Foodwatch-Negativpreis

Glacéau Smartwater erhält Goldenen Windbeutel 2018

Kampagnenmotiv von Glacéau smartwater
© Coca-Cola
Kampagnenmotiv von Glacéau smartwater
Der Träger des Goldenen Windbeutels 2018 steht fest. Die Verbraucherorganisation Foodwatch vergibt ihren Negativpreis an den Coca-Cola-Konzern. Der habe für seine Mineralwassermarke Glacéau Smartwater die "dreisteste Werbelüge des Jahres" abgeliefert.
Laut Foodwatch hätten sich fast 70.000 Menschen an der Abstimmung zum Goldenen Windbeutel beteiligt, etwa ein Drittel habe Glacéau Smartwater zur dreistesten Werbelüge des Jahres gewählt. Der Grund: Das Mineralwasser, das in den USA bereits seit 1996 und seit diesem Sommer auch in Deutschland erhältlich ist, werde mit Sprüchen wie "von den Wolken inspiriert" beworben, obwohl das bei der Produktion verwendete Verfahren "ernährungsphysiologisch vollkommen unnütz" sei. Darüber hinaus sei das Produkt wesentlich teurer als ein herkömmliches Mineralwasser.


"Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins", echauffiert sich Sophie Unger, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018. "Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das 'Smartwater' ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft. Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit – damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen."
Mit diesem Motiv mit Schauspielerin Jennifer Aniston warb Coca-Cola hierzulande für Glacéau smartwater
© Coca-Cola
Mit diesem Motiv mit Schauspielerin Jennifer Aniston warb Coca-Cola hierzulande für Glacéau smartwater
Auf den weiteren Plätzen bei der Wahl landeten der Kids Ketchup von Heinz, der Corny-Riegel in der Geschmacksrichtung von Schwartau, das Olivenbratöl von Dennree und der Erbseneintopf der Edeka-Marke Gut und Günstig. Um dieses Produkt hatte es bereits im Vorfeld Diskussionen gegeben.

Coca-Cola hat auf die Entscheidung bereits reagiert: Glacéau Smartwater sei nicht von den Verbrauchern, sondern von Foodwatch-Kampagnenchef Oliver Huizinga zur Wahl aufgestellt worden. Den Preis nimmt das Unternehmen selbstredend nicht an: "Die Deklaration und Kennzeichnung des Wassers sind transparent und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen. Sämtliche Aussagen zum Getränk und seinen Inhaltsstoffen sind selbstverständlich zugelassen. Grundsätzlich sind unterschiedliche Preise für Produkte nicht nur in der Lebensmittelindustrie gang und gäbe", teilt Coca-Cola mit.


Der Getränkekonzern hatte im Juli angekündigt, Glacéau Smartwater nach Deutschland zu bringen. Eine Kampagne mit Schauspielerin Jennifer Aniston, die auch im US-Markt für das Produkt wirbt, sollte für Bekanntheitsaufbau sorgen. Die Kampagne, bei der neben Out-of-Home-Motiven auch Digitalmaßnahmen eingesetzt wurden, ist seit Anfang November beendet. Lediglich Search ist noch im Einsatz.
© Impact & Emotions
Noch muss man die Marktrelevanz von Glacéau Smartwater hinterfragen. Verkaufszahlen gibt es jedenfalls nicht. Allerdings hat das Getränk offenbar durchaus Potenzial: 
Bei einer national repräsentativen Studie von Impact & Emotions aus dem Juli konnten sich rund 32 Prozent der 400 Befragten vorstellen, das Wasser zu kaufen. Dabei spielt das Flaschendesign, das in der Vermarktung ein wichtiges Element ist, offenbar eine große Rolle: Für 12 Prozent der Befragten war ein ansprechendes Flaschendesign ebenfalls ein elementares Kriterium, von denen sich wiederum anteilig mit 61 Prozent überdurchschnittlich viele vorstellen konnten, das Produkt auch zu kaufen.

Auch Heinz hat zu der Foodwatch-Wahl Stellung bezogen. Die Kritik der NGO, wonach der Kinderketchup trotz gleicher Inhaltsstoffe bis zu 40 Prozent mehr koste als das Produkt für Erwachsene, kontert der Hersteller folgendermaßen: "Der Preisunterschied dieser beiden Produkte beruht jedoch lediglich auf den unterschiedlichen Packungsgrößen sowie der Tatsache, dass der Handel die von Heinz empfohlenen UVPs nicht umsetzt. In Deutschland ist der Handel laut Gesetz in seiner Preisgestaltung frei. Entsprechend haben Unternehmen keinen Einfluss auf die tatsächlichen Verkaufspreise der Produkte."

Coca-Cola ist übrigens nicht allein mit seiner Foodwatch-Kritik: Auf Twitter hat Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde sowie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, ein Video geteilt, in dem er heftig mit der Verbraucherorganisation ins Gericht geht: 


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