Ethikkodex Influencer Marketing

Nach diesen 10 Regeln sollen Influencer, Dienstleister und Unternehmen handeln

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Stefan Doktorowski ist Vorsitzender des Vorstands beim BVIM
© Doktorowski
Stefan Doktorowski ist Vorsitzender des Vorstands beim BVIM
Das Influencer Marketing werde immer professioneller, heißt es allenthalben. In Wahrheit liegt in der Branche aber noch vieles im Argen. Der Bundesverband Influencer Marketing (BVIM) will nun Abhilfe schaffen und stellt einen Kodex für ethisch angemessene Influencer-Kommunikation vor.
Das im Netz abrufbare Konvolut soll eine Handlungsorientierung für Influencer, Auftraggeber und Agenturen sein. Es orientiert sich an bereits vorhandenen Ethik-Kodizes aus anderen Bereichen wie Werbung, PR, Journalismus und Online-Kommunikation. Außerdem wurden Influencer, Unternehmens- und Agenturvertreter als Experten zu aktuellen Problemfeldern und Lösungserwartungen in der Influencer-Branche befragt. Bei der Erstellung arbeitete der BVIM mit den Kommunikationswissenschaftlern Nadja Enke und Nils S. Borchers von der Universität Leipzig zusammen.


Der Kern des Kodex' sind zehn Richtlinien, nach denen sich die Marktteilnehmer verhalten sollen. Diese lauten:

1.

Alle AkteurInnen handeln eigenständig



2.

Alle AkteurInnen handeln transparent



3.

Alle AkteurInnen handeln aufrichtig



4.

Alle AkteurInnen handeln wahrheitsgetreu



5.

Alle AkteurInnen tragen Fürsorge für schutzbedürftige oder benachteiligte Personengruppen



6.

Alle AkteurInnen handeln professionell



7.

Alle AkteurInnen pflegen einen wertschätzenden Umgang miteinander



8.

Alle AkteurInnen gehen respektvoll miteinander um



9.

Alle AkteurInnen verhalten sich loyal gegenüber einander



10.

Alle AkteurInnen handeln verantwortungsvoll



"Der Ethikkodex Influencer-Kommunikation bietet Antworten auf die Frage, wie die beteiligten Akteure der Influencer-Branche ethisch angemessen handeln sollen", so Enke. Ihr Kollege Borchers ergänzt: "Die Richtlinien gehen deutlich über bestehende rechtliche Regelungen hinaus. Dennoch liegt es in der Verantwortung der Branchenteilnehmer, sich über die bestehende Rechtsgrundlage zu informieren und auch diese einzuhalten."

Ergänzt wurden die Richtlinien um konkrete Handlungsanweisungen. So werden Influencer beispielsweise angehalten, eine Tarnung von werblichen Inhalten als redaktionelle Beiträge abzulehnen. Dienstleister, so heißt es in dem Regelwerk weiter, "geben öffentliche und nicht-öffentliche Kennzahlen (wie Reichweiten, Interaktionen, Klicks etc.) von InfluencerInnen und Organisationen wahrheitsgemäß weiter bzw. manipulieren diese nicht, sofern sie diese selbst erheben." Und in der Aufrichtigkeitsempfehlung für Unternehmen steht: "Sie gehen nur Kooperationen ein, die ihren eigenen Werten und Leitlinien nicht widersprechen."

„Für uns ist dieses Projekt ein Paradebeispiel für einen gelungenen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis.“
Stefan Doktorowski
Klingt eigentlich selbstverständlich - dass es das offenbar nicht ist zeigt, wie viele offene Baustellen es im Influencer Marketing noch zu geben scheint. Gleichzeitig zeugt es vom Verantwortungsbewusstsein der Branche, wenn man etwaige Fehlentwicklungen nicht einfach hinnehmen will. Dazu fließt inzwischen auch zu viel Geld in Influencer.

Die Notwendigkeit des Ethikkodex' begründet der BVIM aber auch damit, dass sich Influencer an der Schnittstelle von Journalismus, Marketing und Public Relations bewegten. Diese Branchen hätten alle ihre eigenen ethischen Standards, die sich zum Teil jedoch widersprechen würden. Damit nicht genug: "Die Funktionskonstellationen, in denen sich InfluencerInnen, Organisationen und MittlerInnen bewegen, führen zu weiteren, Branchen-eigenen Problemstellungen (z.B. Fake FollowerInnen, Kinder-InfluencerInnen)", heißt es in den Erklärungen des Verbands zu dem Kodex. 

"Für uns ist dieses Projekt ein Paradebeispiel für einen gelungenen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis", sagt der BVIM-Vorsitzende Stefan Doktorowski. "Der Kodex wurde wissenschaftlich fundiert und unabhängig von den Verbandsinteressen hergeleitet. Diese Unabhängigkeit war uns wichtig, um unseren Mitgliedern zukünftig eine bestmögliche, aber auch glaubwürdige ethische Orientierung bieten zu können." ire
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