Dreimal Sexismus und ein Ethikverstoß

Deutscher Werberat spricht vier öffentliche Rügen aus

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Dieses Motiv aus Baden-Württemberg verstößt laut Werberat gegen ethische Grundsätze
© Deutscher Werberat
Dieses Motiv aus Baden-Württemberg verstößt laut Werberat gegen ethische Grundsätze
Der Deutsche Werberat stellt vier Werbungtreibende öffentlich in den Senkel. Dreimal lag Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen vor, in einem Fall ein Verstoß gegen die Grundregeln zur kommerziellen Kommunikation. Die gerügten Unternehmen sind - wie meistens - kleine und mittelständische Betriebe.
Die erste Rüge trifft die ruck Wash A61 GmbH aus Ransbach-Baumbach im Westerwald. Das Unternehmen wird vom Werberat für eine Fahrzeugwerbung gemaßregelt, die Frauen in Bikini und High Heels beim Waschen eines Fahrzeugs zeigt. Das Urteil des Werberats: Reiner werblicher Blickfang. Die Frauen würden auf ihre sexuellen Reize reduziert und damit herabgewürdigt.
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Rüge Nummer zwei geht nach Ilmenau in Thüringen. Die dort ansässige Firma MF Autoteile hatte ein Plakat geschaltet, auf dem ohne jeglichen Produktbezug ein weiblicher Hintern zu sehen ist. "
Aus Sicht des Deutschen Werberats wird hierdurch sexuelle Anziehung als ausschließlicher Wert von Frauen propagiert", so das Gremium.
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Das werbungtreibende Unternehmen machte nach der Konfrontation durch den Werberat einen Verbesserungsvorschlag, der aber nicht die Zustimmung der Werbehüter fand. Vorgeschlagen wurde, einen markanten gelben "Zensiert"-Schriftzug über dem Gesäß der Frau einzufügen. Dieser würde den Blick des Betrachters aber noch stärker auf das Gesäß der Frau lenken, begründete der Werberat seine Ablehnung.

Die dritte Rüge erhält die Bike Ranch Wismar. Deren Fahrzeugwerbung stelle die abgebildete Frau nicht als Motorradfahrerin, sondern in erster Linie als ein bloßes Objekt dar. Das Unternehmen argumentierte, die Frau würde das Motorrad auf dem Bild halten - dieser Eindruck entstehe aber nicht, tatsächlich sei de Frau vielmehr ein Blickfang, sie Begründung des Werberates.
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Im vierten Fall liegt weder Diskriminierung noch Herabwürdigung vor. Stattdessen sei die Werbung des Tattoostudios House of Pain in Kornwestheim bei Stuttgart unvereinbar mit vorherrschenden ethischen Grundsätzen, so der Werberat. Das Motiv zeigt ein über und über mit Tätowierungen überzogenes Baby.
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"Obwohl die Abbildung erkennbar fiktional und die Tätowierung von Babys und Kleinkindern rechtswidrig ist, erzeuge die Werbemaßnahme nach Ansicht des Werberats trotzdem den Eindruck, dass durch Tattoos verursachte Körperverletzungen an Kleinkindern akzeptabel seien", heißt es in der Begründung für die Rüge. Außerdem diene das Baby als reine Werbefläche für das Angebot des Unternehmens und werde damit entgegen den gesellschaftlichen Grundüberzeugungen zu einem Objekt degradiert. ire
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