Rohr verstopft ist, wenn man bereits nackt unter der Dusche stehe. Doch dieser Sichtweise schloss sich das Entscheidungsgremium nicht an. Aus Sicht des Werberates spielt die Wort-Bild-Kombination auf das männliche Genital an, auch wenn das humorvoll gemeint sei.

Diese Fahrzeugwerbung kassierte eine Rüge
© Deutscher Werberat / Beschwerdeführer
Diese Fahrzeugwerbung kassierte eine Rüge
Aus ganz ähnlichen Gründen wurden auch die Fahrzeugwerbung des Estrich- und Fußbodentechnik-Anbieters Börmann aus Augustusburg und der "Fleischeslust die Metzgerei und Feinkosteria e.K" aus Bensheim-Auerbach gerügt. Auf dem Börmann-Fahrzeug prangte auf der gesamten Heckscheibe ein riesiger, knapp bekleideter Frauenpo, auf dem noch der Spruch "Glatt und eben muss er sein – der Estrich" zu lesen war. Aus Sicht des Werberats wurden damit ebenfalls die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. 

Warum sich der Metzger aus Bensheim-Auerbach eine Rüge einfing, dürfte für jedermann offensichtlich sein. In dem Werbespot räkelt sich eine Frau in Unterwäsche auf einem Bett, während der Metzger eine Roulade zubereitet. Aus Sicht des Werberates wird damit der Eindruck erweckt, als werde die abgebildete Frau mit dem Fleisch gleichgesetzt und durch den erotischen Unterton der Werbung auf ihre Sexualität reduziert. 

Website von Gottfried Helfert
© Deutscher Werberat
Website von Gottfried Helfert
Auch die Firmen Gottfried Helfert aus Netphen und die Pflanzenschutzfirma Sumi Agro Limited aus Allershausen wurden wegen sexistischer Werbung getadelt. Im ersten Fall ging es um die Internetseite des Unternehmens, auf der spärlich bekleidete und aufreizend posierende Frauen zu sehen sind.
Aufssteller von Sumi Agro Limited
© Deutscher Werberat
Aufssteller von Sumi Agro Limited
Im zweiten Fall rügte der Werberat einen Aufsteller, der eine sexy posierende duschende Frau zeigte, deren Brüste und Intimbereich mit Schildern bedeckt sind. Auf dem oberen Schild steht Reboot, der Name des beworbenen Produkts, und auf dem Schild vor dem Schambereich der Slogan: "Näher ran ans Gewässer! Mehr Wirkstoff! Sechs Mal Spritzen!". mas

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