Corona-Pandemie

Vertrauen der Deutschen in Politik und Institutionen steigt auf Rekordwert

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Das Vertrauen der Deutschen in die Regierung steigt in der Krise auf einen Höchstwert
© Lisa Caroselli auf Pixabay
Das Vertrauen der Deutschen in die Regierung steigt in der Krise auf einen Höchstwert
In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint das Vertrauen der Deutschen in die Politik aktuell stark angekratzt - man denke nur an Verschwörungstheoretiker und die zahlreichen Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen. Edelman kommt in dem Frühlings-Update seines Trust Barometers jetzt zu einem anderen Ergebnis: Demnach ist das Vertrauen der Menschen in die Regierung und Institutionen in der Krise auf den höchsten Wert seit 2012 gestiegen.
In der Studie untersucht Edelman regelmäßig, wie groß das Vertrauen der Menschen in die vier Institutionen Regierung, Wirtschaft, Medien und NGOs ist und wie es sich im Laufe der Zeit verändert. Diesmal ging es dabei speziell um das Vertrauen in Zeiten der Corona-Krise. Das Ergebnis: Die deutsche Regierung legt im Vergleich zum Trust Barometer von vor der Krise um satte 19 Prozentpunkte zu, steht erstmals seit Erhebung der Studie bei dem Rekordwert von 64 Prozent - und damit klar an der Spitze des Institutionsrankings. Dahinter folgen Wirtschaft (56 Prozent, +8 Prozentpunkte), Medien (53 Prozent, + 4 Prozentpunkte) und NGOs (50 Prozent, +7 Prozentpunkte). Insgesamt hat Edelman im April 2020 über 13.200 Menschen in elf Märkten zu ihrem Vertrauen in Institutionen befragt.


Die Deutschen vertrauen den Bundes- und Landesregierungen dabei gleichermaßen: Das Vertrauenslevel ist bei der Bundesregierung (67 Prozent) lediglich um einen Prozentpunkt höher als bei den Landesregierungen (66 Prozent). "Wir erleben aktuell eine Vertrauenswende", sagt Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. "Die Regierung hat das Mandat zur Führung zurückgewonnen - ein Trend, der sich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit abzeichnet. Aber es bleibt abzuwarten, inwiefern dies nachhaltig ist. Es gilt, den Vertrauensvorschuss weiterhin einzulösen und den Menschen in der größten Gesundheits- und Finanzkrise unserer Zeit Orientierung zu geben sowie transparent zu agieren."
„Es gilt, den Vertrauensvorschuss weiterhin einzulösen und den Menschen in der größten Gesundheits- und Finanzkrise unserer Zeit Orientierung zu geben sowie transparent zu agieren.“
Christiane Schulz
Des Weiteren zeigen die Ergebnisse des jüngsten Trust Barometers, dass die Regierung in den Augen der Bürger in allen Bereichen der Pandemiebekämpfung eine Führungsrolle übernimmt. Dazu zählen die Gewährleistung von wirtschaftlichen Hilfen (83 Prozent), die Rückkehr zur Normalität (79 Prozent), die Bereitstellung von Informationen für die Öffentlichkeit (74 Prozent), die Eindämmung der Pandemie (70 Prozent) sowie die Unterstützung der Menschen bei der persönlichen Bewältigung der Krise (65 Prozent).

