Don´t do it

Nike setzt ein berührendes Zeichen gegen Rassismus in den USA

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Für seinen Kampf gegen Rassismus verändert Nike sogar seinen Claim
© Nike
Für seinen Kampf gegen Rassismus verändert Nike sogar seinen Claim
Marken brauchen nicht immer den lauten Trommelwirbel, um mit ihren Botschaften durchzudringen. Bisweilen ist es viel effektiver, die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Ein Paradebeispiel dafür liefert gerade (mal wieder) Nike ab. Der neue Werbefilm des Sportartikelherstellers ist zwar an Schlichtheit kaum zu überbieten. Doch die Botschaft, mit der sich Nike anlässlich der durch den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ausgelösten Unruhen an die US-Amerikaner wendet, dürfte ihre Wirkung nicht verfehlen.
Auslöser der Unruhen in Minneapolis war der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz am Montag. Während US-Präsident Donald Trump noch Öl ins Feuer gießt und den Demonstranten via Twitter sogar mit dem Einsatz des Militärs droht, appelliert Nike an die Vernunft. 


"Dont´t do it", lautet der Appell, mit dem sich Nike an die US-Amerikaner wendet. Der emotionale, von der Agentur Wieden + Kennedy in Portland kreierte Werbefilm, für den Nike seinen legendären Markenclaim "Just do it" verfremdet, ist ein starker Appell an Vernunft und Menschlichkeit. "Ausnahmsweise. Tu es nicht! Tu nicht so, als gäbe es in Amerika kein Problem. Sieh nicht weg bei Rassismus. Akzeptiere nicht, dass uns unschuldige Leben genommen werden. Finde keine Ausreden mehr. Glaube nicht, dass es dich nicht betrifft. Lehne dich nicht zurück und sei still. Denke nicht, du kannst nicht Teil der Veränderung sein. Lasst uns alle Teil der Veränderung sein", teilt Nike den US-Amerikanern in weißen Lettern auf schwarzem Hintergrund mit. 

Nike gilt als eine der Marken, die sich besonders stark gegen Rassismus einsetzen und die zu dieser Haltung stehen - ohne Rücksicht auf eigene wirtschaftliche Verluste. So brach die Nike-Aktie im Herbst 2018 kurzzeitig ein, nachdem Nike den beim US-Präsidenten Donald Trump in Ungnade gefallenen Football-Quarterback Colin Kaepernick zum Testimonial einer Kampagne gegen Rassismus machte. Kaepernick hatte zuvor die US-Liga NFL in Aufruhr versetzt, weil er beim Abspielen der Hymne auf die Knie ging, um so gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Farbige zu protestieren. Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, profitierte Nike allerdings von der Zusammenarbeit. Die Kampagne wurde nicht nur bei zahlreichen Awardshows prämiert, auch die Aktie erholte sich schnell und stieg bereits kurze Zeit später auf ein Rekordhoch


Dass Nike in seinem neuen Werbefilm die richtigen Worte findet, das zeigen erste Reaktionen. Bemerkenswerterweise hat sogar Wettbewerber Adidas den Nike-Spot auf Twitter geteilt. "Wir gehen gemeinsam voran. Gemeinsam werden wir den Wandel vorantreiben", steht unter dem Tweet, mit dem Adidas den Schulterschluss mit Nike übt und dessen Appell unterstützt.  

Auf den brutalen Polizeieinsatz, der in einem Video dokumentiert ist, und den Tod Floyds haben inzwischen auch zahlreiche Stars reagiert. So wendet sich Sängerin Taylor Swift per Twitter direkt an Trump. "Nachdem du während deiner gesamten Präsidentschaft die Feuer der weißen Vorherrschaft und des Rassismus angefacht hast, hast du jetzt die Nerven dazu, moralische Überlegenheit vorzutäuschen und dann mit Gewalt zu drohen?", so  Swift. "Wir werden dich im November aus dem Amt wählen."

Auch Cardi B verteidigt die Demonstranten in einem Video. "So sehr ich diese Art von Gewalt nicht mag - es ist, was es ist", sagt die Sängerin. "Zu viele friedliche Demonstrationen, zu viele Hashtags, die zu Trends werden, und keine Lösungen. Die Menschen haben keine andere Wahl."

Auch Justin Bieber hat sich zu Wort gemeldet: "Keine Leben sind von Bedeutung, bis schwarze Leben von Bedeutung sind", schreibt er auf Instagram. Beyoncé würdigt Floyd mit einem Foto auf ihrer Webseite und dem Satz "Rest in Power". Und Kylie Jenner, TV-Star und Schwester von Kim Kardashian, schreibt auf Instagram: "Niemand sollte in Angst leben und niemand verdient einen Tod wie den von George Floyd und zu vielen anderen." mas
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