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Deutsche Autobauer verlieren weiter stark an Vertrauen / Audi macht die beste Werbung

Audi liegt bei der Werbung vorn
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Audi liegt bei der Werbung vorn
Die Vertrauenswerte der deutschen Autobauer leiden weiter stark unter Dieselgate. Das zeigen Ergebnisse aus der Best Cars-Studie. Die Imageerhebung bei der Wahl der besten Autos zeigt auch: Audi macht die beste Werbung, Toyota baut die umweltverträglichsten Autos.
Für die Autobranche sind es stürmische Zeiten. Die Nachwehen von Dieselgate mit den Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge, der Streit um die Grenzwerte bei der Abgasmessungen, der notwenige Umbau von reinen Autobauern zu Mobilitätsanbietern und nun auch noch eine Debatte über Tempolimits auf den Autobahnen: Die Topentscheider der Branche trafen sich in Stuttgart zur traditionellen Verleihung der Best Cars schon unter günstigeren Rahmenbedingungen.


Neben der Wahl der beliebtesten Modelle durch die Leser von Auto Motor und Sport sorgen regelmäßig die Imageerhebungen des Titels der Motor Presse Stuttgart für Spannung im Saal der Messe Stuttgart. Eigenwahrnehmung trifft auf Fremdwahrnehmung. Hier werden Kriterien wie "Gute Verarbeitung", "Hohe Zuverlässigkeit", "Fortschrittliche Technik" und "Gute Assistenzsysteme" untersucht, aber auch beispielsweise nach der Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Marken gefragt.

„Im Schnitt gibt die Vertrauenseinschätzung im 3-Jahres-Trend um 27 Prozentpunkte nach.“
Markus Eiberger, Motor Presse Stuttgart
Und hier verlieren die deutschen Marken massiv. Damit setzt sich die Talfahrt des vergangenen Jahres fort. In der Nationenwertung verlieren die deutschen Marken 12 Prozentpunkte gegenüber 2018. Das bedeutet Platz 3 hinter Schweden und Japan. Da dürfte es auch wenig trösten, dass nur Korea mit Kia und Hyundai beim Vertrauen zulegen.
Im Landerranking rutscht Deutschland auf Platz 3
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Im Landerranking rutscht Deutschland auf Platz 3
Denn schaut man sich die heimischen Hersteller genauer an, wird die Erosion beim Vertrauen noch viel deutlicher. BMW verliert 12 Vertrauenspunkte, Mercedes ebenso, bei Porsche sind es 8 Prozentpunkte weniger. Und das sind nur die Top 3. "Im Schnitt gibt die Vertrauenseinschätzung im 3-Jahres-Trend um 27 Prozentpunkte nach", sagt Markus Eiberger. Für den Leiter des Geschäftsbereichs Vermarktung bei der Motor Presse Stuttgart ist das eine Entwicklung, wie man sie in der Verbrauchermarktforschung eher selten misst. Und man ahnt, dass es lange dauern wird, bis diese Delle wieder glattgezogen ist. "Vertrauen ist ein hohes und extrem wichtiges Gut! Im Durchschnitt aller erhobenen Automarken sehen wir daher auch einen klaren Zusammenhang zwischen Vertrauens- und Imageentwicklung", sagt Eiberger.
Die deutschen Marken verlieren stark an Vertrauen
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Die deutschen Marken verlieren stark an Vertrauen
Das zeigt sich etwa beim Punkt „Baut umweltverträgliche Autos". Hier löst Toyota BMW an der Spitze ab. Während der Hybrid-Pionier stabil performt, verliert BMW 9 Prozentpunkte. Größter Gewinner ist in dieser Kategorie Hyundai. Die Koreaner legen 7 Prozentpunkte zu, das ist deutlich mehr als bei den Marken Volvo, Renault und Smart, die ebenfalls leichte Zuwächse verzeichnen. Eiberger wundert das nicht: "Mit den Modellen Ioniq, Nexo und Kona stellen die Koreaner ihre Kompetenz für Elektro-, Hybrid-, Plug-in-Hybrid und die Brennstoffzellen-Technologie unter Beweis."


Betrachtet man nur die eigenen Fahrer der Marken, dann fällt das Ergebnis noch dramatischer aus. Bei BMW steht ein Minus von 10 Prozentpunkten, bei Mercedes fehlen im Vergleich zum Vorjahr 9 Punkte. Gelingt es nicht, den Trend zu drehen, wird das langfristig zum Problem. "Wir messen aktuell, dass viele Fahrer deutscher Marken ihre eigene Marke im Punkt ‚Baut umweltverträgliche Autos‘ gegenüber dem Vorjahr schlichtweg nicht mehr genannt haben", erklärt Eiberger.
Audi zieht wieder an Mercedes vorbei
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Audi zieht wieder an Mercedes vorbei
Für das Marketing der Autobauer ist zudem noch ein anderes Urteil der Community spannend: "Wer macht gute Werbung?" Hier trifft Audi den Nerv der Kunden wohl am besten. Die Ingolstädter überholen 2019 wieder Vorjahressieger Mercedes. Gerade zieht die Ring-Marke mit dem e-tron ohnehin sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings ist das Jahr noch jung und in Stuttgart bei Mercedes wird man die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Zumal die Marke gerade mit ihren Assistenzsystemen bei den AMS-Lesern das Maß der Dinge ist.

Es gibt allerdings noch zwei Ergebnisse, die beim Mittagessen und den Gesprächen auf den Fluren für Gesprächsstoff sorgen dürften. Bei einer Nachbefragung von 6000 AMS-Lesern zu den aktuellen Entwicklungen fand die Motor Presse heraus, dass 59 Prozent der Befragten die Diskussionen über Feinstaub, Stickstoff oder Fahrverbote schlichtweg satt haben. Und auch das dürfte die Debatte um Zukunft des Diesels und den richtigen Antriebsmix in den Flotten weiter anheizen. 76 Prozent der Teilnehmer können die bei verschiedenen Marken beschlossene Abkehr vom Diesel nicht nachvollziehen. mir
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