Zugleich ist die Zustimmung der Deutschen zu den Corona-Einschränkungen weiterhin groß (72 Prozent) und liegt im internationalen Durchschnitt (globale Zustimmung: 73 Prozent). Fast drei Viertel der Menschen hierzulande halten die pandemiebedingten Restriktionen im öffentlichen Leben für angemessen und verständlich. Dazu geben 53 Prozent der Deutschen an, der Regierung zur Eindämmung von Covid-19 mehr Daten über den eigenen Aufenthaltsort und Gesundheitszustand zur Verfügung zu stellen (global: 61 Prozent).
Die Studie
Das Frühlings-Update des Edelman Trust Barometer 2020 "Vertrauen und die COVID-19-Pandemie" ist eine Aktualisierung des Edelman Trust Barometer 2020. Die Umfrage wurde von der Marktforschungsfirma Edelman Intelligence zwischen dem 15. und 23. April durchgeführt und umfasste mehr als 13.200 Befragte in den elf Märkten Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Japan, Mexiko, Saudi-Arabien, Südkorea, Großbritannien und die USA. In jedem Markt wurden 1.200 Personen befragt, darunter 100 aus der informierten Öffentlichkeit (Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit einem Hochschulabschluss, einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen innerhalb der Top 25 Prozent sowie mit intensivem Medien- und Informationskonsum)
Ein wichtiger Faktor für das Vertrauen der Deutschen in die Regierung ist auch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Im globalen Vergleich sorgen sich die Deutschen - auch durch Möglichkeiten wie Kurzarbeit - fast am wenigsten um ihren Job", betont Schulz. 36 Prozent der Deutschen machen sich aktuell Gedanken wegen eines möglichen Verlusts ihres Arbeitsplatzes durch Corona. Nur die Franzosen mache sich noch weniger Sorgen (35 Prozent). Der globale Durchschnitt liegt deutlich höher: bei 56 Prozent.


Auch wenn das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft leicht gestiegen ist, so geben die Zahlen bei genauem Blick Anlass zur Beunruhigung: Denn weniger als die Hälfte der Deutschen ist davon überzeugt, dass es Unternehmen gelingt, Mitarbeiter und Kunden vor den Auswirkungen der Pandemie zu schützen (46 Prozent, global: 49 Prozent). Nur 30 Prozent glauben zudem, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter vor den eigenen Profit stellen (global: 36 Prozent).

Zu diesen Ergebnissen passt auch die Meinung, die die Befragten von CEOs großer Unternehmen haben. Die stehen nämlich bei der Frage danach, wer bei der Bekämpfung der Pandemie gute Arbeit leistet, an letzter Stelle. Nicht einmal jeder vierte Deutsche glaubt, dass CEOs den Anforderungen bei der Bekämpfung der Krise gerecht werden (24 Prozent, global: 29 Prozent). Gleichzeitig wünscht sich die Hälfte der Deutschen, dass CEOs die Führung bei der Bekämpfung der Pandemie übernehmen (global: 65 Prozent). "CEOs müssen jetzt Führungsstärke beweisen. Besonders die schrittweise Rückkehr zur Normalität ist dafür ein guter Moment", sagt auch Edelman-Chefin Schulz. "Gleichzeitig darf dies kein Alleingang sein. Sie müssen sich mit Wissenschaftlern und Experten zusammenschließen und eng mit anderen Institutionen wie der Regierung zusammenarbeiten." Schließlich hat Edelman in dem Frühlings-Update des Trust Barometers auch abgefragt, wie die Menschen zur Rückkehr zur (neuen) Normalität in Zeiten der Pandemie stehen. Dazu wünschen sich 30 Prozent der Deutschen, dass Gesundheitsbehörden Entscheidungen für die Rückkehr zum Arbeitsplatz treffen sollten (global: 32 Prozent); 22 Prozent fordern dies von der Bundesregierung (global: 27 Prozent), lokale Behörden folgen abgeschlagen an dritter Stelle (16 Prozent).

Dem aktuellen Trend der Beschränkungs-Demonstrationen in großen Städten zum Trotz fordern zwei Drittel der Deutschen ein vorsichtiges Vorgehen bei den Lockdown-Lockerungen. 66 Prozent meinen, dass die oberste Priorität der Regierung darin liegen sollte, so viele Leben wie möglich zu retten (global: 67 Prozent ). Von CEOs erwartet die Mehrheit der Deutschen in diesem Kontext ebenfalls Verständnis (82 Prozent, global: 75 Prozent). Schulz: "Die Rückkehr zum Alltag und zur Arbeit ist für die Institutionen der Vertrauenstest. Mit einem gemeinsamen Ansatz kann es ihnen gelingen, dass das Vertrauenshoch mehr als nur ein Trend bleibt und sich langfristig stabilisiert." tt
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