Bio-Anbieter

Warum sich Rapunzel bei Rewe, Edeka und Co bedankt

   Artikel anhören
Die Anzeige erscheint als Print- und Out-of-Home-Motiv
© Rapunzel Naturkost
Die Anzeige erscheint als Print- und Out-of-Home-Motiv
Die Deutschen kaufen immer mehr Bio-Produkte. Doch sie tun das nicht in ausgewiesenen Fachgeschäften, sondern überwiegend im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel. Unternehmen wie Rapunzel kann das nicht gefallen - weshalb der Naturkost-Anbieter nun aus der Not eine Tugend macht.
Anlässlich der internationalen Fachmesse für Bio-Lebensmittel Biofach schaltet das Allgäuer Unternehmen Anzeigen im Spiegel, der FAZ und der taz. Darauf heißt es: "Danke, liebe Rewe, Edeka, Lidl, Aldi, dm und Co, dass ihr so viel Werbung für Bioprodukte macht." Der Dank ist allerdings verbunden mit einer Kritik: "Wenn ihr eure Bioprodukte mit der gleichen Begeisterung verkauft wie die 95 Prozent eures konventionellen Sortiments, freut das unsere Umwelt sehr". Außerdem kommen Out-of-Home-Anzeigen am Messeort Nürnberg sowie verschiedenen Werbemittel am PoS zum Einsatz.
Das Motiv in voller Pracht
© Rapunzel Naturkost
Das Motiv in voller Pracht
Tatsächlich pusht der Handel Bio-Lebensmittel in der Werbung immer stärker. Rewe etwa widmet einen Teil der kürzlich gestarteten Kampagne "Schon bewusst?" ökologisch erzeugten Lebensmitteln, während Edeka die Partnerschaft mit der Naturschutz-Organisation WWF zum Werbethema gemacht hat. Diese Maßnahmen lassen sich die Händler Millionen kosten. Kleine, spezialisierte Anbieter wie Rapunzel mit einem Bruto-Werbebudget von 50.000 Euro im Jahr 2019 (Quelle: Nielsen) können da nicht mithalten - auch wenn die Dankes-Kampagne das Budget signifikant in die Höhe treiben dürfte.


Die Marketingpower der großen Ketten dürfte auch ein Grund dafür sein, dass die Verbraucher ihre Bio-Produkte bevorzugt dort kaufen. Laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft gaben die Deutschen im Jahr 2018 5,5 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus, nämlich insgesamt 10,91 Milliarden Euro. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) profitierte davon überdurchschnittlich stark. Dort legten die Bio-Umsätze um 8,6 Prozent auf 6,43 Milliarden Euro zu. Der LEH erreichte damit einen Anteil am Bio-Markt von knapp 59 Prozent.
„Danke ist eines unserer grundlegenden Lebensprinzipien und hat mich dies zu dieser Kampagne inspiriert.“
Joseph Wilhelm, Rapunzel Naturkost
Und der Naturkosthandel? Wuchs im gleichen Zeitraum auch, aber lange nicht so stark. Mit einem Lebensmittelumsatz in Höhe von 2,93 Milliarden Euro verzeichnete der Naturkosthandel im Markt der Bio-Lebensmittel einen Anteil von etwa 27 Prozent. Bei Rapunzel (Umsatz im Jahr 2018: Rund 188 Millionen Euro) versteht man die Kampagne einer Pressemitteilung zufolge daher auch als 
Aufruf an den Bio-Fachhandel, "sich kreativ, professionell und kundennah als die Einkaufsstätte positionieren, in der es nicht nur den besten Service und Beratung, sondern auch die besten und ehrlichsten Produkte gibt".

"Danke ist eines unserer grundlegenden Lebensprinzipien und hat mich dies zu dieser Kampagne inspiriert", sagt Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm. "Damit bedanken wir uns bei den großen Playern des LEH dafür, dass sie so viel Werbung für Bio machen." Kreiert wurde die Kampagne von der Fruehling Advertising Group aus München, die bereits einige Kommunikationsmaßnahmen für Rapunzel realisiert hat. ire
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats