Commerzbank

Comdirect verschwindet als Marke - aber nicht so ganz

Die Comdirect hat ihren Sitz in Quickborn / Schleswig-Holstein
© Comdirect
Die Comdirect hat ihren Sitz in Quickborn / Schleswig-Holstein
Vor wenigen Tagen kündigte die Commerzbank an, im Rahmen des Spar- und Strategieprogramms "Commerzbank 5.0" die Online-Tochter Comdirect komplett zu übernehmen. Davon erhofft sich das Frankfurter Bankhaus einen stärkeren Hebel bei der Entwicklung von digitalen und mobilen Angeboten. Außerdem können sich die Business-Modelle beider Banken nicht mehr kannibalisieren. Der Schritt wird auch Auswirkungen auf das Marketing haben.
Im aktuellen Umfeld mache es Sinn, im Vertrieb sowie im Marketing auf eine Marke zu setzen, sagte Vorstandschef Martin Zielke auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. "Wir haben immer gesagt, eine Zweimarkenstrategie ergibt Sinn, solange beide Banken wachsen und der Aufwand überschaubar ist. Dieses getrennte Wachstum hat aber einen abnehmenden Grenznutzen, insbesondere da sich die Geschäftsmodelle weiter annähern", so Zielke.


Komplett verschwinden dürfte die Marke Comdirect gleichwohl nicht: Einer Mitteilung der Commerzbank zufolge erhalten die Kunden künftig Zugang zum Brokerage-Angebot der Comdirect, "das unter der gleichen Produktmarke weitergeführt wird."

Was das für die Marketing-Kommunikation beider Unternehmen bedeutet, ist unklar. Um das zu beurteilen, sei es noch viel zu früh, so ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. Auch wie das Agenturkonstrukt künftig aussieht, wird sich noch zeigen müssen. Bislang wird die Comdirect projektbezogen von unterschiedlichen Agenturen betreut, Leadagentur der Commerzbank ist Thjnk. Im laufenden Jahr hat die Comdirect laut Nielsen rund 2 Millionen Euro brutto für klassische Werbung ausgegeben - etwas über die Hälfte (57,2 Prozent) weniger als im Vorjahr. Das Minus resultiert fast ausschließlich aus der Reduzierung der Spendings für Print. Im TV sowie Out of Home hat die Bank sogar deutlich mehr investiert als im Vorjahreszeitraum. Die Commerzbabk hat in diesem Jahr rund 21,4 Millionen Euro brutto in klassische Werbung investiert. Das entspricht einem Minus von 32,4 Prozent.


Für die Kunden der Comdirect soll das gewohnte Leistungsangebot erhalten bleiben - sie sollen künftig aber auf das Filialnetz der Commerzbank zugreifen können. Dieses soll bekanntlich ausgedünnt werden: Von den insgesamt 1000 Filialen sollen im Zuge des Sparprogramms 200 geschlossen werden. Für Commerzbank-Kunden könnte die Comdirect-Integration höhere Gebühren bedeuten. So wolle man künftig "Leistungen differenzierter bepreisen", heißt es aus Frankfurt. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Die Comdirect erblickte am 13. Oktober 1994 als Commerzbank-Tochter in Quickborn (Schleswig-Holstein) das Licht der Welt. Bereits im Jahr 2005 hatte die Commerzbank ihren Anteil an dem Unternehmen auf über 80 Prozent ausgebaut. Mit mehr als 2,6 Millionen B2C-Kunden ist die Comdirect eine der größten Direktbanken Deutschlands. Durch eigene Innovationen oder die schnelle Adaption von Trends - so wurden Google Pay und Apple Pay seit Beginn unterstützt - will die Bank auf die Bedürfnisse digital denkender Kunden eingehen.

Neben klassischem Direktbanking gehört zur DNA der Comdirect auch der Online-Wertpapierhandel an. Auch hierbei will sich das Unternehmen als Innovationstreiber positinionieren. So können Kunden mit der Comdirect-App seit diesem Jahr Wertpapiere per Chatfunktion ordern. ire
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