Bleibt alles anders

Wie sich unser Medien- und Konsumverhalten durch Corona ändert

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Wenn es um den Sommerurlaub geht, suchen viele Deutsche nach inländischen Alternativen
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Wenn es um den Sommerurlaub geht, suchen viele Deutsche nach inländischen Alternativen
Untersuchte Havas Media in seinem Corona Monitor während des Lockdowns von März bis Mai noch in wöchentlichen Befragungen das Verbraucherverhalten sowie die allgemeine Stimmung im Land, folgt nun nach einer längeren Pause wieder ein Update. Die inzwischen neunte "Sommerwelle" des Corona Monitors zeigt unter anderem, dass die Mediennutzung auch in Zukunft eine andere bleiben wird, ebenso wie das Konsumverhalten und der Arbeitsalltag.
Nachdem in den ersten vier Wochen des Corona-Lockdowns die Mediennutzung stark anstieg, normalisiert diese sich seit Beginn der Lockerungen wieder. So sinkt in der aktuellen Erhebung beispielsweise die Internetnutzung am Wochenende um 13 Minuten im Vergleich zur 7. Befragungswelle im Mai. Streamingformate und Podcasts zählen zu den Medien, die vom Hype durch Corona weiter profitieren. So hören weiterhin überdurchschnittlich viele Menschen Podcasts, während Fernsehen, Radio, Zeitung und Co. sich inzwischen nicht mehr über dem Normalniveau befinden.


Allgemein lässt sich jedoch beobachten, dass Medien in der Krise an Bedeutung gewonnen haben, als "wichtigste Informations- und Unterhaltungsquelle" und "Tor zur Außenwelt". Bei den jüngeren Befragten gaben 45 Prozent an, dass Medien für sie auch langfristig eine höhere Bedeutung haben werden. So entdeckten viele der 14- bis 29-Jährigen während des Lockdowns unter anderem ihre Vorliebe für Podcasts - und wollen den Konsum der Audioformate mehrheitlich nicht wieder an die Zeit vor Corona anpassen, sondern zu 21 Prozent künftig sogar steigern.

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Im Fernsehen werden jetzt sowohl Sport als auch weiterhin Filme, Serien und Shows häufiger geschaut als noch in der ersten Jahreshälfte. Nur der Bedarf an Nachrichten lässt nach – die Befragten wollen sich wieder mehr unterhalten lassen, als stets und ständig über alles informiert zu bleiben. In der 3. Befragungswelle gaben noch 71 Prozent der Umfrageteilnehmer an, mehr Nachrichten zu schauen als sonst, aktuell sind es rund ein Drittel weniger (47 Prozent).

Mehr Konsum durch Senkung der Mehrwertsteuer

Die Mehrheit der Deutschen kehrt mittlerweile zurück in den stationären Handel. Baumärkten kommt weiterhin die allgemeine Lust an der eigenen Heimverschönerung zugute: So war die Hälfte der Befragten (51 Prozent) in den letzten Wochen in einem Baumarkt. Etwas abgeschlagen folgen Bekleidungs- und Schuhgeschäfte (42 Prozent und 30 Prozent) sowie Kaufhäuser (27 Prozent). Allerdings hat jeder Fünfte seit den Lockerungen noch kein Ladengeschäft betreten.


Online-Shopping hingegen boomt anhaltend: Im Vergleich zur 1. Befragungswelle im März stiegen Bestellungen im Internet um 286 Prozent an. Besonders hoch im Kurs stehen dabei momentan Bücher als Lesestoff für den anstehenden Sommerurlaub (+176 Prozent im Vergleich zur 1. Befragungswelle). Aber auch Kleidung ist mit einem Plus von 49 Prozent weiter sehr gefragt.

Am stärksten reagieren die 14-29-Jährigen auf die Preisanpassungen durch die Mehrwertsteuersenkung – jeder Dritte von ihnen wurde durch diesen Anreiz schon zum Shoppen animiert. Spitzenreiter ist auch hier das Segment Kleidung & Schuhe mit 44 Prozent, aber auch größere Anschaffungen aus anderen Produktbereichen werden aufgrund des Sparaspekts vermehrt getätigt: Technik (28 Prozent), Möbel (26 Prozent), Haushaltsgeräte (17 Prozent), Auto (16 Prozent).

Deutsche gewöhnen sich an neuen Alltag mit Corona

Für viele ist das Corona-Thema inzwischen eher ein abstraktes Gefühl, das sie stets im Hitnerkopf behalten. Nur 22 Prozent der Befragten kennen jemanden, der sich nachweislich mit dem Virus infiziert hat. Das schwindende Informationsbedürfnis zeigt, dass viele sich nicht mehr aktiv mit der Pandemie befassen wollen. So informieren sich 37 Prozent seltener als ein- bis zweimal pro Tag über Covid-19-News. 7 Prozent versuchen sogar, gezielt den Kontakt mit Nachrichtenquellen zu meiden.

Hinsichtlich der Lockerungen gehen die Meinungen weiterhin auseinander. Die Hälfte freut sich über die Entschärfungen, 55 Prozent sehen diese aber auch sehr skeptisch und 58 Prozent versuchen trotzdem weiterhin möglichst wenig Kontakt mit anderen zu haben. Insbesondere mit Indoor-Aktivitäten fühlen sich die Befragten unwohl, dazu zählen vor allem der Besuch eines Fitnessstudios (50 Prozent), eines Kinos oder der Kirche beziehungsweise Moschee (47 Prozent). Auch eine Übernachtung im Hotel bewerten 38 Prozent sehr kritisch. Die Vorfreude auf Partys und Konzerte ist hingegen groß. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer würde direkt oder sehr bald nach der Öffnung wieder den Lieblingsclub besuchen.

Home Office gerne auch nach der Krise

Mehr als die Hälfte der Berufstätigen nimmt an, auch nach Ende der Corona-Krise weiterhin mehr von zu Hause aus zu arbeiten als vorher. Tatsächlich befinden sich aktuell immer noch 42 Prozent der Befragten im Home Office. Jeder Dritte ist der Meinung, dass Events wie Messen und Kongresse auch in Zukunft öfter digital stattfinden werden - 42 Prozent hoffen aber auf Offline-Veranstaltungen.

Reisesehnsucht bleibt bei vielen

Der Sommerurlaub fällt in diesem Jahr vor allem für Ältere aus: 71 Prozent der 50- bis 69-Jährigen sind davon betroffen. Vermehrte Berichte von überfüllten Stränden an der Nord- und Ostsee machen für die Deutschen nun öfter andere Regionen im eigenen Land für den Sommerurlaub attraktiv, so zum Beispiel die Berge. Auch die Nachbarländer Holland, gefolgt von Österreich, Italien und Polen sind momentan beliebte Ziele. Nur 50 Prozent der Befragten planen derzeit ihren Winterurlaub wie gehabt. Viele spielen bereits mit dem Gedanken, innerhalb der nächsten drei Jahre wieder Fernreisen nach Australien oder in die USA zu unternehmen, diese dann aber eher kurzfristig zu buchen.

Befragt wurden für die Sommerwelle jeweils 500 Menschen zwischen 14 und 69 Jahren mittels einer repräsentativen Onlinebefragung durch Respondi. Diese erfolgte vom 27. bis zum 29. Juli 2020. Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werdenhmb
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