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Händler und Creator sollen sich künftig ganz einfach via Klarna finden und für Werbekooperationen zusammentun können
Klarna
Wandel zum E-Commerce-Riesen

Klarna startet Creator-Plattform

Händler und Creator sollen sich künftig ganz einfach via Klarna finden und für Werbekooperationen zusammentun können
Der Bezahldienst Klarna hat große Ambitionen. Statt wie bisher hauptsächlich als Dienstleister für Transaktionen im Online-Shopping aufzutreten, will das Unternehmen künftig zur E-Commerce-Plattform werden - und gleichzeitig auch verstärkt in stationären Geschäften zum Einsatz kommen. Nachdem Klarna Anfang November bereits eine neue Funktion zum Bezahlen via App im Einzelhandel eingeführt hatte, folgt nun eine eigene Creator-Plattform, die Marken und Influencer gezielt zusammenbringen soll.
von Helena Birkner Dienstag, 29. November 2022
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In Deutschland und 44 weiteren Ländern geht jetzt die neue Creator-Plattform von Klarna an den Start, die es Händlern erleichtern soll, die passenden Influencer für ihre Werbeaktivitäten zu finden. Darüber hinaus kann die Performance einzelner Creator und Kampagnen in Echtzeit auf der Plattform verfolgt werden, so das Versprechen. Dadurch sollen die Zielgruppenansprache optimiert und die aus Influencer-Partnerschaften generierten Einnahmen gesteigert werden. Creator wiederum können ihren Followern relevantere Produktempfehlungen ausspielen und ihre Provisionen werden laut Klarna auf der Plattform automatisch monatlich abgerechnet und ausgezahlt.


Für Klarna selbst bedeutet die Neuerung den Vorstoß in die 16 Milliarden Dollar schwere Creator Economy sowie die Schaffung eines wichtigen weiteren Vertriebskanals für seine rund 450.000 Handelspartner. Auch das Affiliate-Marketing-Geschäft des Bezahldienstes soll dadurch weiter gepusht werden. Die Creator-Plattform wurde nach der Übernahme von APPRL im Jahr 2021 vor einigen Wochen zunächst in den USA eingeführt und ist nun in allen 45 Märkten von Klarna verfügbar.

Schon seit einigen Monaten macht der schwedische Bezahldienst in verschiedenen Zusammenhängen von sich reden. Im Mai entließ Klarna 700 Angestellte und begründete dies mit den Auswirkungen der Inflation und des Ukraine-Kriegs auf die allgemeine Konsumlaune. Anfang November brachte Klarna eine Option zum Bezahlen via App im stationären Handel in Deutschland an den Start, die sich bisher allerdings auf ausgewählte Partner-Läden beschränkt.

Ein "Im-Shop-Tab" in der Unternehmens-App zeigt den Usern an, bei welchen Händlern sie mit dieser bereits bezahlen können. Das Besondere an der Funktion ist, dass sich wie auch bei der Online-Nutzung von Klarna individuell entscheiden lässt, ob man im Geschäft sofort, innerhalb von 30 Tagen oder in monatlichen Raten bezahlen will. Demnächst soll der "Im-Shop-Tab" um eine interaktive Karte erweitert werden, auf der User teilnehmende Händler in ihrer Nähe finden können und ein Barcode-Scanner eingeführt werden, mit dem Nutzerinnen und Nutzer Artikel in ihrer Klarna-Kollektion speichern können.
© Klarna
Da sich Klarna in letzter Zeit auch verstärkter medialer Kritik zu seiner "Buy now, pay later"-Option ausgesetzt sah, weil diese nach Meinung vieler Beobachter das Anhäufen von Schulden fördere, fokussiert sich das Unternehmen nun offenbar noch klarer als bisher auf seinen Imagewechsel. Und das scheint auch angebracht, denn bei TikTok gibt es sogar schon den Hashtag #klarnaschulden, den gerade junge Menschen oft nutzen, um mit der Höhe ihrer Schulden quasi zu prahlen und das Ganze zu verharmlosen.

Um das Thema Shopping in Social Media in anderer Hinsicht wieder positiver zu besetzen - zumindest aus Marketing-Sicht - könnte die neue Creator-Plattform für Klarna durchaus hilfreich sein. Denn Creator sind für zunehmend viele Verbraucherinnen und Verbraucher zur Haupt-Inspirationsquelle für das Entdecken neuer Marken und Produkte geworden. Laut einer Studie, auf die sich das Unternehmen beruft, kaufen 36 Prozent der Deutschen, die über soziale Medien shoppen, bereits direkt über die Seiten von Influencern. Bei der Generation Z ist dieser Anteil mit 45 Prozent sogar noch höher.

Creator stehen allerdings grundsätzlich vor der Herausforderung, nicht nur stetig möglichst einzigartigen Content zu produzieren, sondern gleichzeitig auch noch ihre Werbepartnerschaften aufzubauen und zu pflegen. Dagegen ist es für Einzelhändler oftmals nicht leicht, die passenden Influencer überhaupt zu finden und die Wirksamkeit ihrer Influencer-Kampagnen bei ihrer Zielgruppe zu messen. Genau hier soll die neue Creator-Plattform von Klarna Anhilfe schaffen, indem sie jeden Schritt von der initialen Kontaktaufnahme zwischen Brands und Creators bis hin zum Performance-Tracking und der automatischen Provisionsabrechnung an einem Ort bündelt. Unter anderem sollen Traffic, Umsatz und Conversion-Rate jeweils nach Creator, Kanal und Produkt aufgeschlüsselt auf der Plattform abgebildet werden. Der Pool der möglichen Testimonials besteht laut Klarna aus rund 500.000 internationalen Creators. hmb

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