Eishockey-WM

Skoda, Nivea Men und Liqui Moly drohen mit Rückzug

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Die Eishockey-Arena in Minsk. Jetzt droht Hauptsponsor Skoda mit Rückzug von der WM
© Andre Ringuette /HHOF-IIHF Images
Die Eishockey-Arena in Minsk. Jetzt droht Hauptsponsor Skoda mit Rückzug von der WM
Vom 21. Mai bis zum 6. Juni soll in diesem Jahr im lettischen Riga und in Minsk in Belarus die Eishockey-WM stattfinden. Doch nun setzen die Sponsoren am Wochenende ein deutliches Zeichen. Skoda droht dem Eishockey-Weltverband IIHF, sich als Hauptsponsor der WM zurückzuziehen, sollte Belarus die Weltmeisterschaft nicht entzogen werden. Das teilte das zum VW-Konzern gehörende tschechische Unternehmen am Samstag mit. Gleiches hatte Sponsor Nivea Men bereits am Freitag angekündigt. Am Sonntagnachmittag zog Liqui Moly nach und erklärte ebenfalls, sein Engagement zu beenden falls der Verband bei seiner Entscheidung bliebe. Heute am frühen Abend hat der Weltverband Belarus die WM entzogen.
Seit Wochen wächst der Druck auf den Weltverband IIHF, Belarus das Turnier wegen der Verstöße gegen die Menschenrechte unter Machthaber Alexander Lukaschenko wieder zu entziehen. Seit dem Wochenende haben die Forderungen nach einer Verlegung der Weltmeisterschaft nochmal an Schärfe gewonnen.


Hauptsponsor Skoda will sich vom Turnier zurückziehen, sollte in Belarus der Wettbewerb ausgetragen werden. "Wir sind seit 28 Jahren ein stolzer Partner der @IIHFHockey Weltmeisterschaft. Aber wir respektieren und fördern auch die Menschenrechte", twitterte Skoda am Samstag.
Den Stein ins Rollen hatte Nivea Men gebracht. Die Marke aus dem Beiersdorf-Konzern kündigte bereits am Freitag ihren Rückzug als Sponsor an, sollte die WM (21. Mai bis 6. Juni) in Minsk ausgerichtet werden. Nivea Men ist seit 14 Jahren als Eishockey-Sponsor aktiv. "Dabei steht Nivea Men immer der Sport im Vordergrund, denn wir glauben daran, dass Sport Menschen verbindet. Nivea Men unterstützt die Werte der IIFH von Fair Play und Respekt und lehnt jede Form von Diskriminierung und Gewalt ab", heißt es in einem Statement, das HORIZONT vorliegt.
Nivea Men kündigt seinen Rückzug an, falls die WM in Belarus stattfindet
© Nivea Men / Screenshot Instagram
Nivea Men kündigt seinen Rückzug an, falls die WM in Belarus stattfindet
Seit Sonntagnachmittag ist klar, dass auch Sponsor Liqui Moly Konsequenzen ziehen will, wenn die WM wie geplant in Belarus stattfinden wird. "Die aktuelle Lage in Belarus sowie die Politik der dortigen Regierung – allen voran der Umgang mit Demonstrierenden und offensichtliche Verstöße gegen Menschenrechte in Belarus – widersprechen den Überzeugungen und Werten von Liqui Moly zutiefst", heißt es in einer Erklärung. 2017 sei die Entscheidung zum Engagement bei der Eishockey-WM gefallen. Seidem habe ich die Würth-Tochter habe ich das Unternehmen auf das Turnier gefreut. Zu den offiziellen Sponsoren des Verbandes gehören zudem auch Nike, Pirelli, Patron und Tissot.

Damit relativiert sich die Befürchtung von IIHF-Präsident René Fasel eines erheblichen finanziellen Schadens, sollte der Vertrag mit Belarus nicht eingehalten werden. Fasel war zuletzt selbst heftig in die Kritik geraten wegen einer öffentlichen Umarmung von Machthaber Alexander Lukaschenko Anfang des Jahres. Dafür hatte sich Fasel entschuldigt.


IIHF-Vizepräsident Kalervo Kummola sagte der russischen Staatsagentur Tass, dass ihn die Haltung der Sponsoren nicht überrasche. Auch andere dächten so. Das Exekutivkomitee der IIHF will kommende Woche, am 25. und 26. Januar, erneut über die WM beraten. "Wir haben seit vergangenem Herbst einen Plan B", sagte Fasel und brachte eine WM nur in Lettland, in der Slowakei oder in Dänemark ins Spiel.

Die Regierung des EU-Mitglieds Lettland hatte bereits im vergangenen Jahr Druck auf die IIHF und den eigenen Verband gemacht, nicht mit Belarus zusammenzuarbeiten. Zuletzt hatten sich zahlreiche internationale Politiker, darunter auch Bundesaußenminister Heiko Maas dem angeschlossen. Die EU erkennt Lukaschenko seit der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Dutzende Staaten haben Sanktionen gegen Funktionäre des Machtapparats erlassen. Proteste gegen Lukaschenko lässt der Machthaber brutal niederprügeln. Seit August gab es mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Zudem steht Belarus wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in der Kritik. dpa/mir

Update: Der Eishockey-Weltverband IIHF hat laut dpa Belarus die Weltmeisterschaft in diesem Jahr entzogen. Das entschied das IIHF-Exekutiv-Komitee nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen am Montag bei einer Videokonferenz.

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