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Der Bundesliga-Fußball darf grundsätzlich wieder rollen
Gerhard Gellinger/Pixabay
Der Ball darf wieder rollen

Politik gibt grünes Licht für Bundesliga-Fortsetzung

Der Bundesliga-Fußball darf grundsätzlich wieder rollen
Jetzt ist es offiziell: Nach dem stationären Handel, Kultureinrichtungen und Spielplätzen wird nun auch für den Sport ein Öffnungskonzept vorgelegt. Das bedeutet, dass auch die Bundesliga wieder spielen darf, laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ab Mitte Mai. Wann genau, soll die Liga selbst entscheiden dürfen.
von Ingo Rentz Mittwoch, 06. Mai 2020
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Die Minister der Länder haben das von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgelegte Sicherheitskonzept als ausreichend erachtet, um den Spielbetrieb wieder anlaufen zu lassen. Über den Startzeitpunkt soll die Deutsche Fußball-Liga entscheiden. Die DFL hat für den morgigen Donnerstag eine Mitglieder-Konferenz einberufen, auf der über die Beschlüsse der Politik beraten wird.


Die Frage, ob die Saison womöglich abgebrochen werden muss, steht damit vorerst nicht mehr im Raum. Die Clubs können also aufatmen, da nun vor allem die dringend benötigten Fernsehgelder fließen können. Durch Ausfälle bei den Spieltags-, Werbe- und TV-Einnahmen hätte den Vereinen laut KPMG ein Schaden von 750 Millionen Euro entstehen können, wobei die Einnahmen durch TV-Übertragungen mit 400 Millionen Euro den größten Teil ausgemacht hätten.
Die Grafik zeigt den möglichen maximalen Verlust der Fußball-Bundesliga aufgrund der Corona-Pandemie
© Statista
Die Grafik zeigt den möglichen maximalen Verlust der Fußball-Bundesliga aufgrund der Corona-Pandemie
Den Clubs ist besonders wichtig, dass die Saison vor dem 30. Juni zuende gespielt werden kann. Denn sonst müssen sie mit Sponsoren oder anderen Vertragspartnern womöglich über Kostenerlasse oder Rückzahlungen verhandeln. Dafür wäre ein Start der Bundesliga Mitte Mai nötig. "Mein großer Wunsch wäre der 16. Mai, der würde uns wirklich in die Lage versetzen, die Saison vor dem 30. Juni ordentlich zu beenden, denn das müssen wir, weil wir ansonsten mit Regressverpflichtungen leben müssen, weil wir sonst Verhandlungen führen müssen", sagte Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, im RTL-Frühmagazin

Entscheidend für die reibungslose Fortsetzung der Bundesliga wird die Entwicklung des Infektionsgeschehens in Deutschland sein. Wann hier ein kritischer Punkt erreicht ist, haben die Bundesregierung und die Länderchefs definiert: Bei mehr als 50 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern in einzelnen Landkreisen oder kreisfreien Städten.


Die DFL hat in ihrem Sicherheitskonzept bereits darauf hingewiesen, dass es nicht das Ziel sein könne, "hundertprozentige Sicherheit für alle Beteiligten zu garantieren". Denn das, so die Liga-Verantwortlichen, "dürfte sich als unmöglich erweisen".

Ziel des Konzepts ist nach Angaben der DFL vielmehr, "auf Basis detaillierter Abstands- und Hygiene-Maßnahmen und permanenten Monitorings maximale Vorsorge zu gewährleisten". Die Strategie sieht neben einer stark eingeschränkten Personenanzahl vor Ort unter anderem die engmaschige und wiederholte Testung des Bundesliga-Personals vor. Seit der vergangenen Woche waren laut DFL 1.724 Corona-Tests bei den 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga erfolgt, wobei es zehn positive Befunde gegeben hatte. Bislang ging man bei der DFL nicht davon aus, dass Kontaktpersonen von positiv Getesteten in Quarantäne müssen. Insbesondere nach den positiven Corona-Befunden beim 1. FC Köln hatte dies für Irritationen gesorgt. Zudem hatte das Skandal-Video des inzwischen suspendierten Stürmers Salomon Kalou von Hertha BSC Berlin hatte die Frage nach der Verantwortung des Profifußballs aufgeworfen.

