Back to Office?

Welche Corona-Schutzmaßnahmen Heimarbeiter von ihrem Arbeitgeber fordern

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Viele Deutsche haben ihren Frieden mit dem Home Office gemacht
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Viele Deutsche haben ihren Frieden mit dem Home Office gemacht
Die zurückliegenden Corona-Monate zeigen: Home Office hat unter dem Strich wahrscheinlich sehr viel besser funktioniert als sich das manche Skeptiker vorgestellt haben. Dennoch steigt mit den umfassenden Lockerungen der vergangenen Wochen der Druck auf die Arbeitnehmer, wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Eine repräsentative Umfrage von YouGov für die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor zeigt nun, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält - und dass Arbeitgeber einiges tun müssen, um die Zweifel zu zerstreuen.
Laut der Umfrage, die YouGov zwischen dem 12. und 15. Juni 2020 unter mehr als 1100 Arbeitnehmern durchgeführt hat, arbeitet hierzulande derzeit rund ein Drittel aller Berufstätigen in den eigenen vier Wänden - ein Viertel wegen des Coronavirus. Und die Zahlen lassen die die Schlussfolgerung zu, dass viele Menschen inzwischen mit dem Home Office ihren Frieden gemacht haben.


So wünschen sich gerade einmal 47 Prozent der Befragten, die wegen der Corona-Pandemie in den eigenen vier Wänden arbeiten, einen baldige Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die Befragten begründen das meist damit, dass sie die persönliche Zusammenarbeit (57 Prozent) und den Smalltalk mit den Kolleg*innen (52 Prozent) vermissen. Auch die klare Trennung von Beruf und Privatleben (40 Prozent) wird von vielen Befragten als Vorteil an einem außerhäusigen Arbeitsplatz erkannt.

Bemerkenswert ist: Beinahe genauso viele, nämlich 43 Prozent, sagen, dass sie eben nicht ins Büro zurückkehren wollen. 13 Prozent vermissen den angestammten Arbeitsplatz sogar "in keinster Weise". Nur 10 Prozent der Befragten können sich dazu keine Meinung bilden. 


Diese Corona-Schutzmaßnahmen erwarten Angestellte von ihrem Arbeitgeber

Quelle: Glassdoor
Laut Umfrage sind Männer das Home Office offenbar eher leid als Frauen. So geben 52 Prozent der männlichen Befragten an, so bald wie möglich wieder zur Arbeit zu wollen. Bei den Frauen sind es lediglich 41 Prozent. Amüsant: Bei Verheirateten ist der Anteil derjenigen, die gerne das heimische gegen das "echte" Büro eintauschen würden, mit 54 Prozent höher als bei Singles (48 Prozent). Zudem stehen  Ostdeutsche (58 Prozent) einer Rückkehr an den Arbeitsplatz aufgeschlossener gegenüber als Westdeutsche (45 Prozent).  

Gleichwohl machen sich auch die Home-Office-Fans nichts vor. So erwarten 52 Prozent der Befragten, die aktuell nur wegen der Corona-Krise im Home Office arbeiten, dass sie bis spätestens Ende August wieder an ihrem eigentlichen Arbeitsplatz ihrer Tätigkeit nachgehen werden. 21 Prozent gehen davon aus, dass dies im September oder Oktober soweit sein wird. Nur 7 Prozent der Befragten gehen von einem späteren Zeitpunkt aus. 15 Prozent sagen, dass sie, falls möglich, dauerhaft aus dem Home Office arbeiten möchten. 

Die Bereitschaft, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist allerdings mit einigen Erwartungen verknüpft. Ganz oben auf der Wunschliste steht Desinfektionsmittel: Satte 59 Prozent der Befragten erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er dieses bereitstellt. Zudem sollten Unternehmen aus Sicht von 56 Prozent der Befragten dafür sorgen, dass der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu anderen Mitarbeitenden eingehalten werden kann. Hoch im Kurs stehen auch eine häufigere Reinigung der Büroräume (49 Prozent), ein Belüftungskonzept und regelmäßige Durchlüftung der Arbeitsräume (39 Prozent) und eine Aufteilung der Belegschaft in Teams, die abwechselnd am Arbeitsort tätig sind (36 Prozent). 

Aus Sicht von Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor, sind die deutschen Berufstätigen gespalten. "Zwar rechnet die Mehrheit der Corona-Heimarbeitenden damit, spätestens nach den Sommerferien an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Allerdings hat nur knapp die Hälfte wirklich den Wunsch, schnellstmöglich wieder im Betrieb zu arbeiten und hat hohe Anforderungen an Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen", so Altmann. Die neue Normalität im Beruf werde daher eine andere sein als vor der Corona-Krise. "Arbeitgeber tun gut daran, die Ängste und Vorbehalte der Belegschaft bei den anstehenden Lockerungsmaßnahmen zu berücksichtigen", so Altmann. mas
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