Aus für Junkfood-Spots?

Wie die Süßwarenindustrie die Forderung nach einem Werbeverbot kontert

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Thjnk will keine Werbung mehr für McDonald's machen
© McDonald's
Thjnk will keine Werbung mehr für McDonald's machen
Die Forderung der Grünen nach einem TV-Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel stößt auf harsche Kritik seitens der Industrie. "Werbeverbote für Süßwaren machen niemanden schlanker", teilt etwa der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie am Donnerstag in einer Stellungnahme mit - und macht auch gleich eigene Vorschläge zum Umgang mit dem Problem Übergewicht. Zuvor hatte sich Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) für den Vorstoß der Grünen offen gezeigt.
Wegen der hohen Zahl von Übergewichtigen hatte die Grünen-Fraktion zuvor gefordert, dass die Werbung für stark zuckerhaltige Produkte und für Junkfood reguliert werden müsse. "Gerade Kinder und Jugendliche sind besonders empfänglich für Werbung. Sie müssen besser vor Produkten geschützt werden, die nicht den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation für ausgewogene Ernährung entsprechen", zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland die Sprecherin für Gesundheitsförderung der Grünen-Fraktion, Kirsten Kappert-Gonther. 
„Gerade Kinder und Jugendliche sind besonders empfänglich für Werbung. Sie müssen besser vor Produkten geschützt werden, die nicht den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation für ausgewogene Ernährung entsprechen.“
Kirsten Kappert-Gonther
Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) kann der Forderung offenbar etwas abgewinnen. Zwar zeigte sie sich über den Zeitpunkt des Grünen-Vorstoßes verwundert, da im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, in dem es auch um an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung geht und über den derzeit verhandelt wird, ein solches Verbot von Fernsehwerbung nicht vorgesehen sei. Dennoch signalisierte sie gegenüber der dpa ihre Bereitschaft, "an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung stärker in den Blick zu nehmen".


Hintergrund des Vorstoßes sind offenbar auch aktuelle Entwicklungen in Großbritannien. Die britische Regierung hat kürzlich bei der Präsentation einer Kampagne gegen Übergewicht angekündigt, Werbung für Junkfood im TV und im Internet vor 21 Uhr zu verbieten. Auslöser ist offenbar unter anderem die Corona-Pandemie. So ist der britische Premierminister Boris Johnson davon überzeugt, dass sich Fettleibigkeit negativ auf den Verlauf von Corona-Erkrankungen auswirkt. 
„Durch einen Verzicht auf Werbung für Süßwaren wird niemand schlanker.“
Carsten Bernoth
Carsten Bernoth hält den in Großbritannien eingeschlagenen Weg allerdings für grundfalsch. "
Durch einen Verzicht auf Werbung für Süßwaren wird niemand schlanker", sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Süßwaren seien genussbringende Produkte für die kleinen Freuden im Alltag und hätten - in Maßen genossen - daher wie jedes andere Lebensmittel auch in einer ausgewogenen Ernährung ihren Platz.
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Die Sichtweise, dass Süßwaren allein der Auslöser für Übergewicht seien, hält er daher auch für nicht angebracht. "
Übergewicht hat viele Ursachen, insbesondere zu wenig Bewegung, eine unausgewogene Ernährung oder genetische Faktoren. Allein den Konsum einzelner Lebensmittel oder die Werbung für einzelne Lebensmittel als Ursache zu betrachten, löst das Problem nicht", sagt der BDSI-Chef - und reicht den schwarzen Peter einfach weiter. "Sinnvoller wäre es, wenn Kindern und Jugendlichen im Schulunterricht die Funktion und Bedeutung von Werbung vermittelt wird, damit sie Medienkompetenz erlangen. Auch sollte in Schulen praktische Ernährungsbildung durch Kochkurse vermittelt werden, wie der BDSI seit langem fordert", meint Bernoth, der auch an die "essenzielle Rolle" erinnert, die Werbung in einem fairen und lauteren Wettbewerb in der freien Marktwirtschaft spielt - und daran, dass die Werbemöglichkeiten für Lebensmittel bereits durch "umfangreiche nationale und europäische Regelungen" eingeschränkt werden. mas
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