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Bestellungen in Online-Shops halten die meisten Konsumenten für weniger nachhaltig als Shoppen vor Ort - zu Unrecht
IMAGO / Imaginechina-Tuchong
Gefühlte Fakten

Deutsche glauben fälschlicherweise nicht an die Nachhaltigkeit des Online-Handels

Bestellungen in Online-Shops halten die meisten Konsumenten für weniger nachhaltig als Shoppen vor Ort - zu Unrecht
Obwohl viele Verbraucher seit Beginn der Pandemie öfter als sonst online einkaufen, tun sie das oftmals mit eher schlechtem Gewissen in puncto Umweltfreundlichkeit. Denn wie eine aktuelle Studie von Yougov im Auftrag des Verpackungsanbieters Box Inc zeigt, ist der Großteil der Befragten davon überzeugt, dass es nachhaltiger sei stationär zu shoppen als online - was allerdings eine Fehleinschätzung ist. Die meisten Verbraucher sehen vor allem Handlungsbedarf beim Verpackungsmaterial und den Transportwegen.
von Helena Birkner Donnerstag, 27. Mai 2021
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In einer deutschlandweiten Befragung von über 2000 Konsumenten ergab sich eine deutliche Diskrepanz zwischen deren Einschätzung zur Nachhaltigkeitsbilanz von Online- und stationärem Handel und den tatsächlichen Fakten. Die repräsentative Studie des schwedischen Start-ups Box Inc in Kooperation mit Yougov offenbarte, dass 46 Prozent der Befragten E-Commerce für nicht nachhaltig befinden. Nur 13 Prozent halten Online-Shopping für umweltschonender als das Einkaufen vor Ort.

Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie von Oliver Wyman zeichnen jedoch ein anderes Bild: Demnach ist der E-Commerce faktisch umweltfreundlicher als stationärer Retail. Zurückgeführt wird dies in erster Linie auf die Emissionen der Ladengebäude und die Einkaufswege der Verbraucher.

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Entscheidende Faktoren für die verschobene Wahrnehmung der Konsumenten sind vor allem der anfallende Verpackungsmüll sowie die Transportmethoden bestellter Waren, die die Befragten im Einzelhandel als weniger problematisch wahrnehmen. Gerade das häufige Zurückschicken von Online-Waren sehen die Befragten kritisch. Die Mehrheit von ihnen glaubt, dass der Versand (49 Prozent) und insbesondere anfallende Retouren (73 Prozent) den Onlinehandel nicht nachhaltig machen.

Online-Händler in der Pflicht

Für die Reduzierung des CO2-Abdrucks beim Shopping ist aus Sicht der Verbraucher der Onlinehandel zuständig. Welche Maßnahmen die Studienteilnehmer als geeignet ansehen, die Umweltfreundlichkeit des E-Commerce zu verbessern, hat die Studie ebenfalls untersucht. So denken 64 Prozent, dass das Zusammenfassen mehrerer Sendungen in einer Lieferung ein wichtiger Schritt wäre. 59 Prozent halten umweltfreundliche Lieferwagen für den Schlüssel zu nachhaltigen Transporten.
Grafik 1
© Box Inc
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Um die Retourenquote zu senken, empfinden 49 Prozent der Befragten detaillierte Produktionformationen als hilfreich, wie detailreiche Produktbilder (39 Prozent) oder auch -videos (29 Prozent). Ebenfalls 29 Prozent der Verbraucher geben an, dass sie E-Commerce Produkte seltener zurückgeben würden, wenn sie für die Retouren bezahlen müssten (siehe Grafik 1).

Neben Transport und Retouren stehen auch die Verpackungen des Versandhandels im Fokus der Befragten. Besonders schlecht ist das Image von Plastikverpackungen: 68 Prozent schreiben diesen Materialien den negativstenen Einfluss auf Nachhaltigkeit zu (siehe Grafik 2). Stattdessen finden sie, dass die Verpackungen recycelbar (23 Prozent), mehrmals oder auch für Retouren verwendbar (33 Prozent) oder aus Papier (11 Prozent) sein müssten, um den Bestellprozess umweltfreundlicher zu machen.
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© Box Inc
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Trotz des breiten gesellschaftlichen Diskurses um den CO2-Fußabdruck weiß ein Viertel (25 Prozent) der Befragten laut Yougov nicht, was es damit genau auf sich hat – der Großteil habe aber ein gutes oder relativ gutes Verständnis von der Bedeutung des Begriffs. 28 Prozent der Verbraucher geben an, dass sie für den CO2-Ausgleich des Transports ihrer Bestellungen bezahlen würden. Die Mehrheit ist daran allerdings nicht interessiert und sieht die Verantwortung zu mehr Nachhaltigkeit allein beim Onlinehandel.

"Wir wollten verstehen, was die Verbraucherinnen und Verbraucher über Nachhaltigkeit im E-Commerce denken, und es ist faszinierend zu sehen, wie das von den dargestellten Fakten abweicht. Dies ist eine echte Chance für den Onlinehandel, die Verbraucherinnen und Verbraucher aufzuklären", sagt Mikael Fristedt Westre, Gründer und CEO von Box Inc.

Die repräsentative Studie wurde von Yougov im Auftrag von Verpackungshändler Box Inc zwischen dem 21. und 23. April 2021 im Zuge einer Online-Befragung durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus 2.084 Verbrauchern in Deutschland. Das vollständige Whitepaper zur Studie mit allen Ergebnissen gibt es hier. hmb
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