DNA Discount

So genial greift Aeromexico den Streit um Trumps Mauer auf

Diese Amerikanerin hat angeblich mexikanische Vorfahren - deswegen bekommt sie Rabatt bei Aeromexico
© Aeromexico
Diese Amerikanerin hat angeblich mexikanische Vorfahren - deswegen bekommt sie Rabatt bei Aeromexico
Für viele Twitter-Nutzer ist es "die beste Airline-Werbung aller Zeiten": Die mexikanische Fluglinie Aeromexico hat sich mit einem grandiosen Gag in die Spannungen zwischen Donald Trumps Regierung und dem Nachbarland im Süden eingeschaltet. Das Video erfährt derzeit große Verbreitung im Netz - auch wenn einige offene Fragen bleiben.
Eines von Donald Trumps Wahlversprechen lautete: Wenn er zum Präsidenten der USA gewählt wird, baut er an der Grenze zu Mexico eine Mauer, um die illegale Migration aus dem südlichen Nachbarland zu stoppen. An diesem Vorhaben hält Trump nach wie vor fest - er scheitert allerdings bislang am Widerstand der Opposition. Aufgrund des Mauerstreits herrscht aktuell sogar Haushaltssperre ("Shutdown") in den USA.


Mitten in der aufgeheizten Debatte hat Aeromexico, die größte Airline des mittelamerikanischen Landes, eine starke Werbebotschaft platziert: Den so genannten DNA-Rabatt. US-Bürger, die mexikanische DNA nachweisen können, bekommen einen Preisnachlass in der Höhe des mexikanischen Anteils. 15 Prozent mexikanisch zu sein bedeuten 15 Prozent Rabatt. Denn Mexikaner reisen zwar gerne in die USA - der umgekehrte Weg ist weniger beliebt.

Mit dieser Botschaft im Gepäck reiste Aeromexiko nach Wharton in Texas, das etwa 300 Meilen von der mexikanischen Grenze entfernt liegt - mitten in Trump-Land also. Die befragten Bewohner dort mögen zwar Tequila und Burritos, wie das Video der Aktion zeigt. Von Mexiko, wo diese Dinge herstammen, haben sie allerdings nicht die beste Meinung. Das ändert sich, als ihnen ein Flug nach Mexiko zu einem vergünstigten Tarif angeboten wird - denn viele der Befragten tragen angeblich mexikanische DNA in sich.
Wie genau die Macher Kampagne - neben Aeromexico ist das die Agentur Ogilvy - den vermeintlichen DNA-Anteil errechnet haben, ob es sich wirklich um ahnungslose US-Bürger handelt und ob alle die versprochene Reise angetreten haben, ist unklar. Sicher ist aber: Die Botschaft verfängt. Das belegen die zahlreichen Beiträge von US-Medien. Wer nach "Aeromexico DNA Discount" googelt, bekommt Berichte von Medien wie der HuffPost, Time, USA Today und der New York Post angezeigt - alle gingen innerhalb der letzten zehn Stunden online (Stand: 18. Januar, 09 Uhr MEZ).


Auch auf Twitter und Facebook wird das Video der Aktion fleißig verbreitet. In den vergangenen Stunden teilen zahlreiche verifizierte Accounts die Kampagne, darunter der Publizist Ian Bremmer, der auf beiden Plattformen über 410.000 bzw. 206.000 Follower verfügt. "Aeromexico gewinnt den Troll des Monats Award", so Bremmer über die Aktion.
Was zumindest stutzig macht: Das Video erschien erstmals im Mai 2018 auf Youtube. Gepostet wurde es von der Produktionsfirma DHO Studios, die an der Produktion der Kampagne beteiligt war. Dadurch wurde allerdings offenbar kaum jemand auf die Kampagne aufmerksam. Für größere Aufmerksamkeit sorgten dann offensichtlich die Posts von Ogilvy: Die WPP-Agentur verbreitete das Kampagnenvideo am 9. Januar auf ihren Social-Media-Kanälen.
So ist der genaue Kampagnenstart unklar. Aeromexico selbst hält sich bedeckt - auf den Social-Kanälen der Airline finden sich jedenfalls keine entsprechenden Beiträge. Dabei hätte die Airline durchaus mehr Grund für Selbstbewusstsein: Bereits 2016 griff as Unternehmen die Debatte um die von Trump geplante Mauer auf. Die Kampagne mit dem Titel "Fronteras" (Grenzen) zeigt die trennende Kraft von Grenzen auf - sowohl baulichen als auch sozialen und kulturellen. Im Himmel aber, so die Botschaft, seien Grenzen aufgehoben. Für die Kampagne erhielten Aeromexico und Ogilvy 2017 in Cannes einen goldenen Löwen in der Kategorie Outdoor und einen silbernen in Print. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster wenn man vermutet, das auch "DNA Discount" an der Croisette erfolgreich sein wird. ire
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