Channel

Blieb unter den Erwartungen: Der Black Friday
IMAGO / Jan Huebner
Deutliches Umsatzminus

So mies lief der Black Friday in Deutschland

Blieb unter den Erwartungen: Der Black Friday
Er sollte einer der wichtigsten Umsatztreiber im Weihnachtsgeschäft werden. Doch der Black Friday ist in diesem Jahr unter den Erwartungen geblieben - und zwar deutlich. Neben den Anti-Black-Friday-Kampagnen, mit denen nachhaltige Marken wie Ecoalf gegen den blinden Konsumrausch warben, und dem wegen Inflation und Corona-Krise allgemein sinkenden Konsumklima ist offenbar ein neuer Konsumtrend mit dafür verantwortlich, dass die deutschen Händler in diesem Jahr am Black Friday deutlich weniger umgesetzt haben als im letzten Jahr.
von Marco Saal Dienstag, 30. November 2021
Alle Artikel
X
Die Erwartungen an den Black Friday waren groß: So rechnete der Handelsverband Deutschland (HDE) noch kürzlich mit einem Ansturm der Konsumenten - und begründete dies unter anderem damit, dass 96 Prozent der Online-Shopper den Black Friday kennen und immer mehr Verbraucher gezielt nach Aktionspreisen suchen. Der HDE-Prognose zufolge sollte der hierzulande an Black Friday und Cyber Monday generierte Online-Umsatz von 3,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,9 Milliarden Euro steigen - ein sattes Plus von knapp 29 Prozent.

Doch daraus ist wohl nichts geworden - zumindest der Black Friday hat nichts zu dem erwarteten Plus beigetragen. Zwar sind laut einer Auswertung des Admitad Affiliate Networks am Black Friday die Zahl der Online-Bestellungen (plus 17 Prozent) und die Bestellmenge (plus 21 Prozent) im Vergleich zum Vortag spürbar gestiegen. Auch der durchschnittliche Bestellwert (AOV) sei um 4 Prozent auf etwa 48 US-Dollar gestiegen, heißt es.

Meist gelesen auf Horizont+
Doch aktuelle Zahlen von Criteo zeigen, dass der Black Friday unter dem Strich enttäuschend verlief. Laut dem Technologiekonzern, der im November 2020 und November 2021 die Verkäufe von über 10.000 Händlern weltweit, darunter circa 1.500 in Deutschland, ausgewertet hat, haben die hiesigen Verbraucher online zwar 155 Prozent mehr Einkäufe als im Durchschnitt der ersten Novemberwoche getätigt. Doch im Jahresvergleich sei der Umsatz um satte 19 Prozent zurückgegangen, weshalb bei dem Technologieunternehmen auch vom "Ende der Rekordjagd" die Rede ist.

Deutschland ist keine Ausnahme. Laut Criteo gingen die Online-Umsätze in Großbritannien um 18 Prozent und in Frankreich um 8 Prozent zurück. Und laut Adobe Analytics sind sogar im Black-Friday-Heimatmarkt, den USA, die Online-Umsätze um 3 Prozent auf 8,9 Milliarden US-Dollar gesunken. 

Begründet wird die enttäuschende Black-Friday-Bilanz mit einem neuen Konsumtrend. So hat sich der Zeitraum für Sonderangebote laut Admitad Affiliate Network von einigen Tagen auf einige Wochen verlängert, sodass Konsumenten zunehmend den ganzen November für ihre Schnäppchen-Jagd nutzen - zu Lasten des Black Friday. Dasselbe beobachtet man bei Criteo. "Konsumenten nutzen immer früher Rabattaktionen einzelner Händler und warten nicht mehr notwendigerweise auf den Black Friday, wenn sie ihr Wunschprodukt zu einem guten Preis gefunden haben", sagt Corinna Hohenleitner, Managing Director DACH bei Criteo. Angesichts der starken Verkaufszahlen schon früher im Monat, etwa am Singles Day, werde es interessant sein zu sehen, wie Händler im kommenden Jahr ihre Peak Shopping Season gestalten. "Erste Aktionen schon im Oktober 2022 würden mich nicht überraschen", so Hohenleitner weiter. mas
    stats