Das Bundesinnenministerium hatte zuvor die 14-tägige Quarantäne für Personen, die in unmittelbarem Kontakt mit einer positiv getesteten Person gewesen sind, als "politische Grundbedingung" eingestuft. Dies sei ein Prinzip, das derzeit für die gesamte Bevölkerung gelte, "und es gibt eben keinen Grund, warum das bei Fußballprofis anders sein sollte", hatte Seehofers Sprecher Steve Alter auf einer Pressekonferenz am Montag betont. An diesem Punkt könnten sich womöglich also noch weitere Diskussionen entzünden.

In der Beschlussvorlage des Bundes hieß es am Mittwochmorgen: "Dem Beginn des Spielbetriebs muss, wie in dem geprüften Konzept vorgesehen, eine Quarantänemaßnahme, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers, vorweggehen." Die Profifußballer sind bei ihren Clubs weitgehend streng isoliert, aber noch nicht komplett in Quarantäne. 

Training im Freien ist wieder erlaubt

Auch für den Breitensport ist der Beschluss von Bund und Ländern eine gute Nachricht. So ist zumindest Training im Freien künftig wieder erlaubt – wenn auch mit den Corona-spezifischen Abstands- und Hygieneregeln. Die knapp 90.000 Sportvereine in Deutschland haben nun zumindest eine Perspektive, wie das Vereinsleben weitergehen kann.

Der Wegfall von Ticket-, Sponsoring- oder Catering-Einnahmen stellt zahlreiche Vereine allerdings weiterhin vor schwere Probleme. Laut Nachrichtenagentur dpa drohen den Landessportbünden – je nach Größe und Kalkulation – durch die Corona-Krise finanzielle Schäden in Millionenhöhe. Hessen etwa geht demnach schon jetzt von "einem hohen zweistelligen Millionenbetrag" aus. Der Württembergische Landessportbund stuft die finanziellen Ausfälle allein für den Zeitraum seit Mitte März als "Besorgnis erregend" ein.

"Das bewegt 27 Millionen Mitglieder und 90.000 Vereine nicht nur körperlich, sondern auch emotional: Nach Wochen der verordneten Bewegungslosigkeit beginnt nun die schrittweise Rückkehr zur 'neuen Normalität'", kommentierte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Die bundesweite Wiedereröffnung des Vereinssports unter klaren Regeln ist ein ermutigendes und enorm wertvolles Signal der Politik an Sportdeutschland." Hörmann appellierte an die Vereine, "die sportspezifischen Regeln vorbildlich zu beachten, damit wir alle gemeinsam nun Schritt für Schritt in Richtung Normalität zurückkehren können."
#SupportYourSport DOSB Becker
© DOSB/Picture Alliance
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Becker, Witt, Hambüchen und Co rufen zur Unterstützung für Sportvereine auf

Da die Sportwelt während der Corona-Krise weitestgehend lahmgelegt ist, geraten viele Sportvereine in Deutschland in wirtschaftliche Nöte – auch wenn Bund und Länder auch in diesem Bereich weitere Lockerungen zulassen wollen. Der Deutsche Olympische Sportbund startet mit #SupportYourSport deswegen nun eine Aktion zur finanziellen Unterstützung seiner knapp 90.000 Mitgliedsvereine.

Von Entwarnung kann derweil noch keine Rede sein. Vor allem in Kontaktsportarten wie Fußball, Basketball oder Handball dürfte die Rückkehr zur Normalität noch lange dauern – mit entsprechenden wirtschaftlichen Konsequenzen. Neben Wegfall von Ticketeinnahmen und Sponsoringerlösen könnte auch ein Einbruch bei der Mitgliedsbeiträgen drohen. Denn Kontaktsperren und Abstandsregelungen könnten zu Vereinsaustritten führen. ire/dpa
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