"Anti-Fa"

FC St. Pauli duscht gegen Nazis - und provoziert den Ärger von Henkel

St. Pauli will mit Anti-Fa ein Zeichen setzen
© FC St. Pauli
St. Pauli will mit Anti-Fa ein Zeichen setzen
Der FC St. Pauli hat gemeinsam mit Vertriebspartner Budni ein Duschgel auf den Markt gebracht: "Anti-Fa – die wilde Frische der Straße" soll den jüngst wieder verstärkt auftretenden Nazi-Aufmärschen etwas entgegensetzen. An sich eine gute Sache - bei Henkel in Düsseldorf ist man von der Aktion aber gar nicht begeistert.
Der Grund: Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern ist im Besitz der Marke Fa und vertreibt darunter Körperpflege-Produkte wie Deo, Duschgels und Seifen. Von der Aktion des FC St. Pauli befürchtet man offenbar negative Abstrahleffekte auf die eigene Marke. Zwar stehe man "seit jeher" für Werte wie Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit, erklärte das Unternehmen auf Twitter. "Der Verkauf eines Duschgels mit dem Produktnamen 'Anti-Fa' bzw. Verbindung des Begriffs 'Anti' mit einem unserer Markennamen ist grundsätzlich nicht in unserem Sinne - ganz unabhängig davon, in welchen Kontext dies gestellt wird / welche politische Haltung damit verbunden ist", heißt es in dem Statement weiter.
Die Veröffentlichung des Anti-Fa-Duschgels sei ohne Absprache mit Henkel erfolgt, erklärt das Unternehmen. Die Diskussionen in den sozialen Netzwerken würden zeigen, dass der Produktname bei den Verbrauchern für Irritation und Unverständnis sorge. Offensichtlich ist Henkel die Sache so ernst, dass man sogar über Konsequenzen für die Verantwortlichen der Aktion nachdenkt: "Um das positive Image unserer Marke Fa zu schützen, sind wir im Gespräch mit den Verantwortlichen und behalten uns vor, gegebenenfalls auch rechtlich gegen diese Anlehnung an unseren Markennamen vorzugehen."


Die Diskussionen bei Twitter zeigen aber noch etwas anderes: Unverständnis für die Haltung von Henkel. Oder sollte man besser sagen: Fehlende Haltung? So fragt ein User auf der Plattform: "Also ist Antifaschismus nicht mit der Marke Henkel zu vereinbaren? Frage für zukünftige Einkäufe."
Tatsächlich wirft die Debatte ein Schlaglicht auf die Rolle von Unternehmen und Marken in der aktuellen politisch-gesellschaftlichen Gemengelage: Haltung gegen rechts zu zeigen ist für viele Werbungtreibenden zur Ehrensache geworden. Ein aktuelles Beispiel ist Rewe mit seiner Aktion "Ja zu Vielfalt". Nicht vorbehaltlos hinter einer Aktion zu stehen, die in dieselbe Richtung geht, wird von vielen Verbrauchern offenbar als Ablehnung empfunden - auch wenn Henkel unter Markengesichtspunkten durchaus nachvollziehbare Argumente vorbringt.

Aber auch die Macher der "Anti-Fa"-Aktion haben natürlich gute Gründe: "In Zeiten, in denen Nazis auf ihren Demos ungehindert und unbehelligt rechtsextreme Parolen schreien dürfen und in denen geflüchtete Menschen bedroht und gejagt werden, ist es wichtiger denn je, Haltung zu zeigen", heißt es auf der Website des FC St. Pauli, der sich gemeinsam mit den Fans seit jeher gegen rechts positioniert. "Anti-Fa" sei das erste Duschgel mit Haltung, heißt es auf der Pauli-Website weiter. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen an die Initiative "Laut gegen Nazis" gehen. Beim Kiezclub ist man derzeit offensichtlich noch entspannt: "Wir haben ebenfalls von den Aussagen der Firma Henkel erfahren und stehen dazu mit unserem Partner Budni und auch mit Henkel im Austausch", so Geschäftsleiter Andreas Rettig am Mittwoch. Das ist auch nach wie vor der Stand der Dinge, wie der Verein auf Nachfrage mitteilt.


Doch unabhängig vom Ausgang: Bereits jetzt darf die ganze Aktion als Erfolg für die Paulianer gewertet werden. Und zwar nicht nur aufgrund des PR-Effekts. Auch die Nachfrage scheint ordentlich zu sein: Im Webshop des FC St. Pauli sind weder das Duschgel noch die Softcreme derzeit lieferbar. ire
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