Diversity-Aktivistin Tijen Onaran

"Bei Diversität geht es immer um Machtabgabe"

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Macht sich für das Empowerment von Frauen stark: Bestseller-Autorin Tijen Onaran
© Tijen Onaran
Macht sich für das Empowerment von Frauen stark: Bestseller-Autorin Tijen Onaran
Tijen Onaran kämpft mit viel Leidenschaft für Gleichstellung - jetzt auch mit dem Dokumentarfilm "Yes she can", der im Mai auf Amazon Prime Premiere feierte. Im Interview spricht sie über den Schmerz, den Diversität erzeugt, und warum Bashing alter weißer Männer nichts bringt.

Diversity als Geschäftsmodell. Bisher kennt man Tijen Onaran vor allem als Gründerin, Speakerin, Buchautorin und Podcasterin. Jetzt hat die CEO von Global Digital Women (GDW) mit "Yes she can – Frauen verändern die Welt" einen Dokumentarfilm für Amazon Prime gemacht. Aber die Kommunikationsbranche verfolgt sie aufmerksam – die Debatte um die ADC-Jury etwa, die unter dem Hashtag #Schniedeljury in Social Media geführt wurde, hätte ihrer Meinung nach gut verhindert werden können.


Idee und Konzept von "Yes she can" stammen von Ihnen. Haben Sie den Film auch finanziert?
Nein. Finanziert wird der Film von Amazon. Wir haben, wie das so üblich ist, mit dem Thema gepitcht und Amazon hat gesagt: Machen wir. "Yes she can" ist die erste deutschsprachige Diversity-Dokumentation auf einer Streaming-Plattform. Darauf bin ich wirklich stolz.

Die Finanzierung erklärt vermutlich auch, warum unter den 17 in der Doku interviewten Personen gleich zwei von Amazon sind. Mit Florian Böhme, Direktor Amazon Business Deutschland, zudem der einzige Mann. Ein Zugeständnis, das Sie an den Finanzier und Streaming-Partner machen mussten?
Nein. Florian Böhme unterstützt auch ganz persönlich die Women-Initiative bei Amazon und übernimmt im Film die Rolle des "He for she" oder auch "Male Allie", wie man so schön sagt.

Amazon hat also nicht auf den beiden hauseigenen Protagonisten bestanden?
Nein, und ehrlich gesagt hat es Amazon nicht wirklich nötig, sich bei diesem Thema noch aktiver zu platzieren. Entscheidend ist, dass das Engagement glaubwürdig ist. Gerade in diesen Tagen wird das immer wichtiger, weil sich mittlerweile unglaublich viele Unternehmen mit diesem Thema positionieren. Ich achte deshalb sehr darauf, dass auch drin ist, was draufsteht.

Die Protagonistinnen im Film kommen vor allem aus Politik, Kultur und Start-ups. Vorständinnen großer Konzerne aber, die auch sehr gute Role Models für "Yes she can" wären, fehlen. Warum?
Das ist eine sehr bewusste Entscheidung. Die vielen tollen Konzernfrauen, mit denen ich ja auch sehr gut vernetzt bin, haben schon qua ihrer Funktion eine große Plattform und Sichtbarkeit. Uns war es wichtig, in dem Film vor allem jene Frauen zu Wort kommen zu lassen, die qua ihres Impacts für die Sache eine noch viel größere Sichtbarkeit und Bühne verdient haben. Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass vor allem junge Frauen andere und neue Role Models suchen. Mit einer Sheryl Sandberg etwa, Co-Chefin von Facebook, können sich mittlerweile nur noch die allerwenigsten persönlich identifizieren. Mein Anspruch war es, Frauen aus der Lebensrealität zu zeigen.
Tijen Onaran und "Yes she can"
2018 gründete Tijen Onaran Global Digital Women (GDW), das digitalaffine Frauen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien vernetzt. Mit dem Digital Female Leader Award zeichnet GDW jährlich Frauen aus, die die Digitalisierung und Innovation vorantreiben. Gerade ist Onaran dabei, einen Risikokapitalfonds speziell für Gründerinnen aufzulegen. Seit 1. Mai läuft auf Amazon Prime ihr Dokumentarfilm „Yes she can – Frauen verändern die Welt“ (Produktion: Spreadfilms), in dem unter anderem Wiebke Ankersen (Geschäftsführerin Allbright Stiftung), Judith Gerlach (Bayerische Staatsministerin für Digitales), Susan Arndt (Kulturwissenschaftlerin und Erfolgsautorin) sowie zahlreiche Gründerinnen und Geschäftsführerinnen berichten, wie Gender Equality in die Praxis gebracht werden kann.
Zum Filmstart zitiert Sie die Pressemitteilung mit zwei Sätzen: Ziel des Films sei es, die "Diversity-Debatte in die Gesellschaft zu bringen" und "Deutschland hat kein Erkenntnis-Problem mehr, es mangelt an der Umsetzung". Wie passt das zusammen – oder anders gefragt: Was hilft ein Debatten-Anstoß bei einem Umsetzungsproblem?
Das kommt auf die Zielgruppe an. Bei einer Streaming-Plattform wie Amazon ist die Zielgruppe extrem divers.